Tuut! Tuut! Fahre endlich los, es ist ja grün! (grrr, @ # % !)

Giu 12 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 244 Views • Commenti disabilitati su Tuut! Tuut! Fahre endlich los, es ist ja grün! (grrr, @ # % !)

Eros N. Mellini

Editorial

Einst sagte man, die Definition von „Augenblick“ sei die Zeitspanne zwischen der Grünschaltung einer Verkehrsampel bis der Fahrer des Autos hinter dir zu hupen beginnt. Tuut! Tuut! Fahre endlich los, es ist ja grün! (grrr, @ # % !).

Persönlich stört es mich, wenn die Fahrerin oder der Fahrer vor mir vor der Verkehrsampel einschläft, und so können Sie sich meine steigende Wut vorstellen, wenn diese/dieser – um schlauer als alle anderen erscheinen zu wollen – zögert, weil er befürchtet, dass ein von rechts oder links kommendes Auto das Rotlicht missachten könnte.

Diese angeblichen „Schlaumeier“ scheinen sich infolge des Covid-19 bzw. der Strategien zur Krisenbewältigung exponentiell vermehrt zu haben.

Alles viel zu früh, zu offen, zu….alles! Die masochistische Freude, sich durch unnötige oder gar kontraproduktiven Leiden und Widerwärtigkeiten selbst zu geisseln, scheint Fuss gefasst zu haben unter den Massen von Leuten, die sich den Magen verdorben haben mit den „news“ und „fake news“ in jenem Internet, welches die Wissenschaft uns zur Verfügung gestellt hat, um Erkenntnisse zu verbreiten, das indessen aber als schädliche Nebenwirkung zum Resonanzkasten von Dummheiten geworden ist, die einst (in der guten alten Zeit) dem Geschwafel eines mehr oder weniger betrunkenen Stammtischlers in der Dorbeiz entsprachen.

Die Angst vor Stimmenverlusten: das Krebsgeschwür der Politik

Leider müssen in einer Demokratie die zur Bewältigung dieser ausserordentlichen Krise aufgerufenen Politiker und Behörden alle ihre Entscheide der Zustimmung durch das Volk unterwerfen. Obschon sie sich bewusst sind, dass nicht alle einer Meinung sind, müssen sie zwecks ihrer Wiederwahl – dem zweifellos erstrangigen Ziel der meisten von ihnen – die Stimmen der grösstmöglichen Wählerschicht erlangen. Von daher stammt das Nachgeben aufgrund des Drucks des Volkes, auch wenn dieser irrational und völlig emotional ist; aus diesem Druck ist praktisch  ein „Lockdown“ resultiert, der in Tat und Wahrheit weit über das unabdingbar Nötige hinausgegangen ist. Man beschuldigt weiterhin die Regierung (die eidgenössische, aber auch die kantonale), den Entscheid zur Lahmlegung sämtlicher wirtschaftlichen und sozialen Tätigkeiten schuldhaft verspätet gefällt und damit die unkontrollierte Verbreitung des Virus gefördert zu haben, aber wo finden sich die Beweise dafür? Die dauernde Verbreitung der Nachricht, wonach das schwedische Modell mehr Opfer gekostet habe als in anderen Ländern mit einem rigorosen „Lockdown“, werden Mal für Mal widerlegt von ebenso vielen Nachrichten, wonach dieses skandinavische Land keine grösseren Gesundheitsschäden erlitten hat als in jenen Ländern, in denen aufgrund der Volkspanik alles geschlossen wurde. Hingegen haben sich die wirtschaftlichen Schäden – die es erwiesenermassen auch dort gegeben hat – in einem vernünftigen Rahmen bewegt. Somit erscheinen die Chancen, dass die Schliessung zu spät erfolgte, oder dass sie verfrüht war, als gleichwertig. Aber die vorherrschende Meinung, der berüchtigte „Mainstream“, war und bleibt von der Panik geprägt, und dagegen anzukämpfen wäre für all jene, die – ob sie es verdienen oder nicht – in den politischen Schaltzentralen sitzen, einem politischen Selbstmord gleich gekommen, und das ist noch heute so.

Zurück zur Normalität, nicht zu einer „neuen Normalität“

Es ist klar, dass man aus einer ausserordentlichen Krisensituation möglichst rasch wieder herauskommen muss. Für mich, der ich skeptisch bin, kann die Wiedereröffnung nicht verfrüht oder allzu übereilt sein, weil ich das hingegen von den verfügten Schliessungsentscheiden denke. Was auch immer: Die Ausserordentlichkeit der Lage hat das Ergreifen gewisser ebenso ausserordentlicher Massnahmen – ob sie richtig oder falsch waren, sei dahin gestellt –  erfordert. Aber eben, die Ausnahme darf nicht zur Lebensregel werden, wie das die feurigsten Befürworter der Selbstgeisselung gerne haben möchten. Im Mittelalter, als man die Pest als eine göttliche Strafe betrachtete, haben sich viele Leute selbst gemartert durch Anlegung eines Büsserstricks, um dadurch Gott um die Vergebung ihrer Sünden anzuflehen. Aber nach dem Ende der Seuche haben sie meines Wissens ihr Folterinstrument abgelegt und sind zur Normalität zurück gekehrt, nicht zu einer „neuen Normalität“, welche die Weiterführung der unnötigen Leiden bedeutet hätte, nach dem Motto „man weiss ja nie…“.

Da die Coronavirus-Krise gezeigt habe, dass man auch ohne einen gewissen Komfort des modernen Lebens auskommen könne, möchten grüne und linke Kreise – meines Wissens haben sie den Begriff „neue Normalität“ geprägt – , dass die Menschheit (bzw. insbesondere die kleine Schweiz) weiterhin in einer Ausnahmesituation leben sollte, um damit gegen den Klimawandel oder die Luftverschmutzung anzukämpfen. Die ausserordentliche Lage würde damit so quasi zu einer Lebensregel erklärt.

Das ist völlig falsch!  Aus der Ausserordentlichkeit muss man heraus, zurück zur Normalität – jener von vorher also – nicht zu einer vielleicht etwas aufgeweichteren Ausnahmesituation, auch wenn diese mit dem Euphemismus „neue Normalität“ verniedlicht wird. Persönlich möchte ich wieder wem es mir gefällt die Hand drücken können, möchte ohne Einschränkungen Freunde und Bekannte treffen, in ein Restaurant gehen, ohne Gesichtsmaske und Handschutz einkaufen können etc.

Und diesen Übergang muss man so rasch wie möglich vollziehen, auch unter Eingehung einiger kalkulierbarer Risiken. Die Verkehrsampeln haben den Verkehr verflüssigt. Tuut! Tuut! Fahre endlich los, es ist ja grün! (grrr, @ # % !).

 

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