Für oder gegen das Impfen? Kalter Kaffee, jetzt gilt: Für oder gegen Putin

Mar 4 • Deutsche Seite, L'editoriale, Prima Pagina • 204 Views • Commenti disabilitati su Für oder gegen das Impfen? Kalter Kaffee, jetzt gilt: Für oder gegen Putin

Eros N. Mellini

Editorial

Ich streite es nicht ab, Putin gefällt mir. Ich halte ihn für einen Politiker, der die Interessen seines Landes vertritt, welches seit jeher gegen eine feindliche Mauer ankämpfen muss, gebildet von den USA, der NATO, und vor allem von der EU, die à tout prix nichts davon wissen will, Russland als Teil Europas zu akzeptieren. Aber vor allem ist er ein Politiker mit viel Schneid, den man ihm nicht abkaufen kann, ohne unkalkulierbare Risiken einzugehen.

Ein ehrlicherer und weniger misstrauischer Approach, nicht?

Persönlich glaube ich, dass ein weniger misstrauischer Approach des Westens Russland gegenüber und vor allem mehr guter Glaube zu einer für beide Seiten vorteilhafteren politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit geführt hätten. Man kann zum Beispiel nicht erwarten, das russische Gas zu kaufen und gleichzeitig Sanktionen gegen Russland zu ergreifen, wie dies gegenwärtig Deutschland tut. Man kann nicht ein freundliches Gesicht zur Schau stellen, während man insgeheim jegliche antirussischen Bewegungen unterstützt, um die russische Regierung möglichst zu schwächen. Man kann dieses Land nicht billigen Schikanen aussetzen und dabei glauben, dass ein Typ wie Putin sich über kurz oder lang nicht genervt zeigt und Muskeln zeigt. Schliesslich kann man nicht das Ende des Kalten Krieges lobpreisen und gleichzeitig Russland mit entlang sämtlicher seiner Grenzen stationierten NATO-Basen umkreisen. Hat man denn bereits vergessen, wie die USA unter John Fitzgerald Kennedy im Jahre 1962 reagierten, als der damalige Leader der Sowjetunion Chruschtschow in Kuba Raketenbasen einrichten wollte?

Ist Putins Politik expansionistisch?

Vielleicht ja, vielleicht nicht. Immerhin wurde die Annexion der Krim – wenn man diese als solche bezeichnen will – offenbar von einer Mehrheit der Bevölkerung dieser Halbinsel lauthals verlangt. Die heutige «Invasion» der Ukraine war anfänglich beschränkt auf kleine mehrheitlich pro-russische Territorien, in denen man seit Monaten Angriffen und Bombenattacken seitens der ukrainischen Streitkräfte ausgesetzt ist. Klar, rein technisch gesehen handelt es sich seitens Russlands um eine Agression gegen einen souveränen Staat, aber – um Alessandro Manzoni zu zitieren – «lassen sich (in einem Konflikt) das Recht- und Unrechthaben nie derart klar messerscharf trennen, dass beide Seiten nur Recht oder nur Unrecht hätten».

Die Reaktionen

Selbstverständlich sind die mehr oder weniger emotionalen Reaktionen nicht ausgeblieben. Flugs haben die üblichen selbsternannten Internet-Virologiekoryphäen die Impfungen und Schutzmasken vergessen, um plötzlich zu Experten für Aussenpolitik und Kriegsrecht aufzusteigen. Einige Spitzensportler haben feierlich erklärt, nicht mehr in Russland antreten zu wollen (Putin wird darob wohl kaum schlaflose Nächte haben). Eine ganze Reihe von «Facebook-Surfern» verlangen, dass die Schweiz schwere Sanktionen ergreife, weil ihrer Ansicht nach «die Schweiz sich nicht auf ihre Neutralität berufen dürfe, um tatenlos zuzuschauen». Stellen wir uns einmal vor, unsere Regierung würde auf unsere Neutralität verzichten, um Russland zu unterstützen: Um Gottes Willen nein, nieeeemals! Die Option hat unilateral zu sein, nicht so sehr zugunsten der Ukraine, aber um Putin zu schaden. Das ist etwa so wie im Falle gewisser Spassvögel der Luganeser Eishockeywelt, für die es nicht so wichtig ist, dass Lugano gewinnt; Hauptsache ist, dass Ambrì verliert.

Die Neutralität: Ein Wert, den es gerade heute hoch zu halten gilt

Gerade in Krisenzeiten wie der heutigen muss die Schweiz ihre Neutralität bekräftigen. Dieser magische Begriff, der uns – wenn auch mit einigen Zwischenfällen – gut und gerne vor zwei Weltkriegen bewahrt hat, bedeutet eben gerade, dass man nicht für die eine oder die andere Seite Partei ergreifen soll. Dies umso mehr, weil wir die Hintergründe der ganzen Geschichte gar nicht genügend kennen. Abgesehen davon, wer letzten Endes Recht haben wird (die Geschichte wird stets von den Gewinnern geschrieben) sollte die Schweiz weder für Putin noch für alle andern, die sich gegen ihn verbündet haben, Partei ergreifen. Genau so wie sie sich 1939 weder auf die Seite der Achsenmächte noch auf die Seite Alliierten schlagen durfte.

Si vis pacem, para bellum (Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor)

Die Vorgänge in der Ukraine zeigen auf, dass der Friede in Europa alles andere als gesichert ist, dies gilt übrigens weltweit. Sämtliche Theorien der SP, der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und weiterer militärfeindlicher Gruppierungen, wonach eine Schweizer Armee obsolet sei, wonach ein traditioneller Invasionskrieg längst der Vergangenheit angehöre und es deshalb falsch sei, Geld auszugeben, um die Ausrüstung unserer Soldaten und der Luftwaffe auf dem neuesten Stand zu halten, werden allesamt widerlegt durch das, was heute geschieht.

Den Krieg verurteilen und Gute Dienste anbieten

Alles in allem finde ich es falsch, dass man sich den Sanktionen der EU anschliesst – wie es der Bundesrat zu tun gedenkt. Richtig hingegen ist es, dass die Schweiz entschlossen den Krieg als solchen verurteilt, nicht den Krieg von Putin, der Ukraine, der NATO oder von wem auch immer. Dies, um gerade aufgrund ihrer Neutralität glaubhaft ihre Guten Dienste anbieten zu können, um den zweifellos bereits bestehenden und laufend weiter aufgehäuften Scherbenhaufen abzubauen. Wird unsere Regierung den Mut aufbringen, um eine solch konsequente Haltung einzunehmen? Angesichts der unterwürfigen Haltung unseres Landes gegenüber der EU, der UNO und sämtlichem internationalistisch tönenden Wirrwarr sind daran beträchtliche Zweifel am Platze.

Comments are closed.

« »