Alpen-Metro statt Flughafen!

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Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

In diesen Tagen wird überall geklagt über das traurige Schicksal des Flughafens Lugano-Agno. Wir alle kennen aber die topographische Situation von Agno und die Unmöglichkeit, mit grösseren Maschinen zu landen und zu starten. Vielleicht ist angesichts der heutigen Situation aber auch ganz allgemein die Zeit der Kurzstreckenflüge vorbei. Für mich steht die Tatsache im Vordergrund, dass die Eisenbahn in der Lag ist, mit der Fertigstellung der NEAT viel attraktivere Verbindungen zwischen Lugano und dem Flughafen Zürich anzubieten. Und schliesslich liegt der Grossflughafen Mailand-Malpensa auch nicht allzu weit von der Landesgrenze. So läuft es immer mit dem technischen Fortschritt: Da gibt es Gewinner und Verlierer und es macht keinen Sinn, den alten Zuständen nachzutrauern. Sonst hätten vor knapp 150 Jahren die Postkutscher auch auf die Barrikaden steigen müssen, als die Gotthard-Eisenbahn eine neue und schnelle Verbindung durch die Alpen von Nord nach Süd anbieten konnte und ihnen den Verdienst wegnahm. Bei jedem technologischen Fortschritt gehen Arbeitsplätze verloren und andere entstehen neu. Wenn ich mich nicht gewaltig täusche, fehlen den SBB und der BLS in den nächsten Jahren über 1000 Lokführer. Es macht wohl wenig Sinn, überlebte Strukturen wie einen Flughafen in Lugano mit öffentlichen Geldern künstlich am Leben zu halten. Ich fände es besser, Ausschau zu halten nach neuen, interessanten Projekten und genau ein solches ist in den letzten Tagen wieder aus der Schublade hervorgeholt worden. Es lohnt sich meiner Meinung nach, diese Idee ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Einige schlaue Köpfe haben festgestellt, dass unser bekannter Wintersportort Bosco Gurin (in einem Seitental des Maggiatals mit Skipisten auf einer Höhe von 1500 bis 1900 m gelegen, also relativ schneesicher) an ein dicht besiedeltes Gebiet auf italienischem Boden grenzt. Der Raum Domodossola (etwas mehr Einwohner als Locarno und Umgebung) liegt in der Provinz Verbano-Cusio-Ossola mit über 150’000 Einwohnern. Die Strasse ins Formazzatal ist recht gut ausgebaut und von Fondovalle (Italien) sind es weniger als sechs Kilometer Luftlinie nach Bosco Gurin. Die alteingesessenen Walser nennen ihren Ort «Schtaafelwaald». Die Idee, hier eine unterirdische alpine Metro zu bauen ist nicht neu, sie entstand in den Neunziger-Jahren des letzten Jahrhunderts. Würde sie realisiert, so wären die Wintersport-Anlagen im Tessiner Walserdorf etwa gleich gut erreichbar sowohl von Locarno als auch von Domodossola aus. Nicht zu vergessen, dass damit auch eine alte historische Verbindung wieder aufleben würde: Die im Tessin lebenden Walser sind ja vor mehr als 700 Jahren genau aus diesem italienischen Tal ausgewandert, das noch heute neben der italienischen Bezeichnung Formazza den deutschen Namen Pomatt trägt. Das Tal des Flusses Toce mit seinem weltbekannten Käse «Bettelmatt» käme wieder in engen Kontakt mit dem Tal der Rovana und damit mit dem Maggiatal. Die Walser haben es vorgemacht: Sie wanderten nicht von unten nach Bosco Gurin, sie kamen von oben über die Berge: und so werden es vielleicht in Zukunft die Skifahrer auch machen – allerdings durch einen relativ kurzen Tunnel. Ich meine, es würde sich lohnen, diese neue Verbindung genauer zu prüfen. Und umweltfreundlich wäre sie ja auch…

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