«Ich bin Dein Diener»

Lug 27 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 2031 Views • Commenti disabilitati su «Ich bin Dein Diener»

Wir verbeugen uns vor Gott – aber soll man das auch gegenüber einem Menschen tun?

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Ein bestens bekannter Politiker – Namen spielen diesmal keine Rolle, es handelt sich ohnehin um den bei Journalisten auf der ganzen Welt meist gehassten Mann – hat vor wenigen Tagen eine ebenso gut bekannte Monarchin besucht. Nichts Aussergewöhnliches, wenn nicht den Berichterstattern dabei eine Kleinigkeit aufgefallen wäre: Offenbar gehört es sich, sich bei der Begrüssung eines königlichen Hauptes zu verrenken, sprich: eine Verbeugung oder einen Knicks zu machen. Und genau das hat der Politiker nicht gemacht, sondern einfach einen tüchtigen Händedruck gegeben, wie wir uns ja üblicherweise in der westlichen Zivilisation immer begrüssen. Ganz ungewollt tauchte da bei mir die Frage auf: Wie würde ich ein königliches Haupt begrüssen (auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich in diese Lage komme, glücklicherweise gegen Null tendiert)?

Was ist denn eigentlich ein Knicks? Ein Ritual, bei dem beide Knie leicht einknicken, um einer meist ranghöheren Person Achtung oder Verehrung zu zeigen. Mehrheitlich taten dies aber nur Frauen und Mädchen. Bei den Männern gab es etwas Ähnliches, eine Verbeugung, die mit dem Begriff «Diener» bezeichnet wird. Ursprünglich ging man sogar noch weiter und fiel bei solchen Höflichkeitsbezeugungen auf die Knie. In Österreich mag das ja noch gehen, wo sich viele mit dem Begriff «Servus» begrüssen, was so viel bedeutet wie: «Ich bin Dein Diener». In der Schweiz haben wir da mit solchen Begrüssungsritualen schon eher etwas Mühe. Gibt es nicht andere Wege, um seinem Gegenüber Respekt zu zeigen? Man darf ruhig die Leistung anderer Menschen mit Worten rühmen ohne sich dabei klein zu machen. Überlassen wir doch das respektvolle Ritual auch den asiatischen Kampfsportlern: Dort ist es Tradition, in westlichen Demokratien schon eher weniger. Kommt dazu, dass wir Demokraten eigentlich Monarchen, auch wenn es sie in Europa noch in mehreren Ländern gibt, eher als folkloristische Überbleibsel aus früheren Zeiten anschauen. Niemand hat sie gewählt, sie haben sich ihren Rang nicht erarbeiten müssen und sie kommen sich heute ja oft selber ein bisschen unzeitgemäss vor… Es lebe der bürgerliche Händedruck!

 

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