Kleines Interview mit Christoph Blocher

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Christoph Blocher

Am vergangenen 11. Oktober wurde Christoph Blocher 80 Jahre alt. Wir haben ihm zu diesem Anlass einige Fragen gestellt. Seine  Antworten dürften unsere Leser sicher interessieren.

I.P.: Herr Blocher, Sie sind am 11. Oktober 80 geworden, wir gratulieren Ihnen dazu im Nachhinein herzlich. Sie erlangten vorweg aufgrund Ihrer politischen Tätigkeit Bekanntheit, aber wer ist der Mensch Christoph Blocher? Können Sie uns kurz etwas über Ihren Werdegang und Ihre familiäre Situation sagen?

C.B.: Bitte sehen Sie auf meiner Homepage www.blocher.ch und Wikipedia.

I.P.: Was waren Ihre Anfänge und die wichtigsten Etappen, die Sie zu einem der erfolgreichsten Unternehmer unseres Landes gemacht haben?

C.B.: Ich bin als Werkstudent und Halbtagsangestellter bei der grössten Firma des Kantons Graubünden, den damaligen Emser Werken, heute Ems-Chemie, eingestiegen, um die Wirtschaft und die Wirtschaftszusammenhänge zu erlernen. Es war nie meine Absicht, dort zu bleiben. Aber da der Firmengründer alt und krank war, wurde ich schnell zum Generalsekretär und dann zum Direktionspräsidenten befördert. Doch die Firma war Produkte-mässig falsch aufgestellt und machte hohe Verluste. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm ich 1983 die Mehrheit der Firma, obwohl mir das Geld fehlte. Heute ist Ems eine führende Werkstofffabrik, und sie gehört heute meinen drei Töchtern als Hauptaktionärinnen, und die älteste Tochter, Frau Magdalena Martullo führt sie. Abgespalten wurde die Firma Ems Dottikon, heute ES Dottikon AG im Kanton Aargau, welche Werkstoffe für die Pharmaindustrie herstellt. Diese gehört heute mehrheitlich meinem Sohn. Beide Firmen: Ems-Chemie und ES Dottikon sind börsenquotiert.

I.P.:  Wie entstand Ihre Leidenschaft für die Politik? Und welches waren die Etappen Ihrer langen Karriere?

C.B.: In den 60er Jahren erlebte ich an der Universität den ausserordentlichen Linksdrall der Studenten. Ich entschloss mich, hier den gegenteiligen Weg einzuschlagen und die Wichtigkeit bürgerlicher Politik aufzuzeigen. Nach dem Studium kam ich zufällig in die Politik, weil ich gewisse Projekte als parteiloser und Nicht-Politiker erfolgreich durchzog. So kam ich denn zwangsläufig in den Gemeinderat 1974 – 1978, in den Kantonsrat 1975 – 1980 und schliesslich in den Nationalrat von 1979 bis 2003 und 2011 bis 2014. Dem Bundesrat gehörte von 2004 bis 2007 an.

I.P.: Welche betrachten Sie als Ihre grössten Erfolge?…

C.B.: Unternehmerisch war es die Übernahme der praktisch bankroten Ems-Gruppe und die Rettung derselben. Politisch dürfte es wohl die Verhinderung des EU-Beitrittes bis zum heutigen Tage sein.

I.P.: …und was als Ihre schmerzhaftesten Niederlagen?

C.B.: Niederlagen waren viele, doch geradezu schmerzhaft waren sie nicht.

I.P.: Die SVP hat unlängst den Tessiner Marco Chiesa zu ihrem Präsidenten erkürt, der eine alles andere als einfache Herausforderung angenommen hat. Als Tessiner spricht er kein „Schwizerdütsch“, er übernimmt die Leitung einer Partei, welche die Medien und unsere Gegner im Niedergang sehen, wobei sie aufgrund der Wahlresultate – auch wenn sie Stimmen einbüsste – einen prozentual höheren Stimmenanteil erzielte als es die Wählerbasis der SVP darstellt. Was würden Sie aufgrund Ihrer langen Erfahrung unserem Marco Chiesa und der Partei raten?

C.B.: Ich freue mich, dass mit Marco Chiesa ein standfester Politiker aus dem Tessin als Präsident gewählt worden ist. Marco Chiesa war bis 2019 Nationalrat und heute ist er Ständerat des Kantons Tessin. Als Parteipräsident ist seine persönliche Karriere nicht wesentlich. Er muss die Partei voranbringen mit dem Gedankengut, welches die Schweiz vor Irrwegen bewahrt. Ob man ihn viel hört oder nicht, ist nicht wichtig, sondern was die Partei unter seinem Präsidium tut. Das ist Aufgabe eines Parteipräsidenten.

I.P.: Wie schätzen Sie die gegenwärtige wirtschaftspolitische Lage der Schweiz ein, insbesondere im Vergleich zu jener, die Sie vor einigen Jahrzehnten erlebten?

