Sexting und Cybermobbing

Feb 19 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 11 Views • Commenti disabilitati su Sexting und Cybermobbing

Rolando Burkhard

Heute, 8.2.2021, hat Radio RSI I in der Sendung „Modem“ den schweizweit bekannten Fall des tragischen Tods eines 13jährigen Mädchens aus dem Kanton Aargau geschildert. Den Fall eines Mädchens, das sich wegen der Verbreitung ihrer Nacktbilder in den jugendlichen Social Networks das Leben genommen hatte. Ein tragischer Fall. Ein Fall, der mehrere dornenvolle Fragen aufwirft.

Soweit bekannt, hatte das Mädchen Nacktfotos von sich via Smartphone an ihren Freund geschickt. Dieser hat sie aber dann an seine ex-Freundin weitergeleitet, die sie sodann ins Netz stellte, womit sie öffentlich zugänglich wurden und zu negativen Kommentaren führten. Jugendlicher Unsinn vielleicht, der aber tödlich enden kann.

Die Jugendlichen, welche die Nacktfotos im Netz verbreiteten – was zum Suizid der 13jährigen führte – wurden vor Gericht gezogen und nach einem jahrelangen Prozess schliesslich dafür verurteilt. Die ausgesprochenen Strafen bestanden gemäss Jugendstrafrecht für die Täter/innen in lediglich rund 3-4 Tagen Arbeitsleistung. Die Eltern ihres tragisch verstorbenen Mädchens befanden diese Strafen zu Recht als lächerlich und verlangten weitaus schärfere Strafen für solcherlei Delikte.

Die ganze Geschichte wirft drei grundsätzliche Fragen auf:

  • Erstens: Es ist wohl richtig zu fordern, dass jene Jugendlichen, die ihr Smartphone resp. ihre Social media Accounts für die Verbreitung von provokativ-diffamierenden Posts zum Nachteil anderer missbrauchen, härter bestraft werden als heutzutage. Ein paar Tage Arbeitsleistung als „Strafe“ reicht dafür bei weitem nicht aus, um sie zu einem Umdenken zu bewegen. So soll denn, wie man erfuhr, die verurteilte Haupttäterin sogar während ihrer „Strafzeit“ weiterhin via Smartphone tätig gewesen sein. Wäre es denn nicht klüger, den schuldhaft tätigen Jugendlichen als Strafe die Smartphones resp. ihren Account in der Socialmedia-Welt für eine Weile zu entziehen – so etwa, je nach Delikt – für ein halbes oder ganzes Jahr? Im Verkehrsrecht ist das doch schon so: Wer im Strassenverkehr mit stark übersetzter Geschwindigkeit erwischt wird, wird – sogar dann, wenn niemand gefährdet wurde – nicht nur mit einer Busse, sondern auch mit einem mehr oder weniger langen Führerausweisentzug bestraft.
  • Zweitens: Die berechtigten Forderungen für eine Strafverschärfung seitens der Eltern des tragisch verstorbenen Mädchens für die Täter sind das eine. Aber müsste man nicht auch etwas weiterdenken? Etwa darüber, wie es denn überhaupt dazu kommen konnte, dass ein 13jähriges Mädchen, ohne Wissen und ohne jeglicher Kontrolle ihrer Eltern, mittels ihres Smartphons Nacktfotos von sich übermitteln konnte? Die bekannt gewordenen Aussagen ihrer Eltern sind ernüchternd: Das Mädchen sei jeweils von der Schule heim gekommen, dann sofort mit ihrem Smartphone in ihr Zimmer verschwunden, wo man es alleine liess (wohl um seine „privacy“ nicht zu gefährden). „Privacy“ in allen Ehren, aber Erziehung und Kontrolle über die Tätigkeiten einer 13jährigen Jugendlichen lassen da doch sehr zu wünschen übrig. Besagte Eltern hätten es – gemäss ihren eigenen Aussagen – nicht einmal festgestellt, dass ihre Tochter zunehmend depressiv wurde, denn „sie habe ja nie etwas gesagt“.
  • Drittens: Wenn man darin übereinstimmt, dass man eigentlich den allzu oft ausser Rand und Band geratenen missbräuchlichen, unkontrolliert allgegenwärtigen Gebrauch von Iphones, Smartphones etc. durch Jugendliche besser in den Griff bekommen sollte, dann muss man sich überlegen, was am besten zu tun sei. Soll der Staat wieder einmal Verbote aussprechen, oder sollen die Provider der IT-Dienste Abonnements- oder Zugangs-Sperrungen für die auf Abwege geratenen Jugendliche verhängen? Letzteres bringt wohl nichts, denn zu fast 100% laufen die Abonnemente der Jugendlichen formell über die Adresse ihrer Eltern, die dafür auch bezahlen.

Somit sind wir wieder einmal bei der Verantwortung der Eltern für die Erziehung ihrer Kinder. Da steht’s nun wahrhaft im Argen. Da ist nunmehr keine Spur mehr von Vorbildfunktion, Autorität und Erziehungswillen spürbar. Man lässt die Kinder gewähren, lässt sie das tun, was sie wollen, kümmert sich kaum um sie, solange sie zuhause nicht stören und aufbegehren. Deren Erziehung sollen dann die Lehrer in den Schulen besorgen. Da dies dem Lehrpersonal auch immer weniger gelingt, sieht man die Jugendlichen mehr und mehr in Polizeihänden oder vor Gericht. Da, endlich, wachen die Eltern dann plötzlich auf, aber auch nur dafür, um mittels spezialisierter Anwälte wortreich für die Gewährung einer Strafmilderung darzulegen, wie wohlerzogen und harmlos ihre kriminell gewordenen Kinder eigentlich seien.

 

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