Klimajugend

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Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Das Wort «Klimajugend» ist eine Wortschöpfung neueren Datums. Junge Leute sind ernsthaft besorgt, dass der Klimawandel unsere Lebens-Grundlagen gefährde, dass es bereits Fünf-vor-Zwölf sei und dass sofort einige Veränderungen unseres Lebensstils anzupacken seien. Eigentlich ist das ein gutes Zeichen für ein positives Engagement junger Leute. Jugendbewegungen hat es in den vergangenen 100 Jahren mehrmals gegeben: Am Anfang des 20. Jahrhunderts kämpfte die Jugend gegen das städtische Leben mit seiner Industrialisierung und wandte sich einem Leben in freier Natur zu. Daraus entwickelten sich zahlreiche modische Strömungen: Die sog. «Wandervögel», die Lebensreformer (vegetarisch leben war schon damals ein Ziel von jungen Leuten), die Freunde der Freikörperkultur und viele andere. In den meisten Fällen handelte es sich um unpolitische Gruppierungen, die aber dann in einigen Ländern von den politischen Parteien (sowohl Nationalsozialismus als auch Kommunismus) vereinnahmt wurden. 1968 folgte die nächste Bewegung, die vor allem von jungen Leuten ausging, diesmal war sie aber ganz klar sozial geprägt und kam politisch aus der linken Ecke. Vor allem Studenten nahmen daran teil, sie wollten den Kapitalismus abschaffen: Marx, Che Guevara und Mao Tse-Tung waren die grossen Idole.

Und wo steht die heutige «Klimajugend»? Sie ist ebenso bekannt unter der Bezeichnung «Fridays for Future» oder Schulstreik für das Klima. Sie will eine Strafsteuer für fossile Brennstoffe oder noch lieber ein generelles Verbot, eine Wende hin zu erneuerbaren Energien und eine sogenannte Klimagerechtigkeit (was wohl nichts anderes heisst, als durch eine soziale Umverteilung die anfallenden riesigen Kosten für die nötigen Veränderungen zu finanzieren). So ganz unpolitisch ist offenbar die aktuelle Jugendbewegung nicht. In einem Punkt aber unterscheidet sie sich von früheren Jugendbewegungen: Während es noch 1968 darum ging, dass sich die Jugend von ungeliebten Zwängen befreite und sich entsprechend selbst verwirklichen konnte, liegt heute der Schwerpunkt ganz anderswo: Sie will sich nicht selbst verwirklichen, sondern verlangt, dass sich die heutige Wirtschaft verändert und dies ganz ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist das Vorrecht der Jugend, Forderungen zu stellen aber sich nicht darum kümmern zu müssen, wer eigentlich bezahlt oder wer bei den geforderten Veränderungen seine Stelle verliert. Interessant ist aber, dass die Klimafrage nicht mehr unter Wissenschaftlern diskutiert werden darf (in der Wissenschaft gibt es immer verschiedene Meinungen, die miteinander konfrontiert werden müssen). Sie ist heute zur Glaubensfrage geworden, Diskussion darüber ist verpönt – wer sie dennoch fordert, wird als Klimalügner abgestempelt. Ein deutlicher Beweis dafür ist, dass nun vielerorts der Klimanotstand ausgerufen wird: Notstand bedeutet bekanntlich die Ausschaltung demokratisch legitimierter Entscheidungen. Das sollte zu denken geben…

 

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