Bitte, macht weiter so!
Aus der Weltwoche vom 15.07.2026, ein interessanter Artikel von David Biner
Unschweizerische Klima-Aktivisten schaden den Grünen und helfen neuen Kernkraftwerken.
Bundesrat Martin Pfister haben sie erwischt, auch UBS-Chef Sergio Ermotti, die Unternehmer Urs Wietlisbach, Peter Spuhler, Fredy Gantner, NZZ-Chefredaktor Eric Gujer. Zuletzt war Bundesrat Albert Rösti dran, schon zum zweiten Mal. Diese Männer mittleren Alters, allesamt erfolgreich, lupenreine Kapitalisten, wurden Opfer eines öko-kommunistischen Kollektivs. Sie wurden bei mehr oder weniger öffentlichen Veranstaltungen bedrängt, am Reden gehindert, niedergeschrien, blossgestellt.
Die Klimakriminellen wollen mit ihren Aktionen «einen gerechten Übergang in eine postfossile Gesellschaft» erreichen. «Solange ihr wieder kommt, kommen auch wir wieder», drohen sie ihren nächsten Opfern. Nötigung, Zensur, dem politischen Gegner das Wort verbieten – das Kollektiv bewegt sich auf Stufe eins der politischen Gewalt. Und man möchte meinen, dass man es hier mit Kleinkriminellen zu tun hat, grüne Möchtegern-Meinhofs. Aber eigentlich muss man diese Klimakämpfer loben und motivieren: Bitte, macht weiter so! – mindestens bis zu den Wahlen 2027.
Deutscher fordert mehr Ungehorsam
Denn eigentlich sind die Klimachaoten die heimlichen Brecher der grünen Welle. Mit ihren Klebeaktionen haben sie es geschafft, rot-grüne Wechselwähler, Neuwähler und Unentschlossene zu vergraulen. Die Grünen tauchten bei den nationalen Wahlen 2023 ab, verloren im Vergleich zu 2019 knapp 3,5 Prozent ihres Wähleranteils, dazu mit der abgewählten Lisa Mazzone eine talentierte Politikerin und ein profiliertes Aushängeschild im Ständerat. Die krachende Wahlniederlage und damit auch die verpufften Bundesratsambitionen hatten unter anderem auch damit zu tun, dass sich die Grünen nie wirklich und in aller Entschlossenheit von den Klimaklebern und ihren Aktionen distanziert haben.
Im Schweizer Politsystem, wo jeder eine Initiative oder ein Referendum ergreifen und wo jeder Stimmbürger sich jedes Jahr zu rund einem Dutzend Sachfragen äussern kann, hat es keinen Platz für diese Formen des Protests. Wenn man der Meinung ist, dass die Welt wegen Ermotti, Gujer und Rösti untergeht, soll man darüber abstimmen lassen, ob das die anderen auch so sehen. Der zivile Ungehorsam als narzisstische Ausdrucksform einzelner armer Seelen – man erinnert sich an den verurteilten Klimaaktivisten und Langstreckenflieger Max Voegtli – ist nicht vorgesehen in der Schweizer Politkultur.
Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass mit Peter Tillessen ein Deutscher bei der Chaotentruppe mitmischt. Seine Aufgabe ist es, Bildmaterial herzustellen, das später auf den sozialen Medien ausgespielt werden kann. Tillessen lebt seit gut dreissig Jahren in der Schweiz. Vor fünfzehn Jahren sei er eingebürgert worden, sagt er am Telefon. Ein voreiliger Entscheid, wie sich nun zeigt. Denn mit der Integration hat es ganz offensichtlich nicht gut geklappt. Tillessen hält nichts von der direkten Demokratie der Schweiz, dem politischen System, das weltweit einmalig ist. Volksinitiativen reichten nicht aus, um eine Gesellschaft zu verändern, sagt er. Es brauche deshalb mehr zivilen Ungehorsam.
Schweizweit 23 grüne Sitze weg
Zurzeit sieht alles danach aus, dass Tillessen und seine Freunde die Grünen weiter in den politischen Abgrund treiben. Bei sechzehn kantonalen Wahlen seit 2023 haben die Grünen 23 Sitze abgeben müssen, rechnet die NZZ am Sonntag vor. Das seien mehr als alle anderen Parteien. Basierend auf diesem Negativtrend soll eine Projektion des Forschungsinstituts GfS darauf hindeuten, dass die Grünen auch die nationalen Wahlen im kommenden Jahr verlieren werden. Dabei scheint man Wähler an die SP, die Seniorpartnerin im linken Lager, zu verlieren. Ein Teil der bisherigen Grünen-Wähler soll erst gar nicht mehr wählen gehen.
Doch nicht nur bei Wahlen, sondern auch bei Abstimmungen kommt der pubertäre Alarmismus der Ökoaktivisten schlecht an. Auf Abstimmungen scheinen die Aktionen keinen guten Einfluss zu haben. Die Klimafonds-Initiative, die ebenfalls eine fossilfreie Gesellschaft anstrebte, wurde diesen März mit 70 Prozent abgelehnt. Man darf gespannt sein, wie sich Klimakämpfer beim Abstimmungskampf um das Neubauverbot von Kernkraftwerken verhalten werden. Mit dem Bau neuer Kernkraftwerke könnte man künftig CO2-arme Energie produzieren und müsste nicht auf Öl und Gas zurückgreifen. Was klar ist: Je mehr die Klimaaktivisten mit ihren unschweizerischen Aktionen neue Kernkraftwerke bekämpfen, desto höher sind die Chancen an der Urne, das Neubauverbot endlich aufzuheben.
« Per favore, continuate così! Il Consiglio federale manipola le cifre dell’immigrazione »


