Der Klimawandel und das CO2-Gesetz

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Prof. Dr. Arturo Romer, theoretischer Physiker

Das Referendum gegen das planwirtschaftliche und klimatisch ineffiziente CO2-Gesetz ist zustande kommen und unser Volk wird am 13. Juni 2021 darüber abstimmen.  Ich hoffe sehr, dass die Bevölkerung objektiv, ehrlich, seriös, wissenschaftlich und ideologiefrei über dieses fragwürdige CO2-Gesetz informiert wird. Hier einige Überlegungen:

  1. Haltungen: Klimawandel-Leugnung und Klimawandel-Fanatik sind beide als extreme Haltungen fehl am Platz!
  2. Geschichte: Unser Land bekämpft den Klimawandel schon seit Jahrzehnten beispielhaft und verantwortlich. Wir haben seit vielen Jahren das teuerste CO2-Gesetz auf der Welt. Mehr braucht es vorläufig nicht.
  3. Pariser Klimaabkommen: Die Schweiz hat das sehr ambitiöse und leider sanktionslose Pariser Klimaabkommen unterzeichnet und ratifiziert. Sehr viele Nationen werden ganz besonders während und nach dieser schweren Coronavirus-Krise das Pariser Klimaversprechen mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht einlösen können. China hat bis anhin als weltgrösster CO2-Emittent den CO2-Ausstoss jährlich sogar vermehrt. Dies soll sich scheinbar ändern. Im Jahr 2030 will die Volksrepublik den Höhepunkt ihrer CO2-Emissionen erreichen, um sie anschließend zu senken. Und Indien? Im Jahre 2027 wird Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde sein. Die indische Regierung hat ein grosses Programm für die Entwicklung der Infrastruktur gestartet. Der Energieverbrauch wird explodieren. Wird dieses Wachstum zu einem enormen Anstieg der CO2-Emissionen führen? Und Brasilien? USA? Russland? Japan? usw.
  4. Ein Blick in die Zukunft: Die Schweiz wird auch in Zukunft mit Sicherheit am weltweiten Kampf gegen den Klimawandel aktiv teilnehmen. Doch wird die Schweiz auch mit den strengsten und teuersten Massnahmen weder das eigene, noch das weltweite Klima nie messbar beeinflussen können. Deshalb ist dieses extrem teure, planwirtschaftliche, unsoziale und klimatisch ineffiziente CO2-Gesetz das falsche Instrument. Es braucht Mass, Wissen, Vernunft und gesunden Menschenverstand! Das Energie- und Umweltdepartement hat nicht den Mut und die Ehrlichkeit, den Bürgerinnen und Bürgern offen zu erklären, was die Summe “neues CO2-Gesetz + Coronavirus-Krise” für die Familien und für die Wirtschaft bedeutet. Subventionen sind nur eine Scheinlösung. Es braucht auch im Energie- und Umweltbereich marktwirtschaftliche Kriterien und Prinzipien. Ja zur Forschung, ja zur Entwicklung, ja zur Innovation, ja zum Klimaschutz mit Mass, ja zur Vernunft, aber nein zum fanatischen und teuren CO2-Gesetz, nein zur Abzockerei.
  5. Dekarbonisierung: Eine kurzfristige totale schweizerische Dekarbonisierung wäre sinnlos teuer und bezüglich Klimawandel komplett einflusslos. Sie würde uns nur in die Armut , ins Mittelalter führen.
  6. Planetarisches und marktwirtschaftliches Denken: Der Klimawandel ist ein ernsthaftes planetarisches Problem und muss somit planetarisch gelöst werden. Eine kleine Nation wie die Schweiz kann dieses Problem auch nicht mit masslosen Steuern und Abgaben lösen. Es braucht marktwirtschaftliche Kriterien. Da die Treibhausgas-Emissionen gemäss dem Pariser-Klimaabkommen weltweit mit strengen Marktkriterien bekämpft werden, müssten die neuen erneuerbaren Energien endlich automatisch konkurrenzfähing werden, und dies ohne masslose und marktverfälschende Subventionen.
