Der Franken als internationale Währung

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Mit diesem Schweizer Fünfliber konnte man um 1900 problemlos in Belgien, Frankreich und Italien einkaufen (Bild WordPress)

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Der Euro feiert Geburtstag: Vor 20 Jahren wurde er in den meisten Mitgliedstaaten der EU eingeführt. Aber niemand feiert so richtig – vermutlich möchte man die Diskussion darüber vermeiden, ob der Euro eigentlich ein Segen oder ein Fluch für die Volkswirtschaften ist. Die Schweiz macht bei der Einheitswährung nicht mit, Realität ist jedoch, dass in unserem Land fast überall mit Euroscheinen bezahlt werden kann. Die Schweiz hat vor Jahrzehnten bei einer ähnlichen gemeinsamen Währung mitgemacht und nach deren Scheitern offenbar die Lehren daraus gezogen: Von 1865 bis zum 1.Weltkrieg und teilweise noch darüber hinaus existierte die sogenannte «Lateinische Münzunion». Mitgemacht haben Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz. In einer zweiten Phase kamen auch Spanien, Griechenland, Rumänien, Österreich-Ungarn, Bulgarien, Serbien, Montenegro und sogar Venezuela dazu.

Die einheitliche Währung war damals der Franken, der seit der napoleonischen Zeit ein verbreitetes Zahlungsmittel in Frankreich, in der Schweiz und in Italien war. Bei der Einführung eines gemeinsamen Münzsystems dachte man schon damals an eine Art europäischer Union, die daraus entstehen könnte. Mehrere Staaten druckten dann aber auch Papiergeld in der Währung der Münzunion, was schnell zu hoher Inflation führte. Die Währungsunion konnte sich nicht dauerhaft halten. Sie vertrug sich nicht mit der Souveränität der einzelnen Staaten. Man hat aus dem Scheitern der gemeinsamen Währung gelernt, dass eine Währungsunion ohne politische Union unmöglich ist. Die Schlussfolgerung von Volkswirtschaftlern lässt aufhorchen: «Ein plausibler Grund für die Auflösung der Lateinischen Münzunion war der erhebliche Unterschied in der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitgliedsländer.» Wer denkt bei dieser Feststellung nicht an die heutige Situation in Europa?

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