Lügen, Trump und Meinungsfreiheit

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Roger Köppel, Nationalrat und Chef-Redaktor der Weltwoche

Aus der Weltwoche vom 28.01.2021 das Editorial von Roger Köppel

Trump ist der Teufel. Amerika braucht eine Teufelsaustreibung. Deshalb muss man Trump jetzt eines Amts entheben, das er nicht mehr hat. Nie mehr soll er einen politischen Posten bekleiden. Auch wirtschaftlich gehen sie auf ihn los. Sein Imperium muss fallen.

Die Botschaft ist klar: Wehe dem, der es jemals wieder wagen sollte, die Kreise der Mächtigen in Washington zu stören.

Wer sich mit den Etablierten anlegt, wer sie kritisiert, verhöhnt, austrickst und, am schlimmsten, durch Leistung übertrumpft, muss zerstört werden. Für immer.

Trump ist der grösste Verbrecher unserer Zeit, weil er gegen das höchste Gebot der Gegenwart verstossen hat.

Früher gab es zehn Gebote. Heute gibt es nur noch ein Gebot in der neuen linken Weltkirche der Empörten und der Selbstgerechten.

Political Correctness.

Ein neuer Mussolini

Weil das so ist, muss Trump aus allen Geschichtsbüchern getilgt, gecancelt werden. Alles, was er macht, war falsch. Er war ein Diktator, ein Nazi, ein neuer Hitler, ein Lügner, Betrüger, Landesverräter, der mit Putin kungelte, ein Vergewaltiger und Frauenhasser.

Haben wir etwas vergessen?

Unablässig, obsessiv, mit fast schon trumpscher Sturheit wiederholen Trumps Gegner und die mit ihnen verbündeten Medien ihre Tiraden, seit Jahren. Sie liegen nur schon deshalb falsch, weil kein sterblicher Mensch so uneingeschränkt, so ausschliesslich, so absolut das Negative verkörpern kann. Trump, ein Halbgott des Bösen?

Und sie hören nicht auf. Auf ganzen drei Zeitungsseiten arbeitete sich die NZZ kürzlich am präsidialen Rentner ab. Ein in Deutschland lehrender Historiker durfte den «Sturm aufs Kapitol» mit Mussolinis «Marsch auf Rom» vergleichen, der gewaltsamen Machtübernahme durch Italiens Faschistenführer 1922.

Müssen bald auch Attilas Mongolensturm oder Hitlers Russlandfeldzug im Licht der Trump-Präsidentschaft neu bewertet werden?

Immerhin: Die Deutschen sind erleichtert, dass endlich ein anderer epochaler Bösewicht gefunden wurde.

Oder liegen wir falsch? Ist auch Greta Thunberg ein neuer Mussolini, weil sie mit ihren Klimademos vor die Staatstempel marschieren oder Bankfilialen verwüsten lässt?

Und wie war das schon wieder mit den linken Randalierern in den monatelang brennenden US-Städten mit Dutzenden von Toten?

Darüber lassen die NZZs dieser Welt keine hochgelehrten Historikerabhandlungen schreiben. Da hält man sich an die offiziellen Beschönigungen, nach denen es sich um mutige Protestbewegungen handle, die auf keinen Fall zu stoppen seien.

Der Sturm aufs Kapitol wird, anders als Mussolinis Marsch auf Rom, wohl als Fussnote in der Weltgeschichte enden.

Es ist kein Staatsstreich, wenn ein paar Hundert Ausgerastete in ein Parlament einbrechen, nur weil bei der Polizei niemand auf die Idee gekommen war, dass so etwas passieren könnte.

Alle diese fürchterlich Entsetzten, die sich jetzt hineinsteigern in ihre Rhetorik vom «Putsch», vom «Angriff auf die Demokratie», reden Unsinn.

Die amerikanische Demokratie wäre nichts wert, würde sie durch diesen Büffelmann und seine Getreuen gefährdet. Die Medien beten es trotzdem nach.

Man kann es auch ganz anders sehen: Im autoritären China oder in Putins Stechschritt-Russland wäre es undenkbar, dass Bürger mit Fahnenstangen und Kletterseilen in einen Staatspalast eindringen.

Die USA aber sind keine Kaserne, sondern eine freiheitliche Demokratie. Zum Glück.

Kaum hatten sie sich vom Schock erholt, schlugen die Behörden brutal zurück, typisch amerikanisch auch dies. Eine Frau wurde erschossen.

Vielleicht hätten sie die Büffelmänner auch ohne Tote aus dem Kapitol befördern können. Zur Biden-Inauguration marschierten dann 25 000 Nationalgardisten auf. Wie am Kreml.

Diese Chance konnten sich die Demokraten nicht entgehen lassen. Noch nie gab es so viel Militär in Washington. Die Schwerbewaffneten bleiben fürs Impeachment. Alles wegen Trump!

Politik ist auch die Kunst der bühnenreifen Inszenierung. Es geht darum, den Gegner schlecht aussehen zu lassen.

Eine neue Regierung sitzt über die alte zu Gericht, und die Hauptstadt wird mit Truppen abgeriegelt. Demonstrieren verboten.

Wo ist das? In Burkina Faso? In einer mittelamerikanischen Bananenrepublik? Nein, es sind die Vereinigten Staaten unter Joe Biden.

Die NZZ gräbt längst entkräftete Vorwürfe aus. Trump habe sich als Komplize Putins 2016 eben doch schummrig an die Macht gemogelt.

Anders ausgedrückt: Vor vier Jahren habe Trump irgendwie die Wahl gestohlen. Betrug!

Ein Sonderermittler und Legionen von Journalisten konnten dafür in vier Jahren zwar keine Beweise finden. Doch die NZZ ist nach wie vor überzeugt, hier sei Fleisch am Knochen.

Herrische Intoleranz der Linken

Klar darf die NZZ unbewiesene Verschwörungstheorien über Wahlbetrug verbreiten.

Aber warum darf Trump keine ebenso unbewiesenen Verschwörungstheorien über Wahlbetrug verbreiten?

Er darf es nicht. Twitter und Facebook sperrten ihn, womöglich lebenslänglich.

Ach ja, alle Gerichte hätten Trumps «Lügenkampagne» (NZZ) aus Mangel an Beweisen abgeschmettert.

Stimmt. Aber nach US-Prozessrecht ist die Abwesenheit von Beweisen für Betrug kein Beweis dafür, dass es den Betrug nicht gegeben hat.

Trump ist kein «Lügner», wenn er von «Wahlbetrug» redet. Er sagt nur, was er denkt. Wie die NZZ. Einfach umgekehrt.

Sie findet, Trump sei betrügerisch gewählt, aber rechtmässig abgewählt worden.

Trump findet, er sei rechtmässig gewählt, aber betrügerisch abgewählt worden.

Für Trump gilt: Es darf keine andere Meinung geben. Wer ihn wählt, wer ihn verteidigt, wer ihn nicht verdammt, macht sich schuldig.

Das ist gefährlich. Demokratien leben von Diskussionen, von Alternativen. Wo es keine Alternativen mehr gibt, endet die Demokratie.

Nicht Trump oder der Tumult im Kapitol sind eine Bedrohung für die Freiheit. Es ist die herrische Intoleranz der Linken und der Medien.

Viele lassen sich einschüchtern. Wie das Beispiel NZZ zeigt, breitet sich diese Seuche auch bei uns aus.

 

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