Extremismen

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Eros N. Mellini

Editorial

Es gibt mannigfache Formen von Extremismus: Den religiösen, den politischen, den ökologischen, ethischen… und sie alle bedeuten eine beträchtliche Gefahr für die Menschheit oder, viel öfters, für die direkt davon betroffene Bevölkerung.

Der religiöse Extremismus

Das ist die gegenwärtig offensichtlichste Form, die Attentate und Mordanschläge mit islamistischem Hintergrund sind aktueller denn je. Ob sie tausende von Menschenleben hinwegraffen wie beim Attentat vom 1. September 2001 auf die Twin Towers oder nur eine einzelne Person wie bei der Enthauptung eines Lehrers wie im vergangenen Oktober: Wenn man die hunderte von Straftaten mit unterschiedlicher Anzahl von Opfern der letzten Jahrzehnte betrachtet, wird klar, dass sie alle ihren Ursprung im religiösen Extremismus haben. Ja, dies trifft – entgegen den üblichen Verharmlosern, die zu Unrecht meinen, die Schweiz sei gegen solche Phänomene immun – auch auf die jüngste Messerattacke im Kaufhaus Manor von Lugano zu. Man mag messerscharf kontrovers über Ausmass und Schwere der Einzelfälle diskutieren, aber wenn die Attentate im Namen von Allah verübt werden, sehen wir uns zwangsläufig einem religiösen Extremismus und im Extremfall islamistischen Terrorismus ausgesetzt.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Taten auf einen einzelnen Akt eines geistig Irren zurückzuführen sind – wie man das fast immer hört seitens der Gutmenschen (aber auch seitens der Behörden, die sehr darauf bedacht sind, ebenso unkontrollierbare Reaktionen zu vermeiden) – oder auf organisierte kriminelle Gruppen, die damit systematisch die westliche Gesellschaft zu treffen wollen, um dieser die eigene Religion aufzuzwingen. Im übrigen soll mir erst einmal jemand beweisen, dass jemand, der ein Attentat mit auch nur wenigen Opfern verübt, geistig gesund sei.

Der Fairness halber muss man richtigerweise auch den christlichen Extremismus erwähnen, insbesondere jenen der Katholiken, die in den vergangenen Jahrhunderten – teils erfolgreich – gewaltsam und inquisitorisch versuchten, das Christentum allen Menschen aufzuzwingen. Der Unterschied zwischen dem islamischen und dem christlichen Extremismus liegt darin, dass es letzteren seit mehreren hundert Jahren praktisch nicht mehr gibt, während ersterer sich heutzutage ausbreitet.

Der politische Extremismus

Die in unserer Welt vom Nazismus, Faschismus und Kommunismus verübten Massenmorde sind die schrecklichsten Formen von politisch motiviertem Extremismus gewesen.  Aber auch die diversen Terrorakte, bei denen sich in einer teils nicht weit zurückliegenden Vergangenheit Gruppen von Aufständischen – zu Recht oder Unrecht – in auf einige Staaten oder Kleinstaaten beschränkten Revolutionen betätigt haben, stellen Formen dar, bei welchen wir, als auf eine jahrhundertealte Demokratie Zurückblickende, nicht umhin kommen, sie als extremistisch einzustufen. Angefangen mit dem Terror der Französischen Revolution bis hin zu den Bomben der PLO in Palästina, der IRA in Irland oder der ETA oder der OAS in Algerien – um nur einige Beispiele zu nennen. Eines sei klargestellt: Ich will hier nicht die Beweggründe hinterfragen, die Leute wie Robespierre, De Valera, Arafat, Salan und andere zu ihrem Tun bewegten, aber zweifellos kann dieses als politischer Extremismus bezeichnet werden.

Der ökologische Extremismus

Gemeinsam mit dem ethischen Extremismus, auf den wir im nächsten Kapitel zu sprechen kommen werden, stellt der ökologische die modernste und eindeutig weniger blutige Form von Extremismus dar als die beiden anderen, wenn man von den Vandalenakten absieht, die aber in der Regel keine menschliche Opfer fordern. Immerhin handelt es sich dennoch um Extremismus, mit vielleicht weniger sichtbaren, aber deshalb nicht minder schwerwiegenden Folgen. Er ist gefährlich im Aufwind, wie es die „grüne Welle“ gezeigt hat, welche die Wahlen in verschiedenen Ländern geprägt hat, darunter leider auch in der Schweiz. Sie wollen den Planeten „retten“, der nota bene über Jahrtausende hinweg Naturkatastrophen, Eiszeiten und Seuchen erlebte und sich dabei stets selber „gerettet“ hat. So habe ich mich denn stets gefragt, wie viele LKWs vor 65 Millionen Jahren auf der Erde im Umlauf waren, um das Aussterben der Dinosaurier zu bewirken. Leider folgt die – stets mehr auf die Vermeidung von Stimmenverlusten als auf das kohärente Befolgen des gesunden Menschenverstands ausgerichtete – Politik immer häufiger diesen „ökologischen Talibans“, indem sie Restriktionen und finanzielle Aderlässe durchsetzt, die, vor allem in der kleinen Schweiz appliziert, überhaupt keine Auswirkungen auf das globale Klima haben. Ein Exempel dafür stellt das neue CO2-Gesetz dar, gegen welches das Referendum ergriffen wurde (gottseidank gibt es noch Leute, die gegen den in Bundesbern überhand nehmenden masochistischen Mainstream immun sind).