C.B.: Die wirtschaftliche Situation der Schweiz hat sich verschlechtert. Einerseits geht es weltweit wirtschaftlich schlechter, was grosse Anpassungen notwendig macht. Zudem haben sich die Rahmenbedingungen verschlechtert. Immer mehr staatlicher Einfluss, immer mehr Interventionen und Auflagen – nicht zuletzt dank eines faktischen Berufsparlamentes. Ebenso trägt die überbordende Zuwanderung zur Verschlechterung bei.

I.P.: Welchen Herausforderungen erwarten uns, und was sind unsere Aussichten?

C.B.: Der Drang von Politikern und Managern der gleichmacherische EU beizutreten, ist der Wirtschaft hinderlich. Eine Wirtschaft, die in der Schweiz auf Besonderheit, auf besondere Qualität, und bessere Rahmenbedingungen setzt, als sie die EU hat, ist nicht auf die EU angewiesen.

I.P.: Können Sie unseren Jungen, welche in die Politik einsteigen wollen, einen Rat erteilen? Was denken Sie über den jüngsten Beschluss des Nationalrats, den 16jährigen das Stimmrecht (aber nicht das passive Wahlrecht) zu gewähren?

C.B.: Ich kann nur allen Jungen empfehlen, politisch an dem Ort tätig zu sein, an dem sie leben, und wenn sie das gut machen, werden sie die entsprechenden Aufträge und Positionen erhalten. Das Stimmrecht für 16-Jährige ist nicht vordringlich. Und wenn schon, dann müsste es an die Steuerpflicht gebunden sein. Man kann nicht keine Steuern bezahlen, weil man zu jung ist, und dann aber die Geschicke bestimmen wollen.

I.P.: Die Medien haben wortreich Ihren Rückzug aus der Politik angekündigt, was dann von Ihnen teilweise abgestritten oder relativiert wurde. Unsere Leser würde es sehr interessieren, was Christoph Blocher nun zu tun gedenkt.

C.B.: Ich werde weiterhin politisch tätig sein, aber ich habe mich aus der parteipolitischen Arbeit zurückgezogen. Ich bin nicht mehr in den führenden Gremien der SVP Schweiz tätig. Aber auf der Stufe des Souveräns, d.h. des Schweizer Volkes als gewöhnlicher Bürger aktiv. Im Vordergrund steht jetzt die Verhinderung des Irrweges des institutionellen Abkommen mit der EU.

I.P.: Wir danken Ihnen für Ihre zuvorkommende Bereitschaft herzlich und wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft.

 

Biographie

***) Wir publizieren als Ergänzung zum Interview mit Christoph Blocher seine Biographie gemäss seiner Homepage www.blocher.ch:

Dr. Christoph Blocher, geboren am 11. Oktober 1940 in Schaffhausen, verheiratet, drei Töchter, ein Sohn, 12 Enkel.

Nach dem Besuch der Volksschule machte Christoph Blocher die landwirtschaftliche Lehre. Er holte anschliessend die Matura nach und promovierte als Werkstudent an der Universität Zürich, mit Studienaufenthalten in Paris und Montpellier, zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Politik

Als Werkstudent:

– Gründungsmitglied des Studentenrings an der Universität Zürich

– Präsident der juristischen Fachschaft

– Mitglied des Grossen Studentenrates

Nach den Studien:

– Mitglied des Gemeinderates Meilen, 1974 – 1978

– Mitglied des Nationalrates, 1979 – 2003

– Präsident der SVP des Kantons Zürich, 1977 – 2003

– Mitglied des Zürcher Kantonsrates, 1975 – 1980

– Präsident der AUNS (Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz), 1986 – 2003

– Wahl in den Bundesrat, 10.12.2003

– Vorsteher Eidg. Justiz- und Polizeidepartement, EJPD, 2004 – 2007

– Abwahl aus dem Bundesrat 12.12.2007

– Vizepräsident SVP Schweiz seit 01.03.2008 – 24.03.2018

– Mitglied des Nationalrates 2011 – 2014

– Präsident des schweizerischen Komitees «NEIN zum schleichenden EU-Beitritt» 2014 – 2018

– Vizepräsident des schweizerischen Komitees «NEIN zum schleichenden EU-Beitritt» ab 17.01.2019

Wirtschaft

EMS-CHEMIE HOLDING AG

– Eintritt in die Rechtsabteilung der EMS-CHEMIE AG (ehemals Emser Werke AG) 1969

– Direktionsvorsitzender und Delegierter des Verwaltungsrates der EMS-CHEMIE AG, Domat/Ems und Mitglied verschiedener Verwaltungsräte der Emser-Gruppe ab 1972

– Übernahme der Aktienmehrheit der EMS-CHEMIE HOLDING AG 1983

– Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates der EMS-CHEMIE HOLDING AG. Verwaltungsratsmandate in Gesellschaften der EMS-Gruppe ab 1984 – 2003

VERWALTUNGSRAT

– Verwaltungsratsmitglied verschiedener Schweizer Industrieunternehmen

ROBINVEST SA

– Seit 2008 Präsident und Eigentümer

Verleger diverser Gratis-Zeitungen ab 2017.

Militär

Oberst a.D., zuletzt bekleidetes Kommando: Kdt des Ls Rgt. 41

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