IA: Besorgte Überlegungen eines unwissenden Profanen

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Eros N. Mellini

Editorial

Vor kurzem erzählte mir ein Freund begeistert von den Fortschritten der künstlichen Intelligenz: Textverarbeitung, umfassende Internetrecherche zu allen weltweit veröffentlichten Informationen zu einem bestimmten Thema, selbstständiges Verfassen von Briefen und E-Mails für den geschäftlichen oder beruflichen Gebrauch anhand weniger grundlegender Vorgaben, gebrauchsfertige Lehrtexte zu beliebigen Themen usw.

Die vierte industrielle Revolution

Es gibt drei allgemein anerkannte industrielle Revolutionen: Die erste wird der Erfindung der Dampfmaschine (1770) zugeschrieben, die – wahrscheinlich begleitet von anderen Faktoren – die landwirtschaftliche Produktion, die Textilindustrie und die Metallindustrie revolutionierte. Die zweite (1870) wurde durch die Einführung der Elektrizität, der chemischen Produkte (Chemie) und des Erdöls ausgelöst. Die dritte schließlich begann 1970 mit den Auswirkungen des massiven Einsatzes von Elektronik, Telekommunikation und Informatik in der Industrie.

Heute, angesichts der rasanten Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts in der Informatik, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, erlaube ich mir – ganz willkürlich, da ich keine kulturelle und wissenschaftliche Grundlage habe, um meine Überlegungen zu untermauern – die aktuelle Entwicklung als vierte industrielle Revolution zu betrachten. Und die sich daraus ergebenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen lassen mich befürchten, dass es auch die letzte sein wird.

Die vorteilhafte Automatisierung…

Die negativen Auswirkungen der ersten beiden industriellen Revolutionen (weniger Arbeitsplätze aufgrund des Ersatzes eines Teils der Arbeitskräfte durch Maschinen) konnten durch die Beschäftigung der Arbeitnehmer in anderen Bereichen – wie beispielsweise der Verwaltung, der Produktion und der Wartung der Maschinen selbst – sowie durch die Verkürzung der Arbeitszeiten und eine deutliche Verbesserung der sozialen Lage der Arbeitnehmer ausgeglichen werden. Ein progressiver Anstieg der Löhne führte zusammen mit mehr Freizeit automatisch zu einem höheren Konsum von Fertigprodukten und damit zur Etablierung des Kapitalismus als Gesellschaftssystem. Zur Freude aller, außer der Linken. Meiner Meinung nach hatten die ersten beiden industriellen Revolutionen daher zweifellos mehr positive als negative Auswirkungen.

… und die derzeitige Hyperautomatisierung

Die heutige Entwicklung, die mit dem Informatikboom vor einigen Jahrzehnten begann, ist meiner Meinung nach jedoch zu schnell und zu drastisch, als dass die Kosten-Nutzen-Bilanz insgesamt positiv ausfallen könnte. Der erste «Personal Computer» mit dem ich an meinem Arbeitsplatz in Berührung kam – das war 1988, also noch nicht vor Jahrhunderten – war ein IBM ohne Hartdisk, aber mit zwei «Floppy Discs», eine für das paar Programme, die er beherrschte, hauptsächlich Textverarbeitung, und die andere zum Speichern von Daten. Nach dem Einschalten konnte man eine Kaffeepause einlegen, denn es dauerte mehrere Minuten, bis er betriebsbereit war. Natürlich gab es noch keine «Mouse», und alle Vorgänge mussten über Befehle in DOS eingegeben werden. Für die Kommunikation wurden Telex und Faxgeräte verwendet, die ebenso langsam wie sperrig waren. Jeder Schreibtisch war mit einer Schreibmaschine ausgestattet. Ein paar Direktoren hatten ein Mobiltelefon (Natel B), das so groß wie ein Aktenkoffer war. Als ich das Unternehmen 17 Jahre später verließ, gab es praktisch keine Schreibmaschinen mehr, jeder hatte einen PC und E-Mails hatten Telex und Faxgeräte ersetzt

