Schweizer Finanzplatz in Gefahr

Nov 17 • Dalla Svizzera, Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 608 Views • Commenti disabilitati su Schweizer Finanzplatz in Gefahr

Der Finanzplatz Schweiz ist leider nicht mehr, was er einmal war. Noch sind wir stark in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Aber es geht deutlich bergab, unser Finanzplatz verliert an Boden. Lesen Sie hierzu meinen Kommentar.

In der NZZ habe ich auf der Titelseite diese Schlagzeile gelesen: «Der Finanzplatz ist in Bedrängnis». Nun bin ich ja in diesem Metier kein blutiger Laie und verfolge das Problem schon lange. Aber es ist doch gut, wenn eine grössere Öffentlichkeit erfährt und begreift, was sich seit einigen Jahren abspielt. Und das geht uns alle etwas an, denn wenn es dem Finanzplatz schlechter geht, geht es allen schlechter.

Noch bilden wir uns etwas darauf ein, dass die Schweiz auch nach dem Untergang der CS noch immer die weltweite Nummer 1 in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung ist. Kein anderes Land verwaltet mehr Geld von ausländischen Kunden. Neue Studien zeigen aber, dass die Schweiz rasch an Boden verliert. Der Abstand zu Grossbritannien – welches die Chance des Brexit gut genutzt hat – ist verschwindend klein geworden.

Selbstverständlich hat der Untergang der Credit Suisse zu massivem Abfluss von Kundengeldern geführt – nämlich in dreistelliger Milliardenhöhe. Noch schlimmer ist wohl der Image-Schaden für den Schweizer Finanzplatz als sicherer, zuverlässiger Hafen für weltweite Vermögen. Fast noch interessanter finde ich, was die NZZ über die Studie weiter sagt: Auch der Ruf der Schweiz als neutraler Standort für internationale Vermögen habe gelitten, vor allem durch die Übernahme von Sanktionen. Das könne für viele ein Grund sein, ihr Geld nicht mehr zu einer Schweizer Bank zu bringen.

Zudem leidet die Schweiz unter ungleichen Spiessen: Unter dem Druck der USA haben wir das Bankkundengeheimnis für Ausländer preisgegeben und den automatischen Informationsaustausch mit mittlerweile über 100 Ländern eingeführt, die Amerikaner machen bis heute keinen Anstand diesen einzuführen. Sie sind auch nicht bereit, die OECD-Mindeststeuer zu übernehmen, welche die Schweiz ebenfalls auf Druck eingeführt hat. Wie konnte es so weit kommen? Weil Politiker der Linken und der Mitte lieber dem Ausland gefallen wollen, statt die Interessen der Schweiz zu vertreten.

Mit freundlichen Grüssen aus den Sümpfen von Bern,

Thomas Matter

Nationalrat, Meilen (ZH)

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