Wohntrainings für Asylanten. Kostspielige Sozialindustrie: Teil 2

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Aus dem «Nebelspalter» vom 27.12.2021, der zweite Teil des Berichts von Nicole Ruggle über die «Sozialindustrie»

Nicole Ruggle

Die Sozialhilfe- und Asylintegrationsindustrie schafft immer absurdere Angebote. Ein Zweig der boomenden Sozialbranche ist die «Wohnraumsicherung», «Hinführung zur Wohnfähigkeit nach Schweizer Standards» oder einfach «intensives Wohntraining».

Eine Familie aus Eritrea posiert für ein Foto, im Transitzentrum für Asylsuchende “Landhaus”, am Freitag, 1. April 2016, in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

«Wohntrainings» sind eine lukrative Einnahmequelle für private Anbieter aus der Sozialindustrie. Hier zeigt sich ein weiteres Mal: Die Sozialindustrie ist ein Nimmersatt, der von den sozialen Defiziten und der fehlenden Integration insbesondere von ausländischen Sozialhilfebezügern profitiert.

Wohnbegleitung – eine teure Angelegenheit

Personen aus fernen Kulturen stellen die Verantwortlichen vor neue Herausforderungen, da sie in der Regel noch nie in einem Mietverhältnis nach westlichen Standards gestanden sind.

So zum Beispiel eine eritreische Familie, die Zuwachs bekommen hat: Sie sind nun zu fünft. Deswegen ist die von der Sozialhilfe bezahlte Wohnung zu klein. Die Familie sucht eine neue Bleibe, wird aber nicht fündig, da sie zum einen mit den hiesigen Gepflogenheiten nicht vertraut sind, zum anderen Personen aus dem Asylbereich für viele Vermieter nicht unbedingt Wunschmieter darstellen (nicht zuletzt wegen negativen Erfahrungen). So beauftragt die Gemeinde eine Stiftung mit der Wohnungssuche für die eritreische Familie. Diese bekommt 4500 Franken Vermittlungsprovision dafür ausbezahlt.

Denn was gewöhnlich der normale Bürger selbst tun muss – nämlich bei Bedarf eine Wohnung für sich und seine Familie suchen – übernimmt in solchen Fällen der Staat, der wiederum Firmen oder Stiftungen beauftragt.

Weiter gibt es Eltern, die ausserstande sind, in einer gewöhnlichen Wohnung zu leben. Fehlende «Wohnkompetenzen» nennen die Sozialarbeiter das Problem: Verwahrlosung, Nichteinhalten der Hausordnung, Überforderung, die Waschküche korrekt zu benutzen, chaotische Abfallentsorgung, Unfähigkeit, die Wohnung sauber zu halten, Geruch- und Lärmemissionen oder gar Feuer machen in der Wohnung oder im Treppenhaus. Pro Stunde kassiert die erwähnte Stiftung 125 Franken dafür, dass sie diese Defizite durch intensive Betreuung behebt.

Befinden sich im Haushalt bloss Erwachsene, kann der Gemeinde ein drohender Wohnungsverlust wegen solcher fehlenden «Wohnkompetenzen» egal sein. Sind jedoch Kinder vorhanden, so droht bald einmal die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) mit noch teureren Massnahmen – insbesondere, falls die Wohnung tatsächlich verloren geht. Also sehen sich die Gemeinden gezwungen, spezialisierte Sozialarbeiter bei spezialisierten Firmen zu beauftragen.

«Wohnunfähigen» Eltern soll korrektes, zivilisierten Wohnen gelehrt werden, um die drohende Kündigung mit folgender Obdachlosigkeit und die drohenden teuren Kinderheimkosten abzuwenden.

Sogar für sogenannte Messies gibt es eine GmbH, die sich mit spezifischen Therapien um deren Sammelwahn kümmert und mittels akribischer Kleinarbeit versucht, die Klienten von ihren gesammelten Objekten zu trennen. Denn diese hängen an ihren Abfallbergen. Es braucht viel Zeit und Geduld, eine solche Wohnung zu entrümpeln. Ist dies geschafft, wird sie oft von Neuem gefüllt – und die Entrümpelungsfirma hat wieder einen neuen Auftrag im Sack.

