Die „Covidioten“ respektive die (gleich grosse Herde) von weissen und schwarzen Schafen

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Eros N. Mellini

Editorial

Die Covid-19-Pandemie hat in den „Social Networks“ lawinenartig eine Diskussion ausgelöst, die rasch umgeschlagen ist in eine Polemik, mit welcher sich – oft mittels unanständiger Sprache und Terminologie – vorerst die Panikmacher und Ablehner und jetzt die Impfbefürworter und –gegner sich gegenseitig beschuldigen, die Fakten nicht anzuerkennen, auf manipulierte Falschmeldungen jeglicher Art hereinzufallen, internationale Komplotte zu unterstützen, respektive ohne jegliche Sachkenntnis die gegnerischen Thesen zu verneinen. Bei all diesem Wirrwarr steht nur eines fest: die fehlende Sachkenntnis der Teilnehmer an dieser Diskussion. Bei den theoretisch qualifizierten Teilnehmern (Ärzte, Virologen etc.) deshalb, weil die Studien über das Virus noch nicht soweit fortgeschritten sind, um ihnen die eine oder andere sichere Aussage zu erlauben. So kam es denn dazu, dass den verschiedenen Katastrophenszenarien (die meiner Meinung nach in recht unverantwortlicher Weise verbreitet wurden) andere Szenarien entgegen gesetzt wurden, die vorsichtiger und hinterfragender lautend sogar behaupteten, dass die Warnmeldungen nichts anderes als bewusste Falschmeldungen darstellten. Aber über noch weniger Sachkenntnis verfügen die Heerscharen von Internetsurfern, die – weit davon entfernt, auch nur über minimalste berufliche oder wissenschaftliche Qualifikationen zu verfügen – sklavisch den Worten jener Leute Glauben schenken, die sie als unfehlbar betrachten, und die danach meinen, diese übernommenen Theorien auch bei völlig uninteressierten Andersdenkenden durchsetzen zu müssen. Wahrscheinlich handelt es sich um ein – zumindest in unseren Breitengraden – in das menschliche Wesen implantiertes Syndrom; analog jenem, das jedermann zum Cheftrainer seiner Lieblingsmannschaft macht (vor allem wenn diese verliert), und dazu verleitet, über Spieler und Trainer herzufallen und zu behaupten, die richtige (natürlich nur die selbst empfohlene) Spielweise sei doch offensichtlich; und wie dumm man sein müsse, um dies nicht endlich zu verstehen.

Nach Covid-19 nun der Impfstoff

Glauben Sie denn, dass – nachdem man sich während der Pandemiemonate gegenseitig „allerhöflichst“ bekämpfte – dieselbe Diskussion nicht auch starten würde bei der Frage der Impfstoffe? Auch jetzt sind die Stimmen jener Leute selten, die – obschon völlig unnötigerweise, weil das keine Sau interessiert – einfach sagen: „ich lasse mich impfen“ oder „ich lasse mich nicht impfen“, und das ist’s. Nein, man lässt öffentlich verlauten: „Ich lasse mich ZUM WOHLE VON UNS ALLEN impfen“, um damit implizit jene, die sich nicht impfen lassen wollen, als Unverantwortliche hinzustellen. Um diese Leute zu verunglimpfen, wurde sogar ein neuer Neologismus kreiert: „Covidioten“. Und von der anderen Seite schlägt man zurück: „Der Impfstoff sei ungesund, man kenne dessen Inhaltsstoffe nicht, er habe wer weiss welche Nebeneffekte und vergolde die internationalen Unternehmen“. Diese letzte Behauptung spielt zwar überhaupt keine Rolle, aber es ist ja immer schick, den Kapitalismus anzuprangern. Es versteht sich von selbst, dass all jene Leute, die sich nicht impfen lassen, Dummköpfe seien, die sich von den Neinsagern sklavisch leiten lassen und eben „Covidioten“ seien. Alle sehen sich als einzige Inhaber der alleinseligmachenden Wahrheit, und alle anderen seien „schwarze Schafe“.

