Religionen, Aberglauben, Mythen und Glauben: Brutstätten für Widersprüche

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Eros N. Mellini

Editorial

Im Laufe der Jahrhunderte respektive Jahrtausende durchging die Menschheit eine Myriade von Religionen, Mythen und Glauben, zumeist aus der uns allen innewohnenden Furcht vor dem Tod. Aus der Überzeugung, dass uns danach eine andere Daseinsform erwartet – Jenseits, Paradies, Wiedergeburt etc. – milderten die Menschen damit ihre Ängste und sind mit weniger Kummer dem einzigen wirklich unausweichlichen Abschnitt ihres Lebens entgegengetreten, dessen Sinn sie stets vergeblich zu verstehen versuchten. Ich habe gesagt „milderten“, aber eigentlich hätte ich „mildern“ sagen müssen, weil Religionen, Mythen und Glauben nicht das Privileg einer Vergangenheit sind, in welcher die wissenschaftliche Unwissenheit vorherrschte, sondern sie dauern noch heute an, jetzt wo der (wirkliche oder vermeintliche) wissenschaftliche Wissensstand viele von ihnen in das Reich des Aberglaubens zurück versetzen.

Geschichte und Erfahrung lehren uns, dass die menschliche Natur nicht friedlich ist, sondern aggressiv und oft gewalttätig. Was uns davon abhält, unsere Macht  gegenüber anderen zu missbrauchen, ist schlicht und einfach die Angst, dass uns dasselbe widerfahren könnte. Wir haben so quasi stillschweigend eine Art „contrat social“ unterschrieben: Ich schlage dich nicht, und so schlägst du mich auch nicht. Aber manchmal obsiegt die Überzeugung, dass man gewinnen kann, wenn man zuschlägt bevor der andere sich wehren kann, und in diesen Fällen tritt der wirkliche Charakter der menschlichen Wesen zutage, der sich auf individueller Ebene äussert in Überfällen, Diebstählen, Morden und vielem anderen; auf der Ebene kriegführender Staaten äussert er sich in Völkermord und anderen nicht näher bestimmbaren solchen Spässen. Oder stellt man sich denn vor, die Deutschen oder die Japaner hätten den Zweiten Weltkrieg lanciert, wenn sie vorher gewusst hätten, wie er für sie enden würde ?

Ein nicht totzukriegender Fanatismus

Wenn die Angst vor dem Tode dazu führt, dass ungeachtet sämtlicher Widersprüche die Religionen noch heutzutage ihren Erfolg erhalten haben, besteht das eigentlich Gefährliche im Fanatismus, den sie hervorzurufen vermögen. Und man glaube nicht, dass dieser heute nur ein Vorrecht der Islamisten sei; dieser Fanatismus ist am schrecklichsten, weil er zum Verüben von Terrorakten und Morden führt, was die christliche Gemeinschaft seit langer Zeit nicht mehr tut (alles in allem aber nicht einmal seit sehr langem nicht mehr, wenn man bedenkt, dass es das Gericht der Heiligen Inquisition noch 1908 gab und sodann unter dem Namen der Heiligen Uffizien weiter bestand). Wenn wir dem heute gottlob ein Ende bereitet haben, fährt hingegen der Islam damit weiter fort, und so kreiden wir das zu Recht an, aber es wäre falsch zu glauben, dass unsere auf christlichen Wurzeln basierende westliche Gesinnung friedfertiger sei: Wir haben sie lediglich einschlafen lassen, was dank dem nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Wiederaufbau erlangten Wohlstand möglich wurde. In Tat und Wahrheit sind wir gleichgültiger oder gar skeptischer geworden, wir glauben nicht aus Liebe zu Gott an ihn als unseren Schöpfer, sondern betrachten den Glauben als eine Art Versicherung für das Jenseits für den Fall, dass es Gott tatsächlich geben sollte. Sollte das nicht der Fall sein…täte das kaum weh, denn wir hätten dafür ja höchstens unnötig einen bescheidenen Preis bezahlt. Die Islamisten hingegen sind anders, sie glauben noch blind daran: Denn die Voraussage, dass nach deinem Tode im Paradies 70 Jungfrauen allein auf dich warten, ist allzu verlockend.

