Ma dégan `na féta!

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Eros N. Mellini

Editorial

Auf gut italienisch übersetzt: Man verpasse ihnen eine Scheibe! Im Tessiner Dialekt ist dieser Ausdruck gebräuchlich, um damit auszudrücken, dass das Fass nun voll ist, anders gesagt: Hört endlich auf, uns auf den Wecker zu gehen!

Dies ist die unausweichliche Konsequenz der aufdringlichen lästigen offiziellen Ankündigungen neuer, oder entgegen jedem gesunden Menschenverstand bestätigter, Anti-Kovid19-Massnahmen durch einen Bundesrat, der mangels eigener Ideen sklavisch all das kopiert, was die anderen tun, im vorliegenden Fall die Europäische Union.

Ich schicke voraus, dass ich persönlich (trotz meiner Skepsis gegenüber einigen davon) die Massnahmen im Rahmen des Möglichen befolge. Ich trage die Maske in geschlossenen Räumen, halte Abstand, gehe selten ausser Haus und habe mich schon für die Impfung angemeldet. Ich bezweifle somit nicht grundsätzlich, dass das Problem dieses Coronavirus ernsthaft angegangen werden muss, wenngleich ich es nicht als schwerwiegender betrachte als die Asiatische Grippe, die ich Ende der 50er Jahre am eigenen Leibe erfuhr (weltweit mit 1-4 Millionen Toten) oder der Spanischen Grippe, welche unsere Grosseltern Ende der 10er Jahre des vergangenen Jahrhunderts heimsuchte (mit 50 Millionen Toten). Es gilt zu erwähnen, dass es in jenen Zeiten – die ich aus diesem Grunde als glückliche Zeiten betrachte – noch keine grosse Massenkommunikation (man müsste wohl besser von Massenterrorismus sprechen) gab, und somit die Spanische und Asiatische trotz der nicht minderen Sterblichkeit schlicht als „Grippe“ bezeichnet wurden. Übrigens war der Begriff „Pandemie“ ausser in Fachkreisen niemandem bekannt.

Und von Schweden redet kaum noch jemand

Nun ja, die Medien trugen und tragen weiterhin in hohem Masse dazu bei, jene Panikstimmung zu verbreiten, die dazu führt, dass breite Kreise der Bevölkerung die Politik des Bundesrates, d.h. eine ängstliche Verehrung des neuen „Gottes Lockdown“, unterstützen und rechtfertigen. Ein Beispiel dafür ist die Haltung der Presse hinsichtlich Schweden. Dieses Land hat seit Anbeginn auf die persönliche Verantwortung der einzelnen Menschen gesetzt und auf drastische Schliessungen verzichtet, welche die Wirtschaft lahmgelegt hätten; es hat sich schlicht darauf beschränkt, Empfehlungen für Sicherheitsmassnahmen abzugeben. Seinerzeit liefen die Medien Sturm gegen diesen Entscheid und sagten apokalyptische Szenarien voraus. Heute, nach mehr als einem Jahr, ist es möglich, eine erste Bilanz zu ziehen, und daraus resultiert ein unbestreitbares Faktum: Dieses skandinavische Land verzeichnete im Vergleich mit dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre 2020 7,7% mehr Tote. Diese Zahl liegt weit tiefer als jene in den meisten EU-Staaten, die restriktive „Lockdowns“ gegen das Covid-19-Virus verhängt haben. So zum Beispiel: Spanien mit 18,1% oder Belgien mit 16,2%. 21 der 30 Staaten, deren Statistiken bekannt gegeben wurden, haben eine höhere zusätzliche Sterblichkeitsrate als in Schweden verzeichnet. Dies ist eine über jeden Zweifel erhabene Tatsache, die aber den Medien lediglich einige versteckte Zeilen wert war. Und in diesen Zeilen versuchte man gar, sich zu verrennen mit der Publikation von Sekundärdaten, um das Resultat der schwedischen Politik als unbedeutend erscheinen zu lassen. So sei es in Schweden schlechter gelaufen als in anderen nordischen Ländern wie Dänemark oder Finnland.

