Energiewende

Gen 10 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 166 Views • Commenti disabilitati su Energiewende

Tramwagen 7 von Locarno auf der Piazza Grande (Bild https://www.flickr.com/photos/alcoalbe/16802292180 )

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Im Dezember ist mit viel medialer Aufmerksamkeit eines unserer Kernkraftwerke abgeschaltet worden. Die weiteren Abschaltungen werden in den nächsten Jahrzehnten folgen. In einem der zahlreichen Interviews an diesem denkwürdigen Tag ist die Bemerkung gefallen, dass nun ein grösserer Anteil der elektrischen Energie importiert werden müsse. Wir werden also in den kommenden Jahren immer mehr vom Ausland abhängig und das müsste zu denken geben. War es doch in vielen Bereichen (Energie, Lebensmittel usw.) bisher unser Ziel, möglichst viel in der Schweiz zu produzieren, was im Land verbraucht wird. Nun müssen wir die Energie einkaufen, die auf dem Markt vorhanden ist: Vielleicht stammt sie aus Kohle- oder Gaskraftwerken, ziemlich sicher aber aus Kernkraftwerken. Unser Nachbar Frankreich (wie viele andere Industrienationen) setzt ja auf moderne leistungsfähige Atomkraftwerke – also auf Anlagen, die man in der Schweiz in Zukunft nicht mehr bauen darf. Und was geschieht, wenn mal das Ausland selbst seine Energie benötigt und gar nichts zu verkaufen hat?

Vielleicht werden wir in naher Zukunft das vorübergehende Fehlen der elektrischen Energie wieder erleben, wie das in nicht allzu ferner Vergangenheit öfters passiert ist. Der CORRIERE DEL TICINO hat in den letzten Wochen einen solchen Vorfall wieder aus dem Archiv ausgegraben. Vor genau 100 Jahren traf eine solche Versorgungslücke unser Stadttram in Locarno. Viele erinnern sich sicher an die blau-weissen schlanken Tramwagen, die bis zum Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts von Solduno über Sant’Antonio, die Piazza Grande, den Bahnhofplatz bis nach Minusio verkehrten. So herrschte offenbar im Spätherbst des Jahres 1919 grosse Trockenheit und die Maggia führte wenig Wasser. Das bedeutete für das Kraftwerk in Ponte Brolla, dass die Stromproduktion der Situation entsprechend geringer war. Als Folge davon – so schreibt die Zeitung – musste der Trambetrieb eingeschränkt werden. Es gelang noch knapp, jede Stunde ein Tram fahren zu lassen. Am Mittag hingegen schaffte man es nicht mehr, die arbeitende Bevölkerung, die damals das Mittagessen noch zuhause einnahm, zu befördern. – Vielleicht gewöhnen wir uns in einigen Jahren wieder an solche Vorkommnisse…

Comments are closed.

« »