Vier Hühner…

Apr 16 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 12 Views • Commenti disabilitati su Vier Hühner…

Humoreske

Heute, 5.4.2021, hörte ich im Deutschschweizer Radio DRS1 eine Sendung über Hühner: Über Hühnerfarmen, Bio-Hühner, Eier etc. Da meldete sich eine Hörerin zu Wort, die vier Hühner besass. Und sie sagte, sie hätte ihren vier Hühnern einen Namen gegeben, sie nämlich nach Bundesrätinnen benannt.

Die schwarze Henne nennt sie «Leuthard». Die rote heisst «Sommaruga». Die braune trägt den Namen «Amherd» und die weisse ist «Keller-Sutter». Die gute Frau, sicher älteren Datums, ist völlig apolitisch, hingegen äusserst tierfreundlich. Jeden Morgen geht sie zu ihren Hühnern und fragt sie, ob sie gut geschlafen hätten, und bringt ihnen frisches Wasser.

Ich habe der Sendung sehr aufmerksam zugehört, denn auch ich besitze genau vier Hühner. Auf deren Benennung nach Bundesrätinnen habe ich verzichtet. Die Assoziation schien mir zu gewagt. Nicht etwa deshalb, weil ich befürchtete, die Hühner könnten sich dadurch beleidigt fühlen. Denn Hühner haben den IQ eines zweijährigen Kindes und denken kaum politisch.

Doch, genauer betrachtet – ganz so abwägig ist die Assoziation nicht. Auch Hühner denken «sozial-politisch» kontrovers, aber nur dann, wenn’s um die Futterverteilung geht. Und dann die Sache mit den Eiern: Hühner legen Eier. Das tun sie für sich selber, also agieren sie – volkstümlich ausgedrückt (sich selber ein Ei legen = sich blamieren, etwas Unüberlegtes tun) unüberlegt, weil die Eier ihnen jeden Tag weggenommen werden. So legen die Hühner denn tagtäglich jemand anderem ein Ei (volkstümlich ausgedrückt: jemanden dazu bringen, dass dieser in eine unangenehme/kritische Situation gerät).

So weit hat die Zuhörerin der Hühnersendung in DRS1 sicher nicht gedacht bei ihrer Hühner-Namensgebung. Ich tue es auch nicht. Würde ich es tun: Eines meiner Hühner ist alt, grau und etwas gerupft; ich hätte es wohl Widmer-Schlumpf genannt.

Diese Humoreske mag arg frauenfeindlich klingen. Doch so ist es nicht gedacht. Denn ich habe ja vier Hühner und nicht vier Hähne. Und ich frage meine gefiederten Damen auch jeden Tag, ob sie gut geschlafen hätten und bringe ihnen frisches Wasser. Hätte ich stattdessen vier Hähne, hätte ich zwar für deren Namensgebung absolut keine Probleme, doch käme es im Hühnerhof zu sinnlosen Hähnenkämpfen, und Eier gäbe es mutmasslich keine.

Doch vielleicht täusche ich mich wiederum: Denn legen uns die politischen Hähne im Bundesrat nicht auch gelegentlich das eine oder andere Ei?

 

Ronco

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