Unvernünftige und widersprüchliche Massnahmen

Maske auf, Maske ab, alles zu, alles wieder offen, alles wieder zu, öffnen wir gar nichts mehr, öffnen wir ein klein etwas, und so fort – dies ist die seit einem Jahr vom Bundesrat verfolgte Politik. Denn es gilt, sich den Rücken freizuhalten (eigentlich müsste man von Arschretten sprechen, aber das wäre politisch nicht korrekt, und deshalb tue ich es doch, aber in Klammern) für den Fall einer Lageverschlechterung. Sozusagen: Wenn wir behördlicherseits nichts tun, kreuzigt uns das Volk, und so kreuzigen wir lieber prophylaktisch das Volk; und dazu auch die Wirtschaft, das ist die andere Seite der Medaille. Denn wenn die Wirtschaft stillsteht, wenn Betriebe schliessen, dann gehen Arbeitsplätze verloren und geht der Konsum zurück, der seinerseits die Wirtschaft am Leben erhält.

Nehmt mir alles weg…nur nicht den „Lockdown“

Dieser Slogan einer Uhrenmarke, der vor einigen Jahren im Fernsehen verbreitet wurde, scheint vom Bundesrat übernommen worden zu sein. Es spielt keine Rolle, dass das Parlament und die konsultierten Kantone eine Erleichterung der Massnahmen fordern, welche die Betriebe erwürgen, um zu einer relativen Normalität zurückzufinden, wenngleich unter Beibehaltung von Schutzmassnahmen wie die Maskenpflicht oder das Abstandhalten. Der „Lockdown“ ist mein Kind und ich alleine befinde darüber – der Gesundheitsminister, Alain Berset, scheint sich das Motto der Abtreiberinnen der 70er Jahre zu eigen gemacht zu haben, lediglich unter Auswechslung des Zielobjekts.

Mit einer beispiellosen Hartnäckigkeit verfolgt der Bundesrat unbeirrt seinen Weg der nervtötenden Widersprüchlichkeit. Im Gegensatz zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen es den Leuten erlaubt ist, sich zu Hunderten Schulter an Schulter zusammenzupferchen (und das tun sie auch), verbietet man den Besuch von Restaurants, die übrigens beträchtliche Summen investiert haben, um für ihre Gäste die nötigen Schutzmassnahmen zu ermöglichen, wie etwa das Abstandhalten und die Beschränkung der Anzahl Tische. Als Konzession an die Tourismusbranche sind hingegen die Restaurants der Hotels – während die anderen Restaurants geschlossen bleiben müssen und nicht einmal die Terrassen bedienen dürfen (was übrigens in gewissen Skigebieten erlaubt ist) – von dieser Massnahme ausgenommen und dürfen seelenruhig ihre Gäste bedienen. Unlängst wurde in Facebook folgende Vignette verbreitet: Eine Mutter, die ihrem Kind sagt: „Wenn du schön brav bist, bringe ich dich über Ostern nach draussen, um Touristen zu sehen, die im Restaurant essen“. Dieser bittere Sarkasmus gibt sehr gut die Seelenlage der Leute wieder, die – „besondere Lage“ hin oder her – von diesem „Lockdown“ die Schnauze voll haben. Dies umso mehr, als es äusserst zweifelhaft ist, dass die Restaurants das höchste Ansteckungsrisiko darstellen würden, und weil jedenfalls Nachtessen von Verwandten und Freunden im privaten Bereich, wo Zusammenkünfte von bis zu 10 Personen ohne Pflicht zum Distanzhalten erlaubt sind, ein weitaus höheres Risiko darstellen.

Man kann niemandem vertrauen…wem denn auch?

Nun kommt sogar noch das absurde Maskenobligatorium auch für draussen. Uns wird gesagt: Wenn man nicht Massnahmen vorschreibt und eisern durchsetzt, kann man den Leuten nicht vertrauen, siehe Aufläufe à la Foce del Cassarate. Aber in diesen Fällen handelt es sich schlicht und einfach um Verstösse, gegen die energisch interveniert werden muss, wenn nötig auch mit erzieherisch wirkender, dosierter Gewaltanwendung. Aber so über den Daumen gepeilt sehe ich, wenn ich in die Stadt gehe, lediglich Leute, welche die Vorschriften befolgen; bevor sie in die Geschäfte oder auf die Post gehen, setzen sie ihre Maske auf, und wo es möglich ist, desinfizieren sie sich die Hände.

Wenn es Leute gibt, in welche ich seit einigen Jahren das Vertrauen verloren habe, dann ist es nicht so sehr das Volk, sondern es sind unsere Regierenden in Bern. Aber auch jene in Bellinzona.

Wir haben die Schnauze voll! Dégan `na féta!

 

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