64% des Volkes seien für den Rahmenvertrag?

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Rolando Burkhard

Begründete Skepsis gegenüber manipulativen Meinungsumfragen

Mit ihren Resultaten von Meinungsumfragen liegen die Meinungsforschungsinstitute oft daneben. Leider sind Meinungsumfragen nicht mal reine Glückssache, denn es sind mitunter gezielt eingesetzte Instrumente, um die Meinungsbildung in Behörden und Volk im Hinblick auf kommende Entscheide und Abstimmungen gezielt auf erstrebte Ergebnisse hinzumanövrieren. Meinungsumfragen sind mitunter nichts anderes als billige Manipulationsversuche.

Ein jüngstes Beispiel

Soeben hat das Forschungsinstitut GfS-Bern seine jüngsten Ergebnisse zur Umfrage zur Akzeptanz des Volkes zum EU-Rahmenvertrag veröffentlicht (das GfS ist jenes Institut, das unter der ehemaligen Leitung des SPlers Claude Lonchchamp mit seinen Resultaten auch schon krass daneben lag). Danach ergebe sich derzeit ein deutliches Ja der Stimmbürger zum Rahmenvertrag von 64 %. Und so titelten die Medien denn auch bereitwillig z.B. «Neue Umfrage zeigt deutliches Ja der Stimmbürger zum Rahmenvertrag» oder ähnlich. Doch wie glaubwürdig ist dieses Umfragergebnis bei Lichte betrachtet? Meines Erachtens ist es dies in keiner Weise. Und ebenso wenig glaubwürdig ist die Medienberichterstattung. Hier die Gründe für meine Einwände:

Mein erster Vorwurf geht an die Medien

Die Medien publizieren die GfS-Resultate bereitwillig. Da sind stets möglichst plakativ undetaillierte Aussagen gefragt, die ihrer eigenen politischen Ausrichtung am besten entsprechen. Die Details erfährt man höchstens gelegentlich im Kleingedruckten. So auch bei den hinausposaunierten 64% Ja zum Rahmenvertrag. Denn in Tat und Wahrheit haben nur 15% bestimmt Ja gesagt. Der Wunsch nach Alternativen (EWR und/oder Freihandelsabkommen bei Kündigung der bestehenden Bilateralen) erhielt gar mehr Zuspruch als das Rahmenabkommen. Nichtsdestotrotz titelten die Medien, eine grosse Mehrheit des Volks wolle den Rahmenvertrag. Dies obschon heute niemand überhaupt weiss, was dort drin steht resp. drin stehen wird, denn die «Verhandlungen» würden ja angeblich noch fortgesetzt, mit absolut unvorhersehbarem Ausgang.

Meine Kritik an den Meinungsforschungsinstituten

Wie aber kommen die von den Instituten erforschten Meinungen denn überhaupt zustande? Das GfS führte seine Befragung zum Rahmenvertrag im Auftrage von Interpharma durch, d.h. bezahlt vom Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen, dessen grosses Interesse am Rahmenvertrag ja sonnenklar ist. Wer zahlt, befielt!

Die Auftraggeber, welche die Umfragen finanzieren, üben zumeist grossen Einfluss aus auf die Umfrage-Fragestellungen der Institute, im Hinblick auf von ihnen erhofften Resultate (keineswegs zu Unrecht spricht man ja oft skeptisch von «Gefälligkeitsumfragen»). Die Resultate lassen sich dann genüsslich und «umfragemässig untermauert» dazu verwenden, Druck auf die politischen Entscheidungsträger (Volk, Parlament, Bundesrat) auszuüben. So auch hier. René Buholzer, Direktor von Interpharma, meinte denn auch wörtlich (zitiert nach NZZaS): «Trotz den ständigen Angriffen aus der Politik und von verschiedenen Komitees haben wir seit zwei Jahren eine stabile Mehrheit für das Rahmenabkommen». Der Bundesrat müsse diesen Ball aufnehmen und die Verhandlungen mit Brüssel «im Interesse des Marktzugangs für die Exportbranchen (…) nun rasch und erfolgreich abschliessen».

Doch wie gelangen die Meinungsforschungsinstitute zu ihren (oft von ihren Auftraggebern erhofften) Umfrageergebnissen?

Mittels Suggestivfragen: Aus den bekanntgewordenen Resultaten der GfS-Umfrage lässt sich schliessen, dass in der Fragestellung ein bunter Mix von Fragen gestellt wurde, in dem es mal um unser gutes Verhältnis zu Europa, mal um unser grundsätzliches Interesse an den Bilateralen, um die «Rettung» unserer Exportwirtschaft und dann um den Rahmenvertrag ging (von dem niemand nicht die geringste Ahnung hat, was denn je drin stehen würde). Die Befragten dürften heillos überfordert gewesen sein. Und mit Suggestivfragen, etwa des Typs: «Sind Sie nicht auch dafür, dass wir ein gutes Verhältnis zu Europa aufrecht erhalten müssen und mit dem Rahmenvertrag mit der EU unsere wirtschaftliche Existenz und unsere Exportwirtschaft vor dem Untergang retten können?» (diese Frage ist erfunden und steht nur beispielhaft für den Typ evidenter Suggestivfragen) erzielt man natürlich die angestrebten Umfrageantworten.

Durch Auswahl der Befragten, des Fragemodus und Fragezeitpunkts:  Befragt wurden in der jüngsten GfS-Umfrage 2000 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Wer das bei Umfragen ist, das bestimmt das jeweils beauftragte Institut selber. Es bestimmt auch, wie die Befragung durchgeführt wird, zumeist telefonisch, denn das ist am billigsten. Und es bestimmt den Umfragezeitpunkt. Wenn nun zum Beispiel ein Institut die Umfrage um viertel vor zwölf mittags telefonisch durchführt, hat es hauptsächlich Hausfrauen am Draht, die gerade am Kochen sind und sich ärgern, dabei gestört zu werden. Da genügt es dann meist, ein paar kurze Suggestivfragen zu stellen, um von den gestörten Köchinnen möglichst sofort kurze erwartete Ja-Antworten zu erhalten, da die Befragten die ärgerlichen Befrager möglichst rasch loswerden wollen. Die Repräsentativität und Methodik der Umfragen sind nur allzu oft äusserst zweifelhaft.

Fazit

Mein Fazit ist kurz und einfach: Traue keiner Meinungsumfrage und schon gar nicht den Medienberichten über die Umfrageergebnisse. Dieses Misstrauen empfehle ich im Hinblick auf die jüngste GfS-Umfrage über den Rahmenvertrag dringend auch all jenen Behörden und Privaten, die heute oder morgen diesbezüglich Entscheide zu treffen haben werden.  

 

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