Richtig lüften lernen

Neben der Wohnraumvermittlung sind bei spezialisierten Firmen auch Angebote im Bereich «Wohnraumsicherung/Wohnintegration» buchbar. Die Wohnraumsicherung habe zum Ziel, die Klientinnen und Klienten zu befähigen, ihren Mietpflichten nachzukommen und ihr Mieterrechte wahrzunehmen: Das ist der Homepage der erwähnten Wohntrainings-Stiftung zu entnehmen.

Ein Factsheet der Stiftung listet die Inhalte der angebotenen Leistungen auf. Zum Angebot «Wohnraumsicherung Basic» gehört eine Schulung zum Einhalten der Hausordnung, eine Anleitung dazu, wie man regelmässig lüftet oder die Wohnung richtig reinigt, sowie eine Anweisung im richtigen Umgang mit Geräten und Wohninfrastruktur. Auch ein Unterricht in «Verminderung und Verhinderung von Lärm- und Geruchsemissionen» und der «Umgang mit Hauswartung und Nachbarschaft» sind inbegriffen.

Grundlagen zu Mieterpflichten- und rechten werden den Klienten ebenfalls gelehrt, denn nicht jeder in der Schweiz weiss, dass man den Mietzins pünktlich bezahlen muss oder den Kühlschrank nicht demolieren darf. Abhilfe schaffte eine «sozialpädagogisch» ausgerichtete Begleitung.

Angebote der Stiftung für die Wohnraumsicherung- und Integration (à 125 Franken pro Stunde)

  • Punktuelle Aufträge: Bei minimal eingeschränkter Wohnfähigkeit und fehlenden Kenntnissen. Maximal 5 Stunden pro Jahr.
  • Basic: Bei leicht eingeschränkter Wohnfähigkeit und fehlenden Kenntnissen. Maximal 10 Stunden pro Jahr.
  • Medium: Bei stark eingeschränkter Wohnfähigkeit und drohendem Wohnungsverlust. Maximal 20 Stunden pro Jahr.
  • Intensiv: Bei hoher Gefährdung des Mietverhältnisses und/oder Kündigungsandrohung. Maximal 50 Stunden pro Jahr.

Ein weiterer Fall: Eine andere eritreische Familie ist auf Hilfe angewiesen. Seit fast 10 Jahren ist sie von der Sozialhilfe abhängig. Über 600 Franken werden der erwähnten Stiftung für eine «Wohnraumbegleitung» aufgrund «eingeschränkter Wohnfähigkeit bzw. fehlenden Wohnkompetenzen» bezahlt, um sich um punktuelle Probleme, die sich aus dem Mietverhältnis ergeben, zu kümmern.

Bereits zu Vertragsbeginn (Mietvertrag) hat die Stiftung eine Solidarhaftung übernommen. Diese ist im betreffendem Haushalt aber ohnehin kein Risiko, denn die Familie ist auf Sozialhilfe angewiesen. Es zahlt also der Staat. Das Betreuen der Mieter durch die Stiftung ist demgemäss ein Folgeauftrag, nachdem die Stiftung bereits erfolgreich die Wohnung vermittelt hat. Denn eine allfällige Wohnungskündigung würde die Gemeinde, da Kinder im Spiel sind, viel teurer kommen.

Die Stiftung schreibt auf ihrer Homepage, sie würde die Mieterinnen und Mieter sorgfältig in das Wohnumfeld einführen und bleibe während der ganzen Zeit Ansprechpartnerin für die Vermieter. Die Mitarbeiterinnen würden «ausgewiesene Fachkompetenzen» in «Sozialer Arbeit, mietrechtlichen Fragen, Konfliktmanagement, interkultureller Kommunikation und weiteren Fachgebieten» ausweisen.

Bei allen Fragen und Herausforderungen rund ums Wohnen berate das Team Wohnraumsicherung und unterstütze mit sorgfältig geplanten Interventionen wirkungsvoll, so der Verein. Ob und wie wirkungsvoll solche Massnahmen tatsächlich sind, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Berappen muss es ohnehin der Steuerzahler: Je grösser die Defizite bei der Wohnkompetenz, desto lauter klingelt die Kasse der Sozialindustrie.

 

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe den dritten und letzten Teil unserer Recherche zum Thema «Familienbegleitungen».

 

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