O tempora, o mores!

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Eros N. Mellini

Editorial          

Ich erinnere mich an meine Jugendzeit, als ich begann, Tennis zu spielen. Ich spielte Bälle, auf die Roger Federer stolz sein würde…wenn sie denn nur im Feld gelandet wären. In jenen Zeiten – in denen die einzige Wucht der Ballabgaben nur beim «Smash» erlaubt waren, ansonsten dosierte man sie – unterschieden sich die stärksten Spieler dadurch, dass es ihnen gelang, ihre Bälle möglichst nahe an die Grundlinie der Gegner zu platzieren, so dass es diesen nicht gelang, bis vors Netz vorzustossen. Ich war ein «Vorreiter» des modernen Tennis, denn die Bälle spielte ich kraftvoll sogar über die gegnerische Grundlinie hinaus.  Man sagte mir: «Zu allererst musst du lernen, die Bälle ins Feld zu spielen, erst danach sollst du deine Kraft erhöhen». Logischerweise gelang mir dies nicht sonderlich gut, denn ich blieb zeitlebens ein bescheidener Tennisspieler. Ein Spieler, dem es doch im einen oder anderen Spiel immerhin gelang, den einen oder anderen Superpunkt zu erzielen, was sich allerdings im Endeffekt leider punkto Aufwand/Ertrag im Hinblick auf die Resultate eher negativ auswirkte. Aber der eingeschlagene Weg war gegeben, und wenn ich ihn weiter gegangen wäre, hätte wohl niemand mehr mit mir spielen wollen.

Dann kamen im Tennis die Connors, McEnroe, Borg und viele andere, die ihre Lehren offenbar gezogen hatten, denn ihre Kanonaden spielten sie während der gesamten Partie so, dass sie im Feld landeten. Was war geschehen? Ich kann mir nur vorstellen, dass zu einem gegebenen Zeitpunkt irgend jemand beschloss, dass es vorteilhafter wäre, nur soweit weiter zu «powern» bis man das richtige Mass und die Vorschriftsmässigkeit der Schläge im Griff habe.

Heutzutage spielen sämtliche Spieler des Welttourniers ein Tennis, das nichts mehr gemein hat mit jenem der Laver, Rosewall und Newcombe, die ich in meiner Jugend erlebte. Ich glaube nicht falsch zu liegen mit meiner Meinung, dass diese ehemaligen Tennisspieler kein einziges «Game» gewinnen würden gegen irgend einen der Spieler in den Top 100 der gegenwärtigen ATP-Rangliste. Spielen die heutigen Spieler besser? Nein, sie spielen einfach eine andere Art von Tennis. Ob dies gut oder schlecht sei, ist schwer zu sagen. Wer in meinem Alter ist, verspürt sicher eine Spur Nostalgie, teilweise kompensiert durch das Gefühl, recht gehabt zu haben. Denn in der Tat ist klar, dass ab einem gewissen Zeitpunkt jemand den gängigen «Eros Mellini» (sicherlich mit viel Talent) erkoren und ihm erlaubt hat, zu «powern», bevor er es gelernt hatte, die Bälle im Spiel zu halten, oder dass es ihm gelang, die beiden Dinge im Gleichgewicht zu halten, mit entsprechend guten Resultaten.  Was kam war ein Paradigmenwechsel, eine völlige Abkehr von der Art vorgängigen Tennisspielens, das nur von einigen Eltern ihren Kindern erlaubt wurde, die einfach so spielen wollten wie es ihnen gefiel. Aber in Tat und Wahrheit gibt es das einstige Tennis nicht mehr.

Meine längeren Anfangsbemerkungen sind meines Erachtens generell übertragbar auf die heutige Gesellschaft. Und dies meiner Meinung nach nicht immer mit annehmbaren Resultaten. Durch die fortwährende Gewährung von Konzessionen nimmt die Welt einen Verlauf, der mir zutiefst missfällt.

Als das eine oder andere Muttersöhnchen früher als erlaubt Autofahren wollte, setzte man das Alter für die Erlangung des Führerausweises hinunter. Einige anderen wollten abstimmen gehen, und so hat man das Stimmrechtsalter hinuntergesetzt. Wiederum andere wollten keine Militärdienstpflicht leisten, und so hat man den Zivildienst eingeführt. Das Gleiche gilt für den Konsum von Alkohol, Tabak, und man möchte nun gar den Drogenkonsum legalisieren. Jede Überschreitung – so wie oft die Rechtsbrüche wie bei den nicht autorisierten gewalttätigen Demonstrationen – kriegt immer mehr Zustimmung und wird Zug um Zug zur täglichen Normalität.

Zu den Zeiten von Laver und Rosewall waren die Homosexuellen dem öffentlichen Spott ausgesetzt. Ausgehend von der ersten – durchaus annehmbaren – Konzession, dass die Homos im Privatbereich ihren Unfug nach ihrem freien Willen ausüben dürfen sollten, ist man dazu übergegangen, die öffentliche Zurschaustellung ihrer sexuellen Ausrichtungen mittels «Love Parades» oder durch T-Shirts mit der Aufschrift «Gay is Beautiful» gutzuheissen, man hat die eingetragene Partnerschaft erlaubt, und nun tut man es weiter mit dem OK für die «Ehe für alle» mit all ihren Begleiterscheinungen.

Ein anderes Tennis, eine andere Welt? Das scheint so zu sein, aber dafür bin ich wahrlich kein «Vorreiter».

 

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