Wir brauchen die Grenzgänger!

Dic 14 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 1109 Views • Commenti disabilitati su Wir brauchen die Grenzgänger!

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Der Vorfall hat zu reden gegeben: Eine italienische Grenzgängerin stellt ihren Wagen im Parkverbot ab und kassiert dafür eine Busse. Sie ärgert sich darüber, macht ihrer Wut Luft und beschimpft die Schweizer Polizei. Das wäre eigentlich alltäglich und kommt immer wieder vor. Aber wie die Gewohnheiten heute so sind, stellt sie das Ganze samt Kurzvideo und Beschimpfungen ins Internet. Darauf wird sie von ihrem Arbeitgeber unverzüglich freigestellt. Eine harte Massnahme, aber sie ist nachvollziehbar. Auch die Kündigung wird sogleich, mindestens für kurze Zeit, im Internet veröffentlicht, samt Foto und Name der Person und vielen weiteren Details. In den Medien wird breit darüber diskutiert ob es richtig und vor allem legal sei, jemanden so an den Pranger zu stellen. Eigentlich gäbe im Zusammenhang mit den Grenzgängern einige ganz andere Dinge zu diskutieren, die viel wichtiger sind.

Der erste Punkt ist sicher die Sache mit den in unseren Städten zur Verfügung stehenden Parkplätzen. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn die Behörden verkünden: Endlich sind in unserer Stadt alle Gratisparkplätze aufgehoben worden! Das ist doch kein Erfolg, sondern eine Tragödie! Damit will man ja nur den Grenzgängern eins auswischen – es leiden aber unter dieser Massnahme alle, die im Tessin wohnen. Unsere heutigen Parkgebühren sind enorm hoch. Darüber kann eigentlich nur glücklich sein, wer eine links-grüne Politik verfolgt. Die schwierige Situation für die Grenzgänger lässt sich leicht verstehen: Sie kommen alle aus verschiedenen Dörfern in ihrer Heimat und arbeiten zu verschiedenen Zeiten an ganz verschiedenen Orten im Tessin. Da kann nun mal kein öffentlicher Zug- oder Bustransport mit einem vernünftigen Fahrplan angeboten werden. Es bleibt also nur die Möglichkeit frühmorgens mit dem eigenen Wagen zu fahren und die hohen Gebühren für Schweizer Parkplätze zu zahlen, denn es bieten ja lange nicht alle Arbeitgeber in unserem Kanton Firmen-Parkplätze an.

Ein anderer Punkt ist aber auch die feindselige Haltung vieler Einwohner unseres Kantons den Grenzgängern gegenüber. Wir müssen vielleicht mal eine grundsätzliche Rechnung machen: Im Tessin zählen wir in diesem Jahr etwa 6000 Arbeitslose. Die Grenzgänger besetzen etwa 62’000 Stellen. Da muss jemand schon sehr schlecht rechnen können, wenn er glaubt, dass wir auf die Grenzgänger verzichten können. Es ist doch vielmehr ein sehr gutes Zeichen, dass unser Kanton so viele Arbeitsplätze anzubieten hat. Zahlreiche Firmen können uns Schweizer nur deswegen beschäftigen, weil eben für gewisse Arbeiten auch Grenzgänger zur Verfügung stehen. Tessiner Spitäler, Restaurants, Handwerker usw. sind nur dank den Grenzgängern in der Lage, einen guten Service zu bieten. Mir ist es eigentlich egal, ob mein Auto oder meine Heizung von einem Tessiner oder einem Grenzgänger gewartet werden (in beiden Fällen ist es eine Schweizer Firma!) – wenn es nur gut gemacht wird! Es soll eine gesunde Konkurrenz bestehen: der tüchtigere, einsatzfreudigere und besser ausgebildete Angestellte soll die freie Stelle erhalten – egal ob er von diesseits oder jenseits der Grenze kommt!

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