Vermeidbare Irrgänge zum Klugwerden

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Rolando Burkhard

Ein alter Denkspruch besagt: Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste; zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste; drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste. Dieser Spruch scheint mir noch heute gültig zu sein und gilt nicht nur fürs Persönliche, sondern auch fürs Politische.

Im persönlichen Bereich

Im persönlichen Bereich gilt dieser Spruch wohl am Unmittelbarsten: Wer vorher nachdenkt über sein jetziges und künftig kluges Tun, handelt vernünftig. Wer dazu zu faul ist und stattdessen unkritisch andere Denkmuster nachahmt, handelt höchst fahrlässig. Und wer erst aus dem Schaden schlechter Erfahrungen etwas lernt, kommt stets eine Katastrophe zu spät.

Im politischen Bereich

Im Politischen ist es aber ebenso. An Beispielen dafür fehlt es bei weitem nicht. Nehmen wir doch als Beispiel die endlose Diskussion um den der Schweiz ultimativ und erpresserisch vorgegebenen aktuellen Rahmenvertrag mit der EU.

Nachdenken:  Wer sich die Mühe nimmt, vernünftig darüber nachzudenken, kann diesen Vertrag nur ablehnen. Denn allzu gross ist die Interessendifferenz zwischen den Vertragspartnern. Die EU profitierte mit einem solchen Vertrag voll und ganz und setzte ihr Recht vollumfänglich auch in der Schweiz durch, die schweizerische Souveränität stünde nur noch als altes Relikt pro forma in der Bundesverfassung. Seitens der Schweiz von diesem Rahmenvertrag profitieren würden – wenn das Volk nicht darüber nachdenkt –  lediglich eine Handvoll zumeist ausländischer Exponenten „unserer“ Exportwirtschaft (die diversen CEO’s mit ihren Boni als Manager unserer grossen, zumeist in ausländischer Hand befindlichen Exportfirmen), und vielleicht ein paar interessengesteuerte Börsenmakler. Doch all diese Leute haben in Bundesbern sehr grosses Gewicht.

Nachahmen: Das ist das, was derzeit Bundesbern unentwegt tut, man kopiert bereits heute kritiklos so quasi alle unsinnigen  Regulatorien, welche die EU am laufenden Band neu erfindet. Denn das ist der bequemste Weg, weil er kein Nachdenken erfordert. Mit dem Rahmenvertrag würde diese Nachahme-Orgie gar generell institutionalisert, das Nachahmen bedeutete nicht nur wie bisher Leichtsinnigkeit, sondern würde gar zur zwingenden Pflicht.

Erfahrung: Ja, das Klugwerden durch (schlechte) Erfahrung ist am bittersten. Wenn wir über den Rahmenvertrag nicht rechtzeitig nachdenken, sondern ihn unkritisch übernehmen, läuft es darauf hinaus, dass wir erst durch Schaden klug werden. Das wäre bitter. Diese bittere Erfahrung liesse sich aber durch edles Nachdenken durchaus vermeiden. Angesichts meiner Skepsis gegenüber Bundesrat und Parlament mit all ihren chronischen Tricksereien traue ich dies am ehesten unserem Volk zu.

 

Wir sollten nicht erst durch (schlechte) Erfahrungen oder bequemes Nachahmen klug werden, sondern rechtzeitig durch edles Nachdenken.

 

Rolando Burkhard

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