Werden unsere Kirchen zu SPS-Sektionen?

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Patanegra

Schweinereien

Unsere christlich verankerten Kirchen stecken in einer tiefen Krise (das gilt vorweg für die beiden wichtigsten, die römisch-katholische und die reformierte, aber auch für die anderen). Die Gläubigen treten massenweise aus den Kirchen aus, und dies bei weitem nicht nur wegen den Kirchensteuern. Die Anzahl der Kirchenbesucher sind jeweils an einer Hand abzuzählen, und dies bei weitem nicht erst seit den strengen Coronavirus-Restriktionen. Diesem fortlaufenden dramatischen Kirchenexit müssen tiefere Beweggründe zugrunde liegen. Doch welche?

Die in den letzten Jahren lautstark erhobenen Pädophilievorwürfe an das Kirchenpersonal wegen einzelner Missgriffe in weit zurück liegenden Jahrzehnten mögen das ihre dazu beigetragen haben. Doch ich glaube nicht, dass dies ein ausschlaggebender Faktor gewesen ist. Die Gründe liegen viel tiefer. Unsere christlichen Kirchen haben sich mit ihrem moralisch-elitären Selbstverständnis von ihrer einstigen Gläubigenbasis abgehoben und verkünden zunehmend abgehobene politisch einseitige Botschaften, statt sich auf ihren religiösen Grundauftrag zu besinnen. Und das kommt, wie es sich erweist, bei einem Grossteil der Gläubigen nicht gut an.

So wirkte es denn sehr befremdend, dass beispielsweise die römisch-katholische Kirche mittels eines ihrer hohen „Beamten“ von der Kanzel verkündete, „ein guter Christ könne nicht SVP wählen“ (Bischof Peter Henrici). Oder dass beide unserer Landeskirchen, die protestantische in primis, unlängst in einer beispiellosen Propagandakampagne dezidiert und mit viel Geld (Geld von wem?) für ein Ja zur Konzernverantwortungsinitiative eintraten.

Der bekannte Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln, Heinz Theisen, hat jüngst in einem Artikel in der NZZ die Problematik auf den Punkt gebracht: „Selbst die Kirchen rücken vom Realismus der christlichen Soziallehre ab. Die Orientierung am Gemeinwohl, an Familie, Gesellschaft und Nation wird vernachlässigt, stattdessen dominiert die Gesinnungs- und Wohlfühlethik des Globalismus und der Mikroidentitäten von Minderheiten“.

Ich selber bin gläubiger Katholik, doch in die Kirche ging ich nur noch selten. Wenn, dann war es vielleicht einst zur weihnächtlichen Mitternachtsmesse. Doch auch damit habe ich aufgehört, nachdem zweimal hintereinander von der Kanzel nicht die frohe Botschaft verkündet wurde, sondern man sich nur bitterste Vorwürfe anhören musste, wonach wir in der Schweiz die Flüchtlinge ach so schlecht behandelten. Komisch nur, dass – wenn man denn von der Kanzel herab schon politisch sein will – man über die Verfolgung von Christen in islamischen Ländern grosszügig hinwegsieht und sich diesbezüglich auf ein mühsam formuliertes schlichtes Bedauern beschränkt.

Auch ich habe mich deshalb unlängst von der Kirche verabschiedet. Und ich habe dem Generalvikariat des römisch-katholischen Bistums Basel angeraten, sich – statt weiterhin als Kirche aufzutreten – als zusätzliche Sektion der Sozialistischen Partei der Schweiz (SPS) anzumelden. Eine Antwort habe ich bisher nicht bekommen.

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