Zwei analoge Herden

Die schwarzen Schafe – eine metaphorisch durchaus negativ belegte Bezeichnung – seien jene, die sich vom Rest der ansonsten weissen Herde von Schafen abheben – was impliziert, dass es sich um Ausnahmen handelt. Es sei denn, dass sie in der Zwischenzeit zugenommen haben und zu einer eigenen gesonderten Herde geworden sind, mit eigenen Hirten und eigenen Schutzhunden. Paradoxerweise hat sich eine Gegenherde gebildet, die der anderen vorwirft, eine Herde zu sein, die ihren Hirten hirnlos folgt, ohne sich zu vergegenwärtigen, dass sie dasselbe tut. Es ist schlichtweg unmöglich zu beurteilen, wie viele der Schafe weiss oder schwarz sind, denn beide Herden sind etwa gleich gross.

Die neuen Torquemada

Soll man sich impfen lassen, oder nicht? Das ist ein persönliches Problem. Ich selber werde mich sobald wie möglich impfen lassen. Wenn ich dann immunisiert sein werde (ich würde mich nicht impfen lassen, wenn ich nicht an die Wirksamkeit des Impfstoffes glaubte) spielt es für mich keine Rolle, ob all jene, die sich nicht impfen lassen wollen, sich dann anstecken oder andere Leute anstecken, die sich ebenso nicht haben impfen lassen. Das ist dann ihr Problem.

Was störend wirkt ist, dass auf beiden Seiten immer öfters talibanistisch inspirierte Fanatiker als eine Art nostalgischer Nacheiferer von Tomas de Torquemada – dem Domenikaner, der in die Geschichte einging für die Intransigenz, mit welcher er mit der Heiligen Inquisition die „Ungläubigen“ verfolgte – auftreten, die ihr eigenes Credo mittels restriktiver Massnahmen und Sanktionen durchsetzen wollen (leider ist für sie die öffentliche Verbrennung von Ketzern heutzutage nicht mehr so à la mode).

Entsprechend analog scheint mir die Haltung der Linken zu sein, die ich einer Tabelle entnehme, die vor einiger Zeit auf Facebook zirkulierte, und die ich nachfolgend wiedergebe:

Die Unterschiede zwischen dem rechts- oder linksgerichtet zu sein

😁  Wenn ein Rechtsgerichteter nicht Jäger ist und ihm Waffen missfallen, geht er schlicht und einfach nicht zur Jagd und kauft keine Waffen.

😡  Der Linksgerichtete hingegen verlangt, dass die Jagd und der Verkauf von Waffen verboten werden.

😁  Wenn ein Rechtsgerichteter Vegetarier ist, isst er schlicht und einfach kein Fleisch.

😡 Der Linksgerichtete hingegen startet eine Kampagne gegen die Fleischprodukte und möchte erreichen, dass man das Essen von Fleisch völlig verbiete.

😁  Wenn ein Rechtsgerichteter Atheist ist, geht er schlicht und einfach nicht in die Kirche.

😡 Der Linksgerichtete hingegen verfolgt all jene die an Gott glauben, er stellt die Schulen an den Pranger, wo man Kruzifixe aufhängt, er protestiert gegen jegliche Symbole für religiöse Zugehörigkeit und verlangt, dass die Kirchengüter enteignet werden und dass man die Osterwoche und sämtliche Prozessionen und Pilgergänge verbieten müsse.

Wirklich schade, dass Forderungen der oben wiedergegebenen Art sich im vorliegenden Fall der Covid-19-Pandemie nicht auf die Linke beschränkten, denn sie entsprechen einer Haltung, die paradoxerweise beide Schafherden vereint, d.h. jene der Covidioten und jene der Anti-Covidioten.

Die Befürworter von „leben und leben lassen“ werden leider zu einer unbedeutenden Minderheit.

 

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