Lächeln ist angesagt…

Mar 20 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 367 Views • Commenti disabilitati su Lächeln ist angesagt…

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Wir üben uns in diesen Tagen gezwungenermassen in neuen gesellschaftlichen Umgangsformen (auch wenn es scheinbar noch nicht alle mitbekommen haben): Die Begrüssung oder Verabschiedung, die früher meist aus dem  Händeschütteln bestand oder auch im gegenseitigen Abküssen, je nach Region zweifach oder auch dreifach, hat ganz originelle Formen angenommen. Die einen winken sich mit einer Hand oder mit beiden zu, die anderen stossen die Ellenbogen aneinander und man kann viele weitere Varianten beobachten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – viel wichtiger ist jedoch, dass wir uns dabei bewusst sind, dass die neuen Regeln angesichts der Verbreitung des Corona-Virus ihre Berechtigung haben.

In der frühen Menschheitsgeschichte war es offenbar ein grosser Schritt, als der Handschlag Mode wurde: Man wollte zeigen, dass man keine Waffe in der Hand hielt. Normalerweise wird ja dazu die rechte Hand benützt, die Pfadfinder tun es oft mit der linken. Manchmal ist es nur ein Händedruck, meist aber ein mehr oder weniger intensives Händeschütteln. Je kräftiger der Händedruck ausfällt, desto mehr schliesst man auf Selbstbewusstsein, Kraft und Willensstärke. Ein schwacher Händedruck deutet offenbar auf mentale oder charakterliche Schwäche. Ein Handschlag kann gelegentlich auch einen Vertrag besiegeln und eine schriftliche Abmachung ersetzen. Am längsten dauert das Händeschütteln bei Politikern, wenn sie es vor der Kamera machen. 2017 wurde das Händeschütteln zu einem zentralen Element der deutschen Leitkultur erklärt, was bei zahlreichen Einwanderern zu Schwierigkeiten führte. So weigern sich noch heute oft muslimische Asylanten einer Frau die Hand zu geben. Im Kanton Basel-Landschaft war es seit vier Jahren für alle Schüler Pflicht, der Lehrkraft die Hand zu geben.

Der Händedruck: Einst Höflichkeit in der westlichen Welt – heute eher zu vermeiden

Lange hat man sich überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie unhygienisch eigentlich ein Handschlag ist – vielleicht war es auch von Vorteil, die Übertragung von Mikroorganismen zuzulassen, damit der Körper seine Abwehrkräfte üben konnte. In Wirklichkeit ist das Händeschütteln eine der hauptsächlichen Übertragungswege für Infektionen wie Erkältungen oder auch Magen-Darm-Erkrankungen. Umso mehr, weil wir ja mit unseren Händen häufig auch Mund, Nase oder Augen berühren. Der Knigge hat einst festgelegt, man solle maximal fünf Leuten die Hand geben, darüber hinaus reiche ein allgemeiner Gruss in die Runde. Wer sich bewusst war, dass er in grossem Stil Grippeviren verteilte, hat schon früher auf den Handschlag verzichtet. Umso mehr heute im Zeitalter des Corona-Virus: Sagen wir doch dem Handschlag adieu, vielleicht auf immer. Das hängt davon ab, ob die gegenwärtige Pandemie einmalig ist oder ob sie sich regelmässig wiederholen wird. Wir ersetzen damit eine unhygienische Begrüssung durch ein Lächeln und schauen uns dabei direkt ins Gesicht statt auf die Hände. Ist das nicht ein grosser Gewinn in den menschlichen Beziehungen?

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