Schweizer Kosovaren und Schweizer Albaner

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Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Die Schweizer Beteiligung an den Fussball-Weltmeisterschaften ist längst zu Ende und damit auch die Sache mit dem Doppeladler, die in allen Medien so viele Reaktionen ausgelöst hat. Ich kann diesen Szenen, die so oft abgebildet worden sind, durchaus etwas Positives abgewinnen. Hat nicht unser Land recht viel Gemeinsames mit dem Kosovo und Albanien? Alle drei sind im Laufe der Geschichte als «Armenhaus Europas» dargestellt worden. Für den Kosovo und für Albanien traf diese Feststellung noch bis vor wenigen Jahren zu, unterdessen hat sich glücklicherweise schon vieles verändert. Und ob man es heute glaubt oder nicht: Auch die Schweiz wurde vor gar nicht so langer Zeit zu den ärmsten Ländern des Kontinents gezählt. Noch 1816/17 führten in unserem Lande Missernten und politische Ereignisse zu einem grossen Anstieg der Armut und zum Hungertod vieler Eidgenossen. In der Massenarmut von 1846/47 fing man allmählich an, sich über die Ursachen und die Bekämpfung der Armut Gedanken zu machen. Einer der zahlreichen Lösungsansätze war die Auswanderung um anderswo sich eine bessere Existenz zu sichern und vielleicht später wieder einmal in die Heimat zurückkehren zu können.

Genau das taten in den letzten Jahrzehnten viele Kosovaren und Albaner. Sie arbeiteten in der Schweiz, integrierten sich recht gut, wurden oft eingebürgert und trotzdem schlägt ihr Herz heute noch für ihre Heimat – meiner Meinung nach ein gutes Zeichen. Soll man ihnen das zum Vorwurf machen, dass sie bei den kriegerischen Ereignissen auf dem Balkan mit ihren Landsleuten mitgelitten haben? Soll man es ihnen übelnehmen, wenn sie sogar wieder zurückkehren und beim Aufbau ihres Landes mithelfen und dabei die in der Schweiz erworbenen Kenntnissen umsetzen? Im Kosovo gibt es heute bis hinauf in die Regierung Leute, die Schweizerdeutsch reden. Eigentlich ist doch genau das die beste Form der Emigration: Menschen aus wirtschaftlich unterentwickelten Ländern nutzen ihre Zeit ausserhalb der Heimat um sich Kenntnisse anzueignen, die sie später zuhause verwenden können. Diese Emigration soll zeitlich beschränkt sein – nur so kann die Heimat davon auch profitieren. Ob man dann als Spitzenfussballer oder als ausgebildeter Handwerker oder als Informatikspezialist zurückkehrt, spielt gar keine so grosse Rolle. Ich gehe noch einen schritt weiter: Ich wünsche mir, dass auch der Kosovo und Albanien diese Entwicklung durchmachen dürfen, die wir Schweizer in den letzten zweihundert Jahren erleben durften. Vielleicht auch in weniger als zweihundert Jahren…

 

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