Kinderarbeit per se ist alles andere als verdammenswert

Nov 30 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 973 Views • Commenti disabilitati su Kinderarbeit per se ist alles andere als verdammenswert

Rolando Burkhard

Wenn immer man das Wort „Kinderarbeit“ zu hören oder zu lesen kriegt, dann stets in einem extrem negativen Kontext. Kinderarbeit wird stets nur als Missbrauch der Kinder hingestellt und rundweg verteufelt. Das ist grundfalsch. Kinderarbeit ist nützlich. Vor allem für die Kinder selbst. Denn: Wäre es für die Kinder nicht besser, etwas Nützliches tun zu können, als gelangweilt mit ihren Smartphones herumzuhängen, weil ihnen niemand etwas Vernünftiges zu tun gibt?

Ja, natürlich, aber…

Ja, natürlich kenne ich all die Einwände gegen die Aussage, dass Kinderarbeit nützlich sei. Die Kinderarbeit ist ja heutzutage hierzulande praktisch inexistent und wird deshalb stets verteufelt mit Beispielen von unmenschlichen Bedingungen für Kinder, die in Drittweltstaaten in Fabriken arbeiten müssen, statt in die Schule gehen zu können. Diese Einwände sind punktuell berechtigt, treffen aber den Kern des Problems nicht. In Drittweltstaaten werden die Kinder – weitaus mehr als hier – als Teil der Familie frühzeitig in die Verantwortung für das Familienwohl einbezogen und zumeist mit vernünftigen Aufgaben betreut.

Ein Beispiel gefällig?

Spätabends in einer philippinischen Kleinstadt: Ich schlendere noch etwas herum und gelange an ein kleines Kleidergeschäft, das um rund 22 Uhr, wie alle anderen, noch offen hat. Im Aushang draussen sehe ich eine schöne Jacke, die mich moderat interessiert, ich schaue sie etwas näher an. Sofort kommt aus dem Geschäft ein rund 10jähriges Mädchen zu mir und berät mich. Sie erklärt mir kompetent das Material des Stoffes der Jacke, die Herstellung, den Preis etc. Wir haben dann noch etwas um den Preis „gemarktet“, sind dann aber handelseinig geworden. Worauf das Mädchen im Geschäft kurz einen Stock höher stieg, um von ihrem Vater das definitive OK für den Verkauf und dafür Komplimente zu erhalten. Also: Ein 10jähriges Mädchen, das um 22 Uhr abends das Kleidergeschäft samt Kundenbetreuung führt – „unerlaubte Kinderarbeit!!“ wird man nun sagen – doch Sie hätten die leuchtenden Augen des Mädchens über den gelungenen Verkauf (und ihren Stolz, zum Wohle des Geschäfts etwas beigetragen zu haben) selber erleben müssen, um zu verstehen, was ich meine. Dass nämlich die frühe Übertragung von Verantwortung an Kinder durchaus etwas Positives ist.

Hier ist das anders…

Hierzulande und heutzutage ist Kinderarbeit verpönt, ja geradezu verboten. In kleinbäuerlichen Familien wird sicher das eine oder andere Kind noch herangezogen für Arbeiten auf dem Hof. Vorweg in städtischen Gebieten aber lungern die Jungen in ihrer allzu grosszügigen Freizeit und dem fürstlich bemessenen Taschengeld von ihren Eltern nur noch gelangweilt herum, hängen dauernd an ihren Smartphones und kommen auf „krumme“ Gedanken, weil’s für sie eben nichts Vernünftiges zu tun gibt. Würden die Eltern unsere Kinder rechtzeitig mit einer verantwortungsvollen Aufgabe betreuen und sie für ihre gelungene „Arbeit“ auch entsprechend loben, wäre dies erzieherisch für sie von grossem Wert und würde für die Gesellschaft eine Menge von Problemen lösen, die wir mit „wohlstandsverwahrlosten“ Jugendlichen heute haben.

Es war nicht immer so…

Frher war’s anders. Hier ein Beispiel aus meiner höchstpersönlichen Erinnerung: Als ich in den frühen 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts rund 12 Jahre alt war, war es mein Traum, Velorennfahrer zu werden. Dazu benötigte ich aber ein Rennvelo, dessen Anschaffung mir mein kleines Taschengeld nicht ermöglichte, und meine Eltern wollten/konnten mir für meinen extravaganten Wunsch nichts geben. Ich habe dann im benachbarten Schulhaus eine Arbeit als Heizer angetreten. Ich betreute selbständig die damalige Kohlenheizung des Schulhauses, indem ich täglich zweimal die brennenden Öfen mit Kohle versorgte, die Öfen einmal wöchentlich entschlackte und die Bestellungen von Kohle veranlasste. Dies zum damaligen Stundenlohn von 95 Rappen. Es war zwar eine mühsame Arbeit (nota bene: Kinderarbeit!!), aber ich habe mir damit ohne Besuch von Fitness-Studios Muskeln anlegen und das verdiente Geld dazu verwenden können, mir mein erträumtes Occasions- Rennrad zu kaufen und Amateur-Radrennfahrer zu werden. Ich war stolz und überglücklich ob der mir übertragenen Verantwortung für die Arbeit und darüber, mir meinen Rennrad-Wunsch eigenständig erfüllt zu haben.

Und so denke ich denn…

… dass, erstens: Kinder und Jugendliche weitaus glücklicher sind, wenn sie nicht gelangweilt herumhängen und verwöhnt werden, sondern wenn sie etwas Vernünftiges tun können, um damit zum Wohle ihrer Familie beizutragen oder sich dank eigenem Einsatz  den einen oder anderen besonderen Wunsch eigenständig erfüllen können, und

 

… dass, zweitens: Der vernünftige Einbezug von Kindern in Arbeitsprozesse und die Übertragung einer altersgerechter Verantwortung an sie deren Erziehung sehr dienlich ist, und dass dies gesamtgesellschaftlich nicht nur von grossem Vorteil wäre, sondern uns vor vielen unnötigen Jugendproblemen bewahren würde.

Comments are closed.

« »