Liebes «Il Paese»: Auf viele weitere Jahre!

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Carlo Danzi,Herausgeber/Verleger der Zeitung

«Il Paese» wird hundertjährig. Das Blatt wurde am 10. Oktober 1922 gegründet, als es zum Sprachrohr des neu gegründeten «Partito Agrario Ticinese» wurde, nachdem diese Rolle vorgängig zwei Jahre lang der Zeitung «L’Agricoltore ticinese» oblag. In weiteren Artikeln dieser Spezialausgabe ist die Geschichte der Zeitung detaillierter nachzulesen.

In einer Zeit, in welcher di Printpresse grosse Probleme hat, kommt das hundertjährige Bestehen unserer Zeitung einem Wunder gleich. Soweit ich weiss, sind sämtliche vor uns gegründeten historischen Blätter verschwunden, mit Ausnahme des «Corriere del Ticino» (1891) und eben des «Agricoltore ticinese» (1920). Hartnäckigkeit, Konstanz, Liebe zumTessin, Idealismus und Glück sind die Komponenten, die es ermöglicht haben, dieses Jubiläum feiern zu können.

Das kürzliche erschiene interessante Buch «Un secolo di storia politica: dal Partito Agrario all’UDC (1920-2020)» illustriert die enge Verbindung und Verflechtung – mit  all ihren Höhen und Tiefen – zwischen der Zeitung «Il Paese» und der SVP bestens, ebenso wie die Geschichte des Kantons Tessin der letzten 100 Jahre und seinen tiefgreifenden Wandel, dies natürlich aus einer besonderen Perspektive.

Es waren zahlreiche Kämpfe. Welche «Il Paese» im Verlaufe seines Bestehens initiierte und austrug: Die Verteidigung und Förderung der Landwirtschaft, die Überwindung der sterilen Streitereien zwischen den beiden historischen Parteien, die Aufrechterhaltung der Preture (Bezirksgerichte) in den Talschaften, die zentralisierte Auszählung der Stimmen, um das Wahlgeheimnis der Bürger sicherzustellen, die Einführung des Panachage bei den Wahlen, der Kampf gegen die Privilegien der öffentliche Verwaltungsbeamten im Vorsorgewesen, jener für eine moderatere Besteuerung, gegen die zu leichthändig vergebenen Konzessionen zur Nutzung unserer Gewässer für die Wasserkraft, und nicht zuletzt eine rigorose Politik bei den öffentlichen Finanzen. Und vieles weitere.

Die heutige Linie der Zeitung ist klar: Nebst den oberwähnten Themen kämpft die Zeitung gegen einen Beitritt zur EU, gegen die Bürokratie, für die Kontrolle der Einwanderung und die illegale Immigration, für eine Energiepolitik, welche Investitionen in die Wasserkraft fördert (dies auch, um eine gefährliche Abhängigkeit vom Ausland zu vermeiden), um unsere Betriebe und die produktive Arbeitswelt zu unterstützen., für die Aufrechterhaltung eines guten Levels der Berufsausbildung, für eine von Idealismus und Dienstleistungswillen und nicht nur auf Verboten basierende Umweltschutzpolitik, für die Verteidigung und Förderung des Privateigentums, gegen die Übertragung von immer mehr Aufgaben an den Staat und für mehr individuelle Freiheit und Verantwortung.