Der ethische Extremismus

Die jüngste Form von Extremismus ist der ethische. Es ist jener, der zu wirtschaftlich selbstmörderischen Initiativen führt wie jener mit „für verantwortungsvolle Unternehmen“ übertitelten, über die wir am vergangenen 29. November abgestimmt haben und die glücklicherweise dank den Kantonen abgelehnt wurde. Sie wollte à tout prix absolute und unantastbare Ethikforderungen durchsetzen für Personen und Unternehmen, die sich tagtäglich behaupten müssen gegen einer Gesellschaft, die, im Gegenteil, mit Ethik nichts zu tun hat. Es ist jene Form von Extremismus, der die so genannten Menschenrechte im Bereich des zwingenden Völkerrechts auf die Spitze treibt. Diese Menschenrechte, die erschaffen wurden, um die Menschen vor unmenschlicher Behandlung zu schützen – deshalb das Verbot von Folter, Völkermord (wann wurde denn dieser je erlaubt ?), Rassendiskriminierung und anderen Schändlichkeiten dieser Art – wurden ausgeweitet zu einem unüberschaubar langen Katalog von Rechten, mit denen – obschon sie weit davon entfernt sind, für die einzelnen Menschen unverzichtbar zu sein – der übrigen Gemeinschaft schwerwiegende Restriktionen auferlegt wurden. Darüber hinaus wurde die Gewährung dieser Rechte nicht mit der entsprechenden Auferlegung von Pflichten ausgeglichen. Der Fall der jüngsten Initiative „für verantwortungsvolle Unternehmen“ ist exemplarisch dafür, wie der ethische Extremismus dazu führt, sich in die Angelegenheiten der anderen einzumischen – im vorliegenden Fall in das Justizsystem anderer Länder, ohne sich dabei darum zu kümmern, wie schädlich dies für die Wirtschaft des eigenen Landes ist. Toleranz zu predigen und gleichzeitig nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten und dritten Stein zu werfen, haben sich diese „ethischen Talibans“ ohne Hinterfragung der eigenen Schuld zur Regel gemacht.

Zurückhaltung ist am vorteilhaftesten

All diese religiösen, politischen, ökologischen und moralistischen Extremismen haben eines gemeinsam: Sie wollen ihre Vorstellung über den Weg ins Paradies durchsetzen bei einer Heerschau von Leuten, denen der Eintritt ins Paradies einerlei ist. Wir alle sind tolerant gegenüber unserem Nächsten, was auch immer seine Religion sei, aber wenn diese Toleranz uns gar soweit auferlegt wird, dass wir die Intoleranz anderer erleiden müssen, dann sind wir einem nicht hinnehmbaren Extremismus ausgesetzt, umso mehr wenn dieser in Terrorismus umschlägt. Das gleiche gilt für den politischen Fanatismus, wenn er mittels Attentaten völlig unschuldige Menschen trifft.

Einen ebenso grossen Schaden erleiden wir, wenn wir den ökologischen Extremismus hinnehmen oder gar zum eigenen Anliegen machen. Auch hier gilt: Wir sind alle damit einverstanden, den Mist vor unserem eigenen Haus selber wegzuräumen, niemand verschmutzt zur eigenen Freude, und die Schweiz hat in diesem Sinne punkto Ökopolitik bereits die im internationalen Vergleich schärfsten Bestimmungen umgesetzt. Aber den einheimischen „Talibans“ genügt das nicht: Man müsse die Bevölkerung zusätzlich mit Steuern und Verboten belasten und sie so zu einer beträchtlichen Einbusse an Lebensqualität zwingen, um damit Massnahmen zu ergreifen, deren Wirkung auf die Verschmutzung des Planeten gleich Null ist.

Schliesslich komme ich zum Thema Ethik und Moral. Ist es denn möglich, dass keiner dieser Pseudoapostel der Tugend sich vergegenwärtigt, dass die Schweiz auch punkto Ethik nichts zu lernen – aber ebenso wenig zu predigen – hat, obschon wir weit davon entfernt sind, perfekt zu sein. Auch hier verfügen wir bereits über eine mehr als ausreichende Gesetzgebung, um im eigenen Hause für eine auf hohem ethischen Niveau tätige Wirtschaft zu sorgen; aber nein, man müsse sich schulmeisterlich in die Politik anderer Staaten einmischen – ungeachtet der unheilvollen Folgen, welche dies für unsere Unternehmen zeitigen würde.

Einzig vorteilhaft – und auch vertretbar – ist eine Politik der Mässigung und Zurückhaltung in sämtlichen Bereichen, wobei man selbstverständlich auf Gegenrecht pochen muss. Dieses muss gegenüber wem auch immer nötigenfalls auch beinhart eingefordert werden.

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