Frauenstimmrecht „light“?

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Humoreske

 

Das JA von Volk und Ständen zur Masseneinwanderungsinitiative, nunmehr als Artikel 121a in unserer Bundesverfassung festgeschrieben, soll nur „light“ umgesetzt werden. Da drängt sich ein Vergleich auf: Was wäre denn nach 1971 geschehen, wenn das damals ebenso von Volk und Ständen beschlossene Frauenstimmrecht nur „light“ hätte eingeführt werden sollen ?

 

Zur Erinnerung: Am 7.2.1971 wurde in der Schweiz durch eine eidgenössische Abstimmung das Frauenstimmrecht auf Bundesebene eingeführt. Dies, nachdem es in früheren Jahren vehement bekämpft worden war: So scheiterte es am 1.2.1959 klar am Volks- und Ständemehr.

 

Anders gefragt: Was wäre geschehen, wenn damals die Diskussionen in Bundesrat und Parlament, und die darauf folgende Entscheidfindung wie folgt verlaufen wären:

 

Die Rechte: Das Frauenstimmrecht ist klar beschlossen worden. Der Volkswille muss buchstabengetreu umgesetzt werden, und zwar subito.

 

Die Linke: Moment mal, Volk und Stände haben vor ein paar Jahren dazu klar nein gesagt, denn das Wahlrecht ist ja seit 1848 an die aktive Wehrpflicht gekoppelt. Dem gilt es Rechnung zu tragen. Zudem sind viele Kantone gegen das kantonale Frauenstimmrecht, denn in den Landsgemeindeorten sind die Platzverhältnisse bereits jetzt sehr eng. Wenn dort auch noch die Frauen aufkreuzen würden…

 

Die „Mitte“ (Teil 1): Wir müssen aufgrund des Volksentscheids nolens volens das Frauenstimmrecht wohl oder übel einführen. Zumindest pro forma. Wir könnten die Umsetzung aber „light“ gestalten. Uns schwebt vor, den Frauen das Stimmrecht zwar zuzugestehen, aber nur den über 100jährigen. So bliebe der Schein gewahrt.

 

Die „Mitte“ (Teil 2): Oioioi, das könnte schief gehen beim Volk. Wir schlagen einen Kompromiss „light+“ vor: Frauenstimmrecht ja, aber nicht erst ab 100, sondern bereits ab 95.

 

Bundesberns Politiker einigen sich mehrheitlich auf diesen Kompromissvorschlag, der aber doch einigen zu Zweifeln gibt, ob diese Lösung demokratisch gut gehen kann. Es wird weiter hin- und herdiskutiert.

 

Die Linke: Wäre es letzten Endes nicht viel besser, den Volksentscheid von 1971 durch einen neuerlichen Volksentscheid in schon nur in ein paar Monaten rückgängig zu machen zu versuchen ? Es gibt doch dazu eine „Rafa“-Initiative (Raus aus dem Frauenstimmrecht).

 

Die Mitte (Teil 1 und 2): Und Ihr von der Rechten könnt ja das Referendum ergreifen gegen unsere hervorragende 95er-Lösung für die Umsetzung des Megaproblems mit dem Frauenstimmrecht.

 

Die Rechte: Ja klar, das wäre überhaupt kein Problem, das kriegen wir locker hin, aber was würde es nützen ? Dann wären wir wieder am status quo angelangt: Überhaupt keine Umsetzung des Volksbeschlusses, also kein Frauenstimmrecht.

 

Ich wollte es eigentlich den Lesern überlassen, zu erraten, was nach 1971 mit einer „light+“-Lösung punkto Frauenstimmrecht geschehen wäre. Aber ich fand das zu brutal, und so löse ich das Rätsel selber auf: Die Diskussionen zogen sich in den Folgejahren ergebnislos dahin. Derzeit ist in den eidgenössischen Räten ein Vorschlag der Grünen in Diskussion, das Problem mit dem Frauenstimmrecht nicht zu beerdigen, sondern zwecks Herstellung von CO2-freiem Biogas zu kompostieren.

 

Ronco   

 

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