Wer ist eigentlich solidarisch?

Mag 18 • Dall'UDC, Dalla Svizzera, Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 430 Views • Commenti disabilitati su Wer ist eigentlich solidarisch?

Thomas Matter Nationalrat, Meilen (ZH)

Wie viel liefert ein Steuerzahler in der höchsten Progressionsstufe dem Staat ab? Sicher ist: Dieser verhält sich gegenüber der Allgemeinheit solidarischer als jene, die ständig über die sogenannten «Reichen» schimpfen.

 Liebe Leserinnen und Leser, heute spreche ich ausnahmsweise einmal von mir. Genauer: Über die Steuern, die ein Steuerzahler in der höchsten Progressionsstufe dem Staat abliefert. Letzte Woche wollte ich bei einer Kantonalbank ein Festgeld anlegen. Diese hat mir 1,2% Zinsen offeriert. Dann habe ich mir überlegt, was mir davon nach Steuern noch bleibt. Von diesen 1,2 Prozent gehen 0.42% für die Einkommenssteuern weg. Es verbleiben mir also noch 0.78% meines Zinssatzes. Dann gehen noch 0,68 Prozent weg für die Vermögensteuern. Das heisst: Von meinem Zinssatz von 1,2 Prozent bleiben mir noch genau 0,1 Prozent. Die Differenz – also 1,1% – bezahle ich dem Staat an direkten Steuern.

Doch damit nicht genug: Auf den 0,1 Prozent liefere ich auch noch indirekte Steuern ab, z.B. die Mehrwertsteuer, sollte ich mit den 0,1% etwas konsumieren. Dabei wohne ich im verhältnismässig steuergünstigen Meilen. Würde ich in der rot-grün regierten Stadt Zürich wohnen, käme ich bei 1,2 Prozent Zins auf ein Minus von 0,15 Prozent. Ein Wohnsitz in Zürich würde mich also faktisch enteignen, was eigentlich durch die Eigentumsgarantie unserer Verfassung verboten ist.

Als Dank dafür, dass ich und andere so genannte «Reiche» den grössten Teil unseres Einkommens dem Staat abgeben, heisst es von Links: «Die Reichen sollen endlich mehr Steuern zahlen! Die Reichen verhalten sich unsolidarisch.» Man will die guten Milchkühe zu Tode melken oder noch besser: ganz abschlachten. Dabei trägt eine kleine Minderheit von 10 bis 20 Prozent den Grossteil der Steuerlast in der Schweiz. Wenn man sie bis ins Unendliche besteuert, sind am Schluss nicht etwa alle gleich reich, sondern alle gleich arm.

Dass die Postfinance als Tochtergesellschaft der staatlichen Post in ihrer neusten Werbung den Begriff «reiche Schnösel» verwendet, ist nicht nur politisch ideologisiert, sondern ein Affront. Solidarität ist keine Einbahnstrasse. Sie darf auch für jene eingefordert werden, die den grössten Teil der Lasten unseres Gemeinwesens finanzieren.

Mit freundlichen Grüssen aus den Sümpfen von Bern.

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