Das Hochrisikospiel mit der Inflation

Nov 26 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 190 Views • Commenti disabilitati su Das Hochrisikospiel mit der Inflation

Patanegra

Schweinereien 

Was bedeutet Inflation?

Nun, Inflation, das heisst Geldentwertung, Teuerung. Einfach ausgedrückt bedeutet es, dass wir für den Kauf desselben Produkts oder für dieselbe Dienstleistung zunehmend mehr Geld zahlen müssen. Ist Inflation gefährlich? Ja, sehr. Zumindest für all jene, deren Einkommen gar nicht oder nicht regelmässig der Teuerung angepasst werden – beispielsweise für die Rentenabhängigen wie z.B. die Pensionierten.

Wie kommt Inflation zustande?

Die Preise für Güter und Dienstleistungen bilden sich in einer Marktwirtschaft wie der unsrigen nach Angebot und Nachfrage und nach der Dringlichkeit von Kauf- oder Verkaufsentscheiden (nachfrageseitig spricht man von flexibler und unflexibler Nachfrage, letztere steht für den Bedarf an lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen). Aber ein dritter Faktor ist ebenso massgebend: Die höheren Preise bilden sich auch – und dies immer häufiger – international und zunehmend auch national – weniger aufgrund der zuweilen eingeschränkten angebotsseitigen Gesamtmenge (zwar beispielsweise gegenwärtig infolge der Lieferengpässe), sondern aufgrund der zunehmend exponentiell expandierenden, in Umlauf befindlichen Gesamt-Geldmenge.

Die Rolle der Zentral- und Nationalbanken

Ihre Rolle ist massgebend, denn diese Institute bestimmen die Geldmenge. Die weltweit führende US-Zentralbank druckt laufend Unmengen von US-Dollars, um die US-Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen – Dollars, die als Weltwährung für die internationalen Marktgleichgewichte massgebend sind. Die Europäische Union vergibt mittels Europäischer Zentralbank zulasten der Union weiterhin ausgiebig milliardenschwere Euro-Zuschüsse (als so genannte Kredite deklariert) an hoffnungslos insolvente EU-Mitgliedsstaaten.

Unsere Schweizerische Nationalbank kauft Jahr für Jahr für Milliarden von Franken solche immer wertloser werden Währungen wie US-$ und Euro, um den Schweizer Franken zu schwächen. Ohne diese Käufe wäre der Euro wohl heute kaum noch 60-70 Rappen wert. Dies, um unsere Exportwirtschaft zu stützen (was die Exportwaren zwar verbilligt, aber unsere Importe verteuert). Klar, unsere Exportwirtschaft ist wichtig. Aber wer im Inland profitiert denn letzten Endes wirklich davon? Und: Wie lange kann das so noch gut gehen?

Die «gewünschte» Inflationsrate von 2 %

Namhafte Ökonomen und Zentralbankverantwortliche beten uns tagtäglich vor, dass eine durchschnittliche Inflationsrate (das heisst Geldvolumenvermehrung) von 2% ideal sei für die Reprise der Wirtschaften. Will heissen: Es diente dazu, die Wirtschaften weltweit anzukurbeln, denn mit mehr verfügbarem Geld kaufe man mehr. Dies bezweifle ich, und auch wenn es nicht ganz falsch sein sollte, funktioniert dies nur im Falle eines ungebremsten Wachstums der Gesamtwirtschaften. Ohne das nötige Wachstum bricht dieses Gedankenspiel elendiglich in sich zusammen. Und heute steht das Wachstumsziel weltweit nicht mehr zuoberst auf der Prioritätenliste. Zu stark werden die durchaus ernst zu nehmenden Bedenken aus dem Blickwinkel der Ökologie, sie werden zusehends zur massgebenden Weltmeinung. Und auch die Zunahme der Weltbevölkerung stottert. Die Geburtenraten in Europa und Amerika sind stark rückläufig bis gar negativ, sogar China musste seine einstige Ein-Kind-Politik aufgeben. Die einzigen Staaten mit überdurchschnittlichen Geburtenraten (fertility rate) sind die afrikanischen (Niger 6.91, Angola 5.99, Kongo 5.70, insgesamt 30 Staaten in der Hitliste bis hinunter auf Zimbabwe mit 3.91), mit all den damit für sie verbundenen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Armut und – für uns Europäer – der kontinuierliche Migrationsdruck.

Das Schreckgespenst der Stagflation

Wie lange kann das alles noch gut gehen? Immer häufiger spricht man erstaunlicherweise nun plötzlich auch in renommierten Ökonomenzirkeln nicht mehr nur von Inflation, sondern von Stagflation, einem Begriff, der in den letzten Jahrzehnten völlig vergessen gegangen war. Stagflation bedeutet, dass auch bei steigenden Preisen die Wirtschaftsleistung nicht zu-, sondern abnimmt, d.h. weniger produziert wird, mithin das Waren- und Dienstleistungsangebot auch bei steigenden Preisen stagniert. Das heisst, dass man nicht nur stets teurer einkaufen muss, sondern dass das Gewünschte kaum noch oder nicht mehr verfügbar ist.

Fragwürdige Maximen

Nun, eine Stagflation ist hoffentlich nicht unmittelbar zu befürchten. Eine Inflation, d.h. eine massive Geldentwertung, jedoch viel eher. Und darunter würden vor allem all jene leiden, deren sauer erspartes Geld immer weniger wert ist, und deren Einkommen nicht laufend der Teuerung angepasst wird, so wie dies etwa für die Rentenempfänger wie z.B. die Pensionierten der Fall ist. Die bereits eingeführten Negativzinsen sprechen eine deutliche Sprache. Das ersparte Geld, das man zur Seite gelegt hat, ist nicht nur stetig immer weniger wert, sondern man muss dafür – sofern in einem Bankkonto angelegt – statt Zinsen zu erhalten sogar teuer dafür bezahlen, dass man ein Konto hat. Mit meiner mir vor 15 Jahren zugesprochenen, unverändert gebliebenen Rente z.B. muss ich heute bei einer wirtschaftlich «gewünschten» Inflationsrate von 2% mit demselben Geld 30% teurer einkaufen als früher.

Profitieren von all dem tun vor allem jene, die nicht sparen, Schulden haben oder gar weiter anhäufen – Private, die sich im Bedürfnisfall allzu selbstverständlich auf grosszügige staatliche Unterstützung verlassen können, aber auch Staaten selber mit ihrer fortschreitenden Staatsverschuldung. Wie gesagt: Solange diese krasse Misswirtschaft durch Wirtschaftswachstum aufgefangen wird, dürfte dies noch eine kurze Weile gut gehen. Aber ich frage mich: Wie lange noch?

 

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