Warum nur die russischen Oligarchen?

Mag 13 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 87 Views • Commenti disabilitati su Warum nur die russischen Oligarchen?

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Derzeit sind wirtschaftliche Strafmassnahmen gegen so genannte russische Oligarchen, denen eine Putinnähe nachgesagt oder schon nur vermutet wird, absolut „à la mode“, ja auch hierzulande geradezu moralische Pflicht. Klar, diese reichen Leute erscheinen nicht sonderlich sympathisch. Aber bei Lichte betrachtet handelt es sich um Leute, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende der 80er Jahre dessen isolationistische Staatswirtschaft in eine teilweise westorientierte Marktwirtschaft überführt haben. Es sind alles Leute, die vor allem durch schlaue und riskante unternehmerische Initiativen zu ihrem Reichtum gelangt sind. Dies sicher auch dank bevorzugten Kontakten mit den jeweiligen Machthabern in der Ex-Sowjetunion und dem Russland danach, denn ohne das wäre es kaum möglich gewesen. Sicher wohl auch mittels Korruption und möglicherweise unter Inkaufnahme von lokaler oder internationaler Kriminalität, was man aber im Einzelfall nachweisen müsste. Frage: Kann, darf, soll man sie deshalb pauschal alle abstrafen?

Und ganz grundsätzlich frage ich mich: Welchen Schaden haben diese russischen Oligarchen denn dem Westen zugefügt? Man nimmt sie wahr als reiche Besitzer von Luxusgütern, von superteuren Yachten im Mittelmeer oder von teurem Wohneigentum auch hier in der Schweiz, wegen ihrem luxuriösen Lebensstil, sie fallen auf durch ihre extensive Geldverschwendung. Doch eines gilt es zu bedenken: Diese Leute haben bei uns im Westen mit ihrem sowjetisch/russischen Geld in zahlreiche unserer Unternehmungen investiert, neue gegründet, bei uns Arbeitsplätze geschaffen, und sie alimentieren durch ihre Ausgabenfreudigkeit auch hier in der Schweiz massgeblich unsere Tourismus- und Luxusgüterindustrie. Man sage mir, welchen Schaden diese Oligarchen – so unsympathisch sie erscheinen mögen – uns denn verursacht haben, um sie wegen Putins derzeitigem Ukrainekrieg derart abstrafen zu müssen. Ähnliches gilt übrigens auch für russische Sportler.

Wenn man schon wirklich grundsätzlich konsequent sein wollte, da frage ich mich: Warum Strafmassnahmen nur gegen die russischen Oligarchen? Warum nicht auch gegen die anderen, weitaus kapitalkräftigeren? Wie steht’s mit Leuten wie Musk, Gates, Besos, Buffet, Zuckerberg etc.etc.? Sind deren Kontakte und Geldbeschaffungen sakrosankt, nur weil diese Personen «befreundeten» Staaten angehören (Staaten, die nota bene uns Schweizern in den letzten Jahren weitaus mehr Probleme bereitet haben als Russland)? Und wie steht’s mit den saudiarabischen Scheichs, die ihr Geld als ihr persönliches Vermögen betrachtend in der Schweiz ausgeben (Geld aus der Erdölproduktion, das eigentlich dem jeweiligen dortigen Volk gehörte)? Oder wie steht’s mit den chinesischen Oligarchen, die heute in der Schweiz zahlreiche Firmen und gar Sportclubs gekauft haben? Die Beispiele liessen sich spielend vermehren.

Wohlverstanden: Sämtliche Oligarchen dieser Welt sind mir persönlich prinzipiell zuwider, woher sie auch stammen mögen. Doch wenn die Schweiz Strafaktionen gegen sie ergreift, sollte dies – schon nur im Sinne der Neutralität – nicht nur einseitig gegen die momentan gerade aus opportunistischen Gründen auf der Abschussliste stehenden russischen Oligarchen sein, sondern dann gegen alle; dies unter objektiver Anwendung von klaren eigenen Kriterien und nicht auf international einseitigen Druck hin.

 

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