Schmerzhafte Unersetzbarkeiten

Set 23 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 46 Views • Commenti disabilitati su Schmerzhafte Unersetzbarkeiten

King Roger Federer ist tot. Nun ja, nicht wirklich, so wie die Queen in England – aber gestorben ist zumindest seine Tenniskarriere. Trauer und  Begräbnisfeierlichkeiten für die beiden Events waren wegen dieser beiden in vieler Hinsicht miteinander vergleichbaren Persönlichkeiten und Karrieren fast austauschbar: Denn beide Protagonisten genossen jahrelang weltweit allerhöchste Sympathien, waren in ihrem jeweiligen Business (monarchische Staatsführung einerseits, Tennishöchstleistungen andererseits) höchst kompetent und – und vor allem – sie haben sich beide nie dazu verleiten lassen, sich durch unbedachtes Einmischen in das politische Geschehen ins Abseits zu manövrieren. Ihr praktisch gleichzeitiger Abschied ist vielleicht weit mehr als Zufall.

Queen Elizabeth II. als Monarchin und King Roger als Tennisplayer waren beide ausserordentliche Figuren. Stellt sich die Frage, ob denn – in Grossbritannien wie der Schweiz – überhaupt jemand die gebührende Nachfolge gewährleisten kann. In England wird es Charles III. schwer haben, die Monarchie zu retten und das Commonwealth-Reich zusammen zu halten. In der Schweizer Tenniswelt sieht’s ebenso düster aus. Aber punkto Schweiz geht’s mir keineswegs um’s Tennis, sondern vielmehr um dies:

Roger Federer wurde im jüngsten helvetischen „Abschiedszeremoniell“ nicht nur als absolute Sportgrösse, sondern als der hervorragendste Botschafter der Schweiz und ihrer Werte in der Welt bezeichnet. Dies keineswegs nur weil er hervorragend Tennis spielte, sondern weil er das Wesen, die Werte und Mentalität der Schweiz – Fleiss, Kompetenz und kluge höfliche politische Zurückhaltung (ebenso wie die Queen) – weltweit am besten verkörperte, und damit viele Sympathien gewonnen hat. Dem stimme ich vollumfänglich zu, doch es stimmt mich dennoch bedenklich.

Denn: Bedarf es denn eines exzeptionellen Spitzensportlers à la Federer (von denen im Moment keine weiteren in Sicht sind) als „Botschafter“, um unsere Schweizer Überzeugungen und Grundwerte in die Welt zu tragen, um unser Land in der Welt zu positionieren und dafür Verständnis und Sympathie zu erhalten? Wäre das nicht vielmehr die hervorragende Rolle und Funktion von geeigneten politisch verantwortlichen Persönlichkeiten? Aber diesbezüglich sieht’s leider hierzulande ebenso düster aus wie hinsichtlich unserer künftigen Tenniserfolge. Ein eklatantes Beispiel für die derzeitige Misère ist die ausgebliebene internationale Verbreitung eines klaren Neutralitätsstanpunkts der Schweiz nach Ausbruch des Ukrainekrieges.

Aber eben: Wenn man im Tennis nicht rechtzeitig weiss, ob man einen Stoppball oder einen Longline in die linke untere Ecke spielen soll, und der Ball dann im Netz landet, verliert man Spiel und Match! Und das gilt für die Politik ebenso.

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