Der Klimawandel

Set 6 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 934 Views • Commenti disabilitati su Der Klimawandel

Prof. Dr. Arturo Romer, theoretischer Physiker

Extreme Haltungen wie Klimawandel-Leugnung und Klimawandel-Hysterie sind beide fehl am Platz. Ein für sehr lange Zeit (Jahrhunderte?) dauernder und irreversibler Klimawandel findet tatsächlich statt. Der wissenschaftliche Beweis der menschlichen Mitverantwortung steht längstens fest. Massnahmen wie die extreme, unglaublich teure, unrealistische, ineffiziente “Gletscherinitiative” und der wahnsinnige “Marshallplan” sind jedoch ohne Zweifel auch die falsche Antwort. Es handelt sich um Extremismus, Angst, Fanatismus, Ideologie, Hysterie, Apokalyptik, Wahlkalkül und masslose Geld-Abzockerei. Diese beiden Massnahmen können den Klimawandel nicht im geringsten Masse verändern, weder national noch weltweit. Doch eines ist sicher: sie führen uns in die Armut, ins Mittelalter. Unsere Gletscher werden leider trotz höchster Anstrengungen und immenser Kosten im Jahre 2100 wohl alle geschmolzen sein, auch wenn wir ab morgen kein CO2-Molekül mehr emittieren. Auch der Permafrost wird in wenigen Jahrzehnten im ganzen Land verschwunden sein. Planwirtschaftliche Gebote, Verbote, Panik, Angst, Hysterie, Abzockerei, Subventionen, Spekulationen, hohe Umwelt-Abgaben und unerträgliche Steuern lösen die Problematik der Erderwärmung nicht. Wie schon gesagt, solche Massnahmen machen uns nur ärmer. Es braucht Vernunft, globales Denken, gesunden Menschenverstand, Realismus, Wahrheit, Mass, Machbarkeit, Bildung, Forschung, Wissen, Entwicklung, Innovation, Nachhaltigkeit, Verantwortung, international verbindliche Regeln  und tragbare Massnahmen (auch im Flugverkehr und in der Schifffahrt).

Dem Klimawandel kann man auf zwei Arten begegnen: durch CO2-Reduktion einerseits und durch Klimawandel-Anpassung andererseits. Ein Land wie die Schweiz muss sich mit Priorität dem Klimawandel anpassen (z.B. Realisierung von dezentralisierten Wasserreserven für bevorstehende Trocken- und Dürrezeiten, Geländeverstärkungen in noch sehr zahlreichen geographischen Situationen ähnlich wie Bondo GR, Wegsanierungen in vielen Berggebieten,  Gebäudesanierungen landesweit). Die Klimawandel-Anpassung ist unsere beste Investition für die Zukunft. Die kleine Schweiz kann leider weder den eigenen noch den weltweiten Klimawandel messbar beeinflussen. Das heißt nicht, dass wir passiv bleiben dürfen. Wir haben schon viel gemacht und werden sicher noch viel machen müssen. Speziell ist heute die Jugend sachlich, ideologiefrei, wissenschaftlich, ehrlich und kompetent zu informieren und zu involvieren. Junge Menschen haben viele Ideale. Das ist an sich sehr positiv. Die meisten Jugendlichen demonstrieren übrigens (noch) sehr friedlich. Sie sind jedoch mehrheitlich nicht im Besitz der notwendigen klimawissenschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen. Vermutlich giessen hinter den Kulissen auch viele raffinierte Ideologen, Schwarzmaler, Pseudo-Strategen, Spekulanten und falsche Propheten “Öl ins Feuer”. Der Leser nehme zur Kenntnis, dass in Europa schon Trainingslager zum zivilen Ungehorsam angeboten werden. Der Weg vom Ungehorsam zur Gewalt kann sehr kurz sein.