Hinzu kommt der höchst aktuelle und sakrosankte Kampf gegen das desaströse Monopol der SRG-RSI bezüglich Radio- und TV-Information: Der staatliche Sender – finanziert mittels der obligatorisch von allen Bürgerinnen und Bürger und allen Betrieben bezahlten Zwangsgebühren – operiert nunmehr grenzen- und masslos und ist der Grund für vielerlei Probleme unseres Landes; dies wegen seiner einseitigen Informationspolitik, die seit jeher linksorientiert und parteiisch ist, mittels einer fortlaufenden und repetitiven Gehirnwäsche zum einzigen Zweck, Zustimmung und Unterstützung für das rotgrüne Lager zu erhalten. Die Informationsabteilung der SRG und der RSI – von der hier die Rede ist – steht völlig im Dienste der Sozialdemokraten und der Grünen und ist das eigentliche Krebsübel unseres Landes. Ohne eine drastische Redimensionierung des staatliche Radios und Fernsehens, das von Genossen unter den Mitarbeitern nur so strotz, und ohne die Förderung eines authentischen Pluralismus in der Informationsvermittlung, geht die Schweiz wahrhaft grossen Problemen entgegen. Also: je weniger Geld, umso weniger Probleme. Dies ist just das, was die Volksinitiative «200 Franken sind genug» für eine Reduktion der SRG-Zwangsgebühren fordert, wofür gegenwärtig Unterschriften gesammelt werden.

Seit einiger Zeit erscheint «Il Paese» vierzehntäglich und wurde unlängst wieder zu einem Meinungsblatt – rechtsbürgerlich, unabhängig und dennoch nahe der Tessiner SVP. Heute sind die Leute weniger geneigt zum Schreiben: auch jene, die ein politisches Amt bekleiden, ziehen es vor, elektronisch in Erscheinung zu treten, Bilder zu posten und zu twittern, statt gut zu überlegen und dann mit ausreichender Begründung in einem geschriebenen Artikel ein Thema zu vertiefen. Das ist wohl zu mühsam. Die Probleme für ein kleines Printblatt wie das unsrige sind somit einerseits bedingt durch die ständig steigenden Druck- und Versandkosten, andererseits aber auch von der Schwierigkeit, Leute zu rekrutieren, die für uns schreiben. Aber es sei mir erlaubt zu sagen, dass dieses Problem ein generelles ist.

Ich bin persönlich sehr eng freundschaftlich mit «Il Paese» verbunden, obschon ich mich zugegebenermassen nicht im gewünschten Masse darum zu kümmern vermag. In meiner Familie habe ich es immer mitbekommen, dass mein Vater Luciano und mein Grossvater Riccardo zusammen mit anderen Autoren, für das Blatt geschrieben haben. Aber wie gesagt: Ich bin ihm zugetan und glaube an den hohen Wert der Zeitung. Ich erinnere mich daran, dass ich Mitte der 80er Jahre, als die Zeitung defizitär war, die Kooperative von «Il Paese» darum ersuchte, die Verlagsleitung zu übernehmen, was dann auch geschah. Nach einer vorübergehenden direkten Übernahme der Verlagsleitung durch die Tessiner SVP, habe ich diese dann vor einigen Jahren wieder übernommen. Für das Weiterbestehen der Zeitung bleiben viele Fragen offen, aber ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft.

Es liegt mir daran, meinen ausdrücklichen Dank erneuert auszudrücken an all jene Leute – von denen leider viele bereits verstorben sind – die seit 1922 bis zum heutigen Tage die Zeitungsredaktion geleitet oder für das Blatt geschrieben haben: Schon nur die Durchsicht der geschichtlichen Zeitungseinbände reicht aus um festzustellen, dass es sich stets um namhafte Persönlichkeiten und um äusserst fähige Autoren von Artikeln gehandelt hat.

Zum Schluss entbiete ich meinen grossen, bewunderungswürdigen und tiefherzigsten DANK an meinen Freund Eros Mellini ausdrücken, der unsere Zeitung aus reinem Idealismus und ohne jede Bezahlung leitet und vorwärts bringt, so wie dies auch Roland Burkhard, Carlo Rezzonico, Francesco Mendolia und alle anderen Mitarbeiter tun. Ein Dankeschön gilt auch dem Centro Stampa von Muzzano, welches unsere Zeitung druckt. Und ein letzter grosser Dank gilt auch all unseren Leserinnen und Lesern und Abonnenten, ohne die unser kleines verlegerische Abenteuer gar nie möglich geworden wäre.

 

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