  7. Das Potential der Wasserkraft: Der Wasserkraft muss man mehr Bedeutung schenken. Speicherwerke und Pumpspeicherwerke sind immer noch die besten “Batterien” für Fotovoltaik und Windenergie. Wir müssten mehrere Staumauern erhöhen (siehe Grimsel und viele andere), Speicherwerke wo möglich mit Pumpbetrieb ergänzen und geschmolzene Gletschergebiete mit gebührender Rücksicht auf die Umwelt in Stauseen verwandeln. All diese Massnahmen stellen zugleich auch notwendige langfristige Wasserreserven dar, was angesichts des tatsächlichen Klimawandels immer wichtiger wird. Dank einer verstärkten Wasserkraft können wir künftige winterliche Stromlücken vermeiden und mit den Wasserreserven im Sommer Dürrezeiten überbrücken. Deutschland wird kurzfristig die restlichen Kernkraftwerke und mittelfristig die vielen Kohlekraftwerke schliessen. Auch Frankreich wird sehr wahrscheinlich seine alten Kernkraftwerke nicht mehr durch neue Kernkraftwerke ersetzen. Winterliche Stromimporte in die Schweiz werden somit in wenigen Jahren nicht mehr möglich sein. Ein winterlicher Strom-Blackout wird für die Schweiz immer wahrscheinlicher.
  8. Investitionen: Die Zukunft braucht Bildung, Forschung, Entwicklung und Innovation. Das sind die besten Investitionen für die künftigen Generationen. Dies gilt auch für den Energie- und Umweltbereich.
  9. Doppelte Besteuerung: Die Klimawandel-Fanatiker und die Klimawandel-Hysteriker wollen zusätzlich masslose CO2-Steuern auch auf die Importe anwenden. Es handelt sich um eine doppelte Besteuerung! Kein anderes Land auf der Welt kam bisher auf solchen Unsinn.
  10. Weltweiter Primärenergieverbrauch: 80-85% des welweiten Primärenergieverbrauchs sind heute noch fossiler Natur. Dieses Energiesystem kann man nicht kurzfristig (von heute auf morgen) in die 100%-ige Dekarbonisierung führen. Man denke an die immense weltweite Armut. Ohne Energie gibt es nirgends auf diesem Planeten Lebensqualität. Die Welt hat mehrheitlich noch einen berechtigten riesigen Energiehunger. Diesen Hunger kann man nicht kurzfristig mit Windenergie, Fotovoltaik und Träumen stillen! Viele Nationen werden noch sehr lange Zeit fossile Energie brauchen (auch China und Indien).
  11. Klima und Vergangenheit: viele Leute behaupten, dass sich das Klima auch in Vergangenheit immer verändert hat. Das ist nur eine halbe Wahrheit. Die CO2-Konzentration der Atmosphäre beträgt heute zirka 412 ppmv. Während der vergangenen Warmzeiten waren es zirka 280 ppmv. Während der vergangenen Kaltzeiten (= “Eiszeiten”) waren es zirka 180 ppmv. Also ist die heutige CO2-Konzentration von zirka 412 ppmv der Atmosphäre als Folge des menschlichen fossilen Energieverbrauchs seit dem Beginn des industriellen Zeitalters (1769) in der Menschheitsgeschichte einmalig. Seit mindestens 800’000 Jahren hat es nie eine solch hohe CO2-Konzentration gegeben. Die Welt muss mit einer machbaren und finanziell tragbaren Strategie reagieren. Und dies braucht viel Zeit!
  12. CO2-Steuern: In der EU bezahlte man während der vergangenen Jahre wenige Euro pro Tonne CO2-Emission. Dies hat sich seit kurzer Zeit verändert. Momentan haben die europäischen CO2-Emissions-Zertifikate einen Wert von rund 30-35 Euro/t CO2. Das neue schweizerische CO2-Gesetz fordert “sage und schreibe” 210 Franken pro Tonne CO2. Bisher betrug der schweizerische Maximal-Ansatz 120 Franken pro Tonne CO2.
