Skandale, Skandale…

Mar 6 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 443 Views • Commenti disabilitati su Skandale, Skandale…

Humoreske

Die Medien leben von Skandalen. Stets geht’s darum, zwecks Auflagesteigerung dem gutgläubigen Publikum stets etwas Neues und Skandalöses präsentieren zu können, das man angeblich mit aufwendiger Recherchierarbeit aufgedeckt habe. Wie es diesbezüglich zeitweilig auf den Redaktionen zu und her geht, können Sie der nachfolgenden Aufzeichnung einer Gesprächsrunde in einer Redaktion entnehmen.

Verleger: „Unsere Auflagezahlen stagnieren, unsere Werbeeinnahmen sind rückläufig. Wir müssen unser Produkt wieder mit einer neuen Story attraktiver machen, es braucht wieder einen neuen Skandal. Der Hype mit dem Coronavirus geht ja nun leider langsam dem Ende entgegen…“.

Chefredaktor: „Wir sind ja stets auf der Suche nach neuen Skandalen. Mit grossem Erfolg haben wir das vermeintliche Waldsterben, den Klimawandel, den Fifa-Skandal der Bundesanwaltschaft, die MeToo-Bewegung, den Kindesmissbrauch durch die Kirche, den HIV, die Vogelgrippe, danach die SARS und jetzt den Coronavirus gross rausgebracht. Das Trump-Impeachment und der Brexit ziehen halt nicht mehr“.

Verleger: „Man müsste vielleicht etwas vertiefter in Vergangenheitsbewältigung machen, das zieht immer.“

Chefredaktor: „Haben wir auch schon alles gemacht, die Themen sind ausgereizt.

Die Fichenaffäre, die nachrichtenlosen Vermögen, die Verdingkinder im 2. Weltkrieg, der Flugzeugabsturz von Würenlingen, die angeblichen Geheimverhandlungen mit der PLO, die Südafrikaconnections, die Crypto-Affäre… das alles ist längst vergessen, ödet die Leute nur noch an oder verlief mittlerweile im Sande“.

Verleger: „Vielleicht müsste man geschichtlich weiter zurück greifen. Ich denke an Marignano“.

Chefredaktor: „Marignano ? Du meinst die verlorene Schlacht der Eidgenossen im Mailändischen, so um 1515 ? Was soll denn das ?“

Verleger: „Nun ja, hätten wir damals diese Schlacht gewonnen, wäre Oberitalien heute unser. Dass wir sie verloren haben, war ein absoluter Skandal, den man aufarbeiten muss. Es handelte sich um einen krassen Bruch der eidgenössischen Solidarität seitens der Berner, die verdeckt mit Frankreich paktierten und deshalb die Innerschweizer im Kampf nicht unterstützt haben. Das war der Beginn des innereidgenössischen Mankos an Solidarität, das sich danach immer mehr manifestierte und bis heute andauert.“

Journalist:  „Was nun ? Was soll ich denn nun tun ? Marignano recherchieren ?“

Verleger: „Egal was. Finden Sie irgend etwas Skandalöses raus, um die Auflage zu steigern. Sie wollen doch weiterhin bei uns arbeiten, oder ?“

 

Ronco

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