Mobiltelefone waren unter Angestellten allmählich verbreitet – zunächst Natel C, dann Natel D –, obwohl sie noch relativ sperrig waren und lediglich zum Telefonieren dienten. Heute, 20 Jahre später, gehört der PC in jedem Haushalt zum Standard, möglichst tragbar, ersetzt durch das «I-Pad» mit Touchscreen; auch das Mobiltelefon wurde durch den «I-Pod» ersetzt, mit Internetzugang, E-Mail und einer Vielzahl von «Apps», die dem Gerät alle möglichen Dienste ermöglichen, außer vielleicht Kaffee und Duschen (aber ich schließe nicht aus, dass auch das früher oder später noch kommen wird).

Hat uns das alles das Leben angenehmer gemacht? Sicherlich ja, ich kann mir heute kein Leben mehr ohne all die Annehmlichkeiten vorstellen, die mir die Informatik bietet – auf die ich übrigens paradoxerweise vor nur ein paar Jahrzehnten noch ganz gut verzichten konnte.

Ist aber alles so rosig?

Ich fürchte nein. Ich persönlich glaube, dass der Ersatz menschlicher Arbeitskräfte durch Automatisierung und heute durch immer ausgefeiltere Produkte der künstlichen Intelligenz viel schneller voranschreitet als die Umschulung und Wiedereingliederung der arbeitslos gewordenen Arbeitnehmer in andere Branchen. Und in welchen Branchen überhaupt, da die künstliche Intelligenz praktisch alle Bereiche erobert? Meiner Meinung nach ist kurz- und mittelfristig mit einer grassierenden Arbeitslosigkeit zu rechnen, die die Sozialleistungen stark belasten wird, für deren Finanzierung immer weniger Arbeitnehmer zur Verfügung stehen werden. Arbeitslose Arbeitnehmer ohne Aussicht auf eine Wiedereinstellung, die irgendwie finanziert werden müssen, damit sie weiterleben und nicht zuletzt die Güter konsumieren können, die die künstliche Intelligenz ohne sie weiterhin produzieren wird. Es ist also ein Teufelskreis. Als Beweis für diesen gefährlichen Trend zitiere ich einen Auszug aus einer aktuellen Studie, die sich zwar auf China bezieht, aber dennoch nicht weniger aussagekräftig ist: «Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit der chinesischen Fertigungsindustrie auf die Automatisierung. Fabriken sind so konzipiert, dass sie ohne Arbeiter („dunkle Fabriken“) funktionieren, da Unternehmen künstliche Intelligenz, Robotik und fortschrittliche Produktionstechnologien einsetzen. China hat seine Roboterintensität (Industrieroboter pro Arbeitnehmer) in vier Jahren verdoppelt und 2023 die USA in Bezug auf die Roboterintensität überholt.». Bedenklich, nicht wahr?

Ein surrealistisches Szenario, das jedoch nicht von vornherein ausgeschlossen werden kann

Wir stehen noch am Anfang, aber angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich der Sektor entwickelt, könnte das Grundeinkommen bald unverzichtbar werden. Ehrlich gesagt kann ich mir keine Gesellschaft vorstellen, in der Menschen, die nichts tun, ihr Geld von Maschinen und Computerprogrammen bekommen, die statt ihnen arbeiten. Außerdem: Wie viel müsste man den wenigen Menschen, deren Arbeit noch notwendig wäre, bezahlen, um sie davon zu überzeugen, nicht von der bequemeren Sozialhilfe des Staates zu leben? Und wie organisieren wir ihre Freizeit? All dies führt zu allen möglichen surrealen Szenarien, die vielleicht unrealistisch, aber in gewisser Weise gerechtfertigt sind. Alles in allem stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, statt sich immer weiter in die künstliche Intelligenz zu wagen und dabei die Kontrolle darüber zu verlieren, zumindest ein gewisses Maß an lästiger, aber weniger gefährlicher menschlicher Dummheit zu bewahren oder sogar zu fördern.

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