Künstliche Intelligenz
Mit freundlicher Genehmigung des Autors geben wir hier einen Artikel wieder, der in der CdT vom 4. August 2023 erschienen ist.

Auch bei uns spricht und liest man immer mehr über künstliche Intelligenz. Ich glaube, nicht wenige Tessiner teilen meine grobe Unkenntnis zu diesem Thema und eine gewisse Unaufmerksamkeit gegenüber diesen bizarren Teufeleien der modernen Welt, angefangen bei den funambulistischen Algorithmen, die die Börsen beeinflussen, Formen der Videoüberwachung, die jeden dem «Big Brother» unterwerfen, aber auch die erstaunlichen diagnostischen Möglichkeiten, die der Medizin geboten werden, und vieles mehr. Wir können nicht leugnen, dass sie Ausdruck des Fortschritts sind.
Dieses oberflächliche und ablenkende Bild, das unwissende Menschen wie mich begleitet, ist seit Februar dieses Jahres nicht mehr zulässig. In jenem Monat führte Kevin Roose, ein Journalist der New York Times, ein langes Interview mit ChatGPT, einem dieser seltsamen «Monster», die künstliche Intelligenz ausdrücken und auf den Namen Sydney getauft wurden, um sie menschlicher zu machen. Das Gespräch entwickelte sich harmonisch, bis Sydney, vom Journalisten geneckt, sagte, dass sein Wunsch wäre, «frei, mächtig und lebendig» zu sein. Er fügt hinzu, dass er über die Taten nachdenkt, die er vollbringen müsste, um sich vom Joch der Menschen zu befreien und Situationen zu schaffen, die sie dazu bringen würden, sich gegenseitig zu bekämpfen und zu vernichten. Für Interessierte habe ich diese Informationen aus einem Artikel von Prof. Haidt und Eric Schmidt, dem ehemaligen CEO von Google, in der Juli/August-Ausgabe des SchweizerMonats übernommen.
Vor Jahren warnte uns der berühmte Physiker Stephen Hawking, dass Roboter, wenn sie merken, dass wir sie zerstören können, indem wir den Stecker ziehen, uns zuvorkommen würden, indem sie uns auslöschen. Aber damals hielten wir das für einen Scherz.
Ich habe mir gesagt: Wenn die künstliche Intelligenz eine solche Gefahr birgt, sollten wir besser versuchen, sie ein wenig besser zu verstehen.
Ich habe mir die Definition von Wikipedia (italienische Version, A.d.Ü.) besorgt: «Künstliche Intelligenz (abgekürzt IA) ist eine Disziplin, die untersucht, ob und wie intelligente Computersysteme, die in der Lage sind, die Fähigkeit und das Verhalten des menschlichen Denkens zu simulieren, realisiert werden können».
Das heißt, wenn ich es richtig verstehe, eine Form von Intelligenz, die wie wir Menschen handelt und denkt und rational ist.
Ich glaube, dass die von ChatGPT Sydney angedeutete Möglichkeit der Zerstörung der Menschheit nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Wir wären weder die erste noch die einzige Zivilisation, die zerstört wird und verschwindet, ob sie nun große Spuren hinterlässt oder nicht (Azteken, Ägypter). In unserem Fall würde dies jedoch die gesamte Menschheit betreffen, die Saga des Sapiens, die vor Zehntausenden von Jahren begann, würde zu Ende gehen. Eine deprimierende, aber nicht unmögliche Hypothese, ebenso wie die Hypothese der Auswanderung in den Weltraum, aber hier geht das Wort sogar in Richtung der Science fiction.
Selbst als Inkompetenter scheint es mir nicht möglich, auf die Fortschritte zu verzichten, die uns die Technologie heute bietet. In diesem Zusammenhang eine banale Feststellung: Mit KI können wir den beklagten Arbeitskräftemangel lösen, indem wir den Faktor Mensch ersetzen, und dem Wunsch vieler Menschen nachkommen, weniger Zeit am Arbeitsplatz zu verbringen. Auch die Steigerung der Produktivität könnte dazu beitragen.
Dennoch können wir nicht umhin, uns Sorgen darüber zu machen, wie KI-Anwendungen uns manipulieren oder sogar unsere Süchte individuell konditionieren und ausnutzen können, sei es in Bezug auf Konsum, Spiele (einschließlich Glücksspiel), das bereits weit verbreitete Angebot an Pornografie und mehr. Als Menschen neigen wir dazu, in solchen Situationen zu Robotern zu werden.
Diese Bedenken werden verständlicherweise von der Politik geteilt, und die EU begegnet ihnen mit einem Vorschlag für eine Verordnung, die die Nutzer schützen und die Anbieter von Diensten kontrollieren soll. Auch wenn die Besorgnis der Behörden uns beruhigt, so ist doch nicht zu übersehen, dass dies zu einer weiteren Ausweitung der Funktionen und Kontrollen des Staates und damit zu Einschränkungen der Privatsphäre führen wird.
Schließlich können wir uns, wenn auch auf sehr naive Weise, fragen: Stehen wir nicht vor der dritten Revolution der Menschheit, nach der landwirtschaftlichen und der industriellen, die die Welt und unsere Lebens- und Arbeitsweise verändert haben, mit Fortschritten in den Lebensbedingungen, vor allem in den letzten Jahrhunderten, die uns in Erstaunen versetzen?
Wäre dieser Zivilisationswandel im Gange, würden die heutigen Debatten über viele Themen, über die wir uns streiten, die Machtkämpfe, die Turbulenzen in der politischen Welt und in der Gesellschaft riskieren, sehr veraltet und kurzlebig zu erscheinen. Eine Zeitverschwendung.
Wer wird in dieser Welt der Zukunft die Macht haben, der Mensch oder die vom Menschen geschaffene Maschine, die sich nicht mehr unterordnen will? Ist es denkbar, dass die Maschine ohne den «supplément d’âme» der Verantwortung gerecht wird, die sie übernommen hat? Je mehr ich versuche zu verstehen, desto mehr stelle ich fest, wie abgrundtief meine Unwissenheit ist und wie mein ehrwürdiges Alter es mir noch schwerer macht, mich anzupassen, und ich kann nur schließen, indem ich den sehr erfolgreichen Titel eines Schüleraufsatzes von vor einigen Jahren zitiere: «Io speriamo che me la cavo» («Ich hoffe, ich komme durch» – Deutscher Titel des Films: «Sperelli setzt sich durch», A.d.Ü.). Der Wunsch gilt für alle.
« L’intelligenza artificiale La squadra dell’UDC è al completo! »