Die Klimawissenschaft ist äusserst komplex. Nicht jeder kann auf diesem Gebiet Spezialist sein.  Hier haben bisher die Schulen/Lehrer jeder Stufe (von den Kindergärten bis zu den Universitäten) in Sachen Kommunikation, Information, Wissen, Klima-Geschichte und Ausbildung leider komplett versagt. Oft hört man auf der Strasse und an den Stammtischen den pseudowissenschaftlichen Spruch, dass sich das Klima auch in der Vergangenheit immer wieder verändert hat. Das ist nur die halbe Wahrheit. Während der Kaltperioden (lies “Eiszeiten”) der mittleren Dauer von 90’000-110’000 Jahren war die CO2-Konzentration der Atmosphäre zirka 180 ppmv (ppmv = „part per million volume“, 1 ppmv = 1 Kubikzentimeter pro Kubikmeter). Während der Warmperioden der mittleren Dauer von 20’000-40’000 Jahren waren es zirka 280 ppmv. Seit dem Beginn des industriellen Zeitalters (im Jahre 1769 wurde Dampfmaschine von James Watt patentiert!) hat sich die CO2-Konzentration der vorindustriellen Warmperiode (280 ppmv) gänzlich verändert. Je länger je mehr hat die Menschheit durch fossile Verbrennungsprozesse große Mengen von Treibhausgasen (vor allem CO2) in die Ozeane und in die Atmosphäre ausgestossen. Gewaltige Mengen von CO2 wurden besonders während der letzten 50 Jahre emittiert (zirka 50% davon in die Ozeane und zirka 50% in die Atmosphäre). Und dies wird noch viele Jahrzehnte so weiter gehen.

Die Welt (speziell die Entwicklungs- und Übergangsländer) hat einen riesigen und berechtigten Energiehunger. Und man sei sich bewusst: das heutige Weltenergiesystem kann nicht über Nacht in ein CO2-freies Energiesystem verwandelt werden. Heute beträgt die CO2-Konzentration der Atmosphäre zirka 412 ppmv, d.h. 40% mehr als während der vorindustriellen Zeit. Wir sind daher in Sachen CO2-Konzentration mit einer komplett neuen Klima-Situation konfrontiert. Eine so hohe CO2-Konzentration hat es in den letzten 800’000 Jahren auf dem Planeten Erde nie gegeben. Dabei darf man nicht vergessen, dass mehr als die Hälfte der heutigen Erdbewohner noch in großer Armut leben. Auch eine zu rasche und totale schweizerische Dekarbonisierung wird das Klima in der Schweiz und auf dem Planeten nicht messbar beeinflussen. Doch haben wir das Recht und die Pflicht, durch Klima-Anpassungs-Massnahmen relativ kurzfristig große Klimawandel-Schäden im Inland zu vermeiden. Man soll den Leuten sagen und schreiben, dass der Klimawandel ein planetarisches Problem darstellt. Doch ist der Klimawandel nicht das einzige Problem der Schweiz, bzw. der Menschheit. Die heutige Gesamtlage der Menschheit ist immer noch katastrophal. Alle Menschen haben/hätten ein Anrecht auf Lebensqualität und Lebenswürde. Doch ohne Energie gibt es keine Lebensqualität und keine Lebenswürde. Die Welt ist noch sehr lange Zeit weit entfernt von einer 100%-igen Dekarbonisierung. Der fossile Energieanteil am weltweiten Primär-Energieverbrauch beträgt immer noch rund 85%. Diese planetarischen Tatsachen können auch die zig Milliarden Schweizer Franken nicht von heute auf morgen spürbar verändern. Es muss deshalb schweizerisch und weltweit ehrlich, objektiv, sachlich, solidarisch und verantwortlich kommuniziert, geplant und gehandelt werden. Auch die Massmedien (Zeitungen, Zeitschriften, TV, Radio, Internet, usw.)  müssen diesen Tatsachen offen Rechnung tragen. Sie schüren zurzeit leider mehrheitlich nur Angst, Panik, Weltuntergangsstimmung und Hysterie, ohne objektiv über die planetarische Energiesituation und über die planetarische Lebenssituation (Armut, Hunger, Wassermangel, Analphabetismus, Krankheiten, Fanatismus, Terrorismus, Glaubenskriege, Flüchtlinge, Meeresverschmutzung, Klima, usw.) der Menschheit zu berichten. Nein zur Hysterie, ja zur menschlichen Verantwortung und zur menschlichen Solidarität. Ja zu intelligenten, sozial tragbaren und nachhaltigen Lösungen in jedem Lebensbereich (lokal und weltweit). Dazu gehört auch der Klimawandel. Es braucht jedoch endlich auch wieder eine Dosis Hoffnung, eine Dosis Optimismus und eine Dosis Vertrauen in den Menschen und in seine Fähigkeiten.

Comments are closed.

« »