EU: Warum nicht ein Finale in Nancy?

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Rolando Burkhard

Einige semi-humoreske Überlegungen zum Jahresanfang

Einleitung

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) sind nach dem Abbruch der Verhandlungen über den Rahmenvertrag eingefroren. Die EU drängt die Schweiz eiligst zur Präsentation von Lösungsvorschlägen. Das hiefür vorgesehene Treffen zwischen dem Vizepräsidenten der EU-Kommission Sefcovic und Bundespräsident Cassis von Anfang Januar 2022 am WEF in Davos fiel wegen dem Coronavirus ins Wasser. Aber irgendwann müssen wir die Auseinandersetzungen mit der EU mal zu Ende bringen. Somit gilt es, einen neuen Termin und vor allem einen neuen Ort für ein Treffen zu finden, wo man den laufenden Guerillakrieg ein für allemal beenden kann.  Davos schien mir dafür ohnehin nicht besonders geeignet.

 Bedeutend geeigneter dafür ist die französische Kleinstadt Nancy. Nachfolgend die Gründe für meinen vielleicht kurios anmutenden Vorschlag.

Nancy, mon amour…

Zieht man von der EU-Zentrale in Brüssel eine direkte Linie zum Schweizer Bundeshaus in Bern, liegt Nancy so ziemlich genau in der Mitte der Strecke. Es ist somit ein idealer Treffort, prima vista ohne geographische Vorteile für einen der beiden Kontrahenten.

Bei genauerer Betrachtung ist es aber nicht so. Denn Nancy würde uns historisch gesehen namhafte Vorteile einbringen. Doch hier ist ein geschichtlicher Rückblick vonnöten. Dazu müssen wir allerdings einige Jahrhunderte zurückblenden, nämlich in die Zeit der Burgunderkriege der alten Eidgenossen (1474-1477).

Imperiale Träumereien von gestern und heute

Es war die hohe Zeit von Karl dem Kühnen (1433-1477), Herzog von Burgund. Karl träumte von einem Königreich Burgund zwischen Nordsee und Mittelmeer. Er war ein Despot, der Burgund durch politische Reformen und militärische Eroberungen eine strahlende Zukunft bescheren wollte. Er erlitt allerdings mit seinen Plänen in den Burgunderkriegen gegen die Eidgenossen gleich in drei Schlachten militärisch Schiffbruch: In Grandson (2.3.1476), in Murten (22.6.1476) und dann eben in Nancy (5.1.1477), wo er auch den Tod erlitt. So sagt man denn auch:

«Der Herzog von Burgund verlor bei Grandson sein Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut».

Herzog Karl der Kühne gilt historisch als letzter Repräsentant des feudalen Geistes. Er ist ein Paradebeispiel eines Herrschers, der sich binnen kürzester Zeit durch übersteigerten Ehrgeiz um ein grosses Reich und noch dazu um Kopf und Kragen bringt.

Neckische Frage: Gibt’s dazu nicht einige bedenkenswerten Parallelen zur Politik der heutigen EU?

Warum denn nicht eine willkommene Politschlacht in Nancy?

Zugegeben: Die Eidgenossen wären durch die Wahl des Tagungsortes Nancy historisch gesehen etwas im Vorteil. Denn die beiden vorgängigen Schlachten gegen die Burgunderdominanz 1476 hatten sie in Grandson und Murten gewonnen, so wie die moderne Schweiz auch ihre vorgängigen Auseinandersetzungen gegen die EU-Dominanz gewonnen hat (1992 durch Ablehnung des EWR-Vertrags und 2021 durch Ablehnung des Rahmenvertrags).

Die EU dürfte den Tagungsort Nancy kaum aus historischen Gründen ablehnen, denn sie ist – entgegen der Schweiz –  ein modern entstandenes Gebilde ohne besonderes Geschichtsbewusstsein (während die Gründung der Eidgenossenschaft auf das Jahr 1291 und unseres Bundesstaats auf 1848 zurück geht, kam die EU nach der Gründung der EWG im Jahre 1957 erst in Maastricht 1993 zustande: ein Baby mit grossen Geburtsfehlern und noch weitaus grösseren derzeitigen Existenzproblemen!).

Nancy wäre für uns eine Chance

Warum also nicht auf mittlerem Wege zwischen Bern und Brüssel in Nancy in eine Entscheidungsschlacht gegen die EU ziehen?

Klar, so wie 1477 würden wir dort nicht mit einem Heer von 8’000 Söldnern unter Leitung eines Hans Waldmann antreten, aber vielleicht mit einer kleinen Truppe kompetenter, möglichst nicht chronisch EU-infiszierter Leute. Dies unter der Leitung unseres neuen Bundespräsidenten Cassis.

Denn eines ist klar: So wie die alten Eidgenossen stets von Fall zu Fall eine Lösung mit ihrem problematischen europäischen Umfeld finden mussten, sollten wir dies auch heute über kurz oder lang im gegenseitigen Interesse mit der EU tun.

Dies im Moment mit guten Erfolgschancen. Denn wir treffen auf eine Gegenpartei, die sich gegenwärtig – bildlich mit Hinweis auf Coronavirus gesprochen – gesundheitlich auf Intensivstation befindet, angehängt an weiss nicht wie vielen Sauerstoff-Schläuchen. Denn erfolgreiche Staaten wie Grossbritannien haben sich von ihr verabschiedet. Der Euro steckt in Dauerkrise. Mehr und mehr EU-Mitgliedstaaten pochen eindringlich auf mehr eigenstaatliche Souveränität. Und so quasi die gesamte Südosteuropa-Flanke dieser EU hängt punkto Geldpolitik am finanziellen Tropf der Europäischen Zentralbank und bleibt nur mittels akut zunehmend teurer und inflationsmässig selbstmörderischer, EU-finanzierter Staatsverschuldungen am Leben, wird somit damit quasi künstlich und mühsam am Leben erhalten.

Eine Roadmap? Warum denn nicht?

Die EU verlangt (vielleicht gerade wegen ihrer grossen eigenen Probleme) von der Schweiz dringend eine «Roadmap» für das Vorgehen bezüglich der Verhandlungen für eine Weiterführung der Bilateralen Verträge. Nun ja, uns eilt es ja keineswegs, aber eine solche Roadmap könnten wir in Nancy schon bieten – aber nur eine, die nicht nur dringenden einseitigen Interessen der Gegenpartei dient, sondern auch den langfristigen Interessen der Schweiz entspricht. Zugegeben: Das bedürfte angesichts unserer derzeitigen behördlichen Verzagtheit in EU-belangen einigen Mutes. Zu einem Treffen am 5. Januar 2022 zum 545. Jubiläum der Schlacht von Nancy ist’s in Davos nicht gekommen, vielleicht später. Wir wollen dabei ja auch keinen blutigen Krieg führen und herrschsüchtige hohe EU-Beamte à la Karl dem Kühnen umbringen, sondern lediglich unsere staatliche Identität bewahren. Das sind wir den mutigen alten Eidgenossen von Grandson, Murten und Nancy mehr als schuldig!

 

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