  13. Viele Probleme: Der Klimawandel ist eine Tatsache. Fanatismus, Hysterie, Panik und Weltuntergangsstimmung sind jedoch nicht die Lösung. Ein Land wie die Schweiz darf sich nicht einseitig und fanatisch nur auf den Klimawandel konzentrieren. Die Schweiz hat gleichzeitig sehr viele andere und ebenso wichtige Herausforderungen: Sozialwesen, Arbeitsplätze, Wirtschaft, Konkurrenzfähigkeit, Finanzwesen, Bildung, Forschung, Entwicklung, Schutz und Sicherheit, Gesundheitswesen, Innovation, usw.  Unsere Ressourcen und Finanzen müssen mit Vernunft, Mass und Verantwortung in alle Bereiche des täglichen Lebens fliessen.
  14. Forschung: Die Schweiz investiert schon seit Jahrzehnten grosse Summen Geld in die theoretische und experimentelle Klimaforschung. Die weltweite Klimaforschung hat seitens der Schweiz während der letzten 40 Jahre sehr viele profunde wissenschaftliche Kenntnisse und einmalige Messtechniken erhalten. Ich denke hier ganz besoders an den verstorbenen Prof. Dr. Hans Oeschger (1927-1998). Er war zu seiner Zeit die absolute Weltspitze als Klimawissenschafter.
  15. Die Klimawandel-Bekämpfung: Den Klimawandel muss man auf zwei Arten bekämpfen: durch effiziente CO2-Reduktion und durch sinnvolle Anpassung. Die Anpassung ist für die Schweiz besonders wichtig (Wasserreserven, Geländeschutz, Wegverbesserungen, Klima-Anpassung der Bewaldung, usw.)!
  16. Lügen und Wahrheit: weltweit beträgt die mittlere Temperatur-Erhöhung gegenüber der vorindustriellen Zeit schon mehr als 1 Grad Celsius. In der Schweiz beträgt die entsprechende mittlere Erhöhung schon gut 2 Grad Celsius (Gründe: Alpenraum und geographische Lage im Zentrum von Europa, fern von den Meeren). Es handelt sich hier bisher mehrheitlich um sogenannte “transiente (kurzfristig eintretende)” Werte. Die “Gleichgewichtswerte” treten immer viel später ein und werden wesentlich höher sein. Da die Welt noch lange Zeit fossile Energie verbrauchen wird, können wir heute die definitiven planetarischen Gleichgewichts-Temperaturerhöhungen noch nicht kennen. Die Fanatiker und Hysteriker lassen die Schweizerinnen und Schweizer glauben, dass die Schweiz dank Abzockerei die “1.5 Grad Celsius –Limite” nicht überschreiten wird. Dies entspricht nicht der Wahrheit! Wir können das Rad der Geschichte nicht rückwärts drehen. Alles, was bis jetzt schon lokal und weltweit emittiert wurde, und inskünftig noch unvermeidbar in hohem Mass emittiert wird, hat seine physikalische Wirkung, auch auf die Schweiz (mit und ohne neues planwirtschaftliches CO2-Gesetz). Es handelt sich um ein sehr komplexes planetarisches Problem, welches nur durch die weltweite Nationen-Gemeinschaft mit Mass, Wissen, Forschung, Solidarität und Vernunft gelöst werden kann. Auch die Schweiz macht mit. Aber mit Vernunft und Mass!
  17. Die Kernenergie: Ich war immer und bin auch heute noch Kernenergie-Befürworter. Am 27.11.2016 hat die schweizerische Bevölkerung den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Dieser Volks-Entscheid verdient Respekt und man kann ihn kurzfristig unmöglich umkehren. China, Indien, Russland und viele weitere Länder setzen jedoch auch inskünftig auf die CO2-arme Kernenergie (nächstens werden moderne Spaltungsreaktoren der vierten Generation und später auch Fusionsreaktoren gebaut). Langfristig wird die Kernenergie weltweit ein wesentlicher Teil der Lösung gegen den Klimawandel sein. Deshalb ist mindestens die schweizerische Forschung im Fachbereich der Nuklear-Wissenschaft und der Nukleartechnik weiterhin zu erhalten und zu fördern.

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