Brutstätte für Widersprüche

Diese Abkühlung des Glaubens verleitet die Gesellschaft zu Widersprüchen. Man lehnt sich auf gegen die Verleitung zur Verteidigung der eigenen Identität, aber man akzeptiert den Machtmissbrauch seitens jener, welche sie zerstören wollen. Man predigt die sexuelle Freiheit und die Rechte der Schwulen/Lesben, aber man betet gleichzeitig den Gott an, der Sodom und Gomorra zerstörte. Aus einem absurden Schuldgefühl für die koloniale Vergangenheit – welche die Schweiz übrigens nie erlebt hat und deshalb nicht kennt – akzeptieren oder befürworten wir sogar eine Art von unkontrollierter Invasion von Rassen und Kulturen aus dem anderen Ende der Welt und fördern dies noch zusätzlich mit übertriebenen Hilfen und Vorzügen, die wir oft der einheimischen Bevölkerung vorenthalten. Man akzeptiert ausnahmslos, dass eine Religion zur Ermordung von Ungläubigen (das sind wir!) aufruft und führt gleichzeitig einen Artikel 261bis des Strafgesetzbuches ein, der praktisch jedermann unter Strafe stellt, der öffentlich einen Judenwitz erzählt.

Der moderne öko-religiöse Fanatismus

Und wie wenn das alles noch nicht genügte, grassiert heute der öko-religiöse Fanatismus. Wie sollte man denn – wenn alles in allem eine gewisse Skepsis gegenüber heiligen Schriften angebracht war als man noch glaubte, dass die Erde flach sei und an den Säulen des Herkules ende – zweifeln an den „Wahrheiten“, welche heute selbst ernannte Experten und Wissenschaftler dogmatisch verkünden, ungeachtet dessen, dass sie von ebenso vielen oder gar noch mehr ihrer Kollegen widerlegt werden? Der Fanatismus dieser Propheten einer bevorstehenden,  menschenverursachten Apokalypse – wofür den Menschen die Hölle und die ewige Verdammnis droht, weil sie auf dieser Welt die Bequemlichkeiten nutzen, welche ihnen der Fortschritt und die Wissenschaft ermöglicht hat – steht in nichts zurück zum Fanatismus der Märtyrer, höchstens allenfalls deren Bereitschaft, für ihre Sache zu sterben. „Öko-Gott“ ist gross, und Greta Thunberg ist seine Prophetin, deklamieren die Öko-Fanatiker, und dies dank Internet weit mehr als fünfmal am Tag. Und ihren leider zahlreichen Gläubigen gaukeln sie eine vielleicht sauberere Welt vor, in welcher aber kein vernünftig denkender Mensch mehr leben wollte. Denn das würde bedeuten, ins Zeitalter der Ochsenkarren zurück zu kehren (vorausgesetzt, die Ochsen würden nicht allzu viel furzen, denn diesfalls müsste man den Karren selber ziehen), d.h. zurück zu kehren in eine Welt ohne technologische Hilfsmittel, worunter die multifunktionalen Handies gehören, mit welchen sie bei ihren Demos gegen den Klimawandel ihre „Selfies“ schiessen, um nicht zu sprechen von den SUVs, mit welchen die Teenager-Demonstranten tagtäglich von ihren Eltern zur Schule oder an ihre Sportveranstaltungen gefahren werden.

Und die Politik folgt…

Das Tragische an der Sache ist, dass die – ob gutgläubig oder geschickt manipuliert spielt keine Rolle – immer grösser werdende Wählerschaft, welche diese Masse von Öko-Fanatikern vertritt, für die politischen Parteien interessant geworden ist. Lassen wir einmal die Grünen beiseite, die „natürlich“ als ideologische Befürworter dieser Selbstgeisselung profitieren; bei den ehemals bürgerlichen Parteien (wobei sie nichts Bürgerliches mehr haben und legitimer weise als gemässigte Linke betrachtet werden können) ist allerdings die im Wahljahr in extremis vollzogene ökologische Wende von reinem Opportunismus diktiert und deshalb als solche nicht glaubhaft. Deshalb ist anzunehmen, dass diese Wende den fraglichen Parteien keine Stimmengewinne eintragen wird, hingegen uns hinführt zu einer Energiepolitik nach den Vorstellungen der Linken, die allesamt auf grossen Belastungen der Steuerzahler basieren. Nachfolgend publizieren wir eine von der SVP erarbeitete Tabelle, in welcher die Zusatzkosten für die Familien des Mittelstandes aufgelistet sind. Wollen wir wirklich mehr ausgeben, um uns das Leben zu vergällen, dies in einem Land, das im Vergleich mit den grössten Verursachern von CO2 (China, USA, Indien etc.) nicht nur in bescheidenstem Masse die Umwelt verschmutzt, sondern punkto Ökopolitik bereits zur Avantgarde zählt?

Die Gläubigen dieser neuen Öko-Religion richten (für den Moment) noch keinen grossen Schaden an, die fanatischen Öko-Terroristen hingegen schon.

 

 

 

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