Internet: Segen oder Fluch des XXI. Jahrhunderts?

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Eros N. Mellini

Editorial

Das Internet hat allen Menschen Zugang zu Wissenschaft, Kommunikation, Politik und allen Arten von Informationen verschafft, die sie für notwendig erachten. Ist das gut oder schlecht? Wie jede neue Errungenschaft der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung hat auch das Internet viele Vor- und Nachteile. Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, eine einzige «Kosten-Nutzen-Bilanz» seiner Verbreitung in der Bevölkerung zu erstellen. Dies hängt nämlich von zu vielen Faktoren ab: Wer hat Zugang und zu was, in welchen Bereichen des menschlichen Wissens, zu welchen Zwecken wird es genutzt, welchen Einfluss hat es auf Einzelpersonen oder die Massen und so weiter.

Es macht unser Leben bequemer

Ungeachtet der Fortschritte in Wissenschaft, Innovation, Forschung und Technologie – von denen wir alle in Form von Endprodukten profitieren, die aber letztlich vor allem eine Minderheit von «Insidern» betreffen – steht außer Frage, dass die Bereitstellung des Internets für die breite Öffentlichkeit unser Leben komfortabler macht, wie es Erfindungen in der Geschichte schon immer getan haben. Die Eisenbahn, das Auto, das Flugzeug, der Kühlschrank, das Telefon und all die unzähligen Erfindungen, die die Wissenschaft entdeckt, erfunden und auf den Markt gebracht hat, haben auf ihre Weise epochale Wendepunkte in unserem täglichen Leben markiert. Heute könnten wir uns Fahrzeuge oder Haushaltsgeräte, von denen unsere Großeltern und Urgroßeltern nicht einmal zu träumen wagten, weil sie noch nicht erfunden oder für sie unerschwinglich waren, nicht mehr wegdenken.

Wie kann man den Nutzen von E-Mails leugnen, mit denen man Nachrichten in Echtzeit versenden und empfangen kann, ohne sich mit Papier, Stift und Briefmarken herumschlagen zu müssen, um sich dann zu beschweren, dass die Post ihre Filialen schließt? Oder den Zugang zum Internet und seinen unendlichen Ressourcen über PC, iPad oder Handy? Für jeden Bedarf gibt es eine «App», sei es für Bankzahlungen, für die Bestellung von Waren aus aller Welt, für die Überprüfung der Dosierung eines Medikaments oder für das Spielen im Casino. Aber auch, um Lücken in der persönlichen Bildung zu schließen, durch das Nachschlagen in Enzyklopädien und verschiedenen Texten, indem man einfach ein Wort in eine Suchmaschine eingibt. Oder um ein paar Fotos zu schießen oder ein Ereignis zu filmen, um es dann in den «sozialen Netzwerken» zu veröffentlichen, wo es anderen Nutzern zur Verfügung steht, die sich übrigens oft und gerne für den klassischen Mist interessieren. Und tausend andere mehr oder weniger nützliche Verwendungszwecke.

Die Nachteile? Leider viele

An erster Stelle steht – aber alles in allem ist dies noch das geringste Übel – eine Art weit verbreitete geistige Trägheit. Man hat nicht mehr das Bedürfnis, etwas zu wissen oder zu lernen, denn im Bedarfsfall reicht es, ein paar Minuten im Internet zu surfen. Wikipedia liefert dir detaillierte Informationen, die du ebenso schnell wieder vergisst, sobald du sie nicht mehr brauchst. Ein bisschen so, wie Taschenrechner das Kopfrechnen verdrängt haben.

Die «sozialen Netzwerke» sind dann degeneriert. Einerseits haben sie noch das Positive, dass man Freunde und Bekannte wiederfinden kann, die man aus den Augen verloren hat, und sie sind eine unerschöpfliche Quelle für Witze und humorvolle Sprüche.  Andererseits sind sie zu einer Sammelstelle für alle menschlichen Frustrationen geworden, deren Äußerung früher auf vier Betrunkene am Stammtisch in der Kneipe beschränkt war, die aber mit dem Internet nun von Millionen von Menschen geteilt werden, ohne dass die Trunkenheit als mildernder Umstand gilt. Jeder fühlt sich verpflichtet, «News» und «Fake News» zu kommentieren, ohne jegliches Urteilsvermögen, oft zu Unrecht davon überzeugt, interessante oder sogar wichtige Dinge zu sagen und die Probleme der Welt von seiner Tastatur aus zu lösen. Es gibt natürlich einige Ausnahmen – die Kategorie der intelligenten und vernünftigen Menschen ist glücklicherweise noch nicht ganz ausgestorben –, aber sie gehen im allgemeinen Chaos derer unter, die man politisch korrekt als «anders intelligent» bezeichnen würde.

Leichte Beute für die Mainstream-Propaganda

Leider haben Politik und Medien das Potenzial dieses neuen Kommunikationsmittels in Bezug auf seinen Einfluss auf die Massen erkannt und lenken geschickt die Meinungen mit (wenigen) «News» und (vielen) «Fake News». Ein solcher Nutzerpool bietet sowohl für politische als auch für kommerzielle Zwecke ein sehr attraktives Zielpublikum. Ein Publikum, das oft keine Unterscheidungskraft hat, aber gierig nach apokalyptischen und terroristischen (Pseudo-)Nachrichten ist, die ihm das Gefühl geben, dass seine Meinung wichtig ist – in Wirklichkeit ist es nicht seine eigene Meinung, sondern eine, die ihm durch diese gezielte Propaganda subtil eingeimpft wurde –, das gerne glaubt und das «Wort» predigen in Bezug auf den Klimawandel, die vom Menschen verursachter Luftverschmutzung, von fanatischer Ökologie, aber auch von internationaler Politik oder den Kriegen in der Ukraine oder im Gazastreifen.

Ist das Internet ein Segen oder ein Fluch des XXI. Jahrhunderts? Das schwere Urteil bleibt Ihnen überlassen.

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