Keine Zukunft ohne Herkunft

Nov 30 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 663 Views • Commenti disabilitati su Keine Zukunft ohne Herkunft

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

                       

Die Rosskastanie ist giftig, die Edelkastanie schmeckt hervorragend! (Bild «L’Universo» und Berichtigung auf www.luniverso.ch)

In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat Marco Solari als höchster Tessiner Touristiker vehement dagegen gekämpft, dass in der Werbung das Bild der Südschweiz in Verbindung mit Zoccoli und Boccalini in die Welt hinausgetragen wird. Zugegeben: auf die Zoccoli kann ich ganz gut verzichten, Boccalini, gefüllt mit einem kräftigen Tropfen Wein hingegen, an einem alten Granittisch im sommerlichen Schatten unter den Bäumen eines Grotto sind mir schon sympathisch und darauf möchte ich nicht so gerne verzichten. Marco Solari prägte damals lieber das Bild des Tessins als Land der Künstler. Ebenso gut könnte man heute auf das Tessin als Universitätskanton hinweisen oder auf die hier ansässige biomedizinische Forschung, Betriebe im Bereich Informationstechnologie und die pharmazeutische Industrie. Aber soll man angesichts dieser positiven Entwicklung die Vergangenheit einfach vergessen oder ignorieren? Wie steht es da bei der jüngeren Generation?

Ein interessantes Beispiel dazu: Mit dem «Corriere del Ticino» wird regelmässig unter dem Titel «L’Universo» eine sehr interessante unabhängige, universitäre Studentenzeitung mitgeliefert. In der diesjährigen November-Ausgabe findet sich ein herbstlicher Artikel über den Duft der feinen Kastanien, der nun wieder über die Plätze unserer Städte sich verbreitet und zum Genuss dieser köstlichen Frucht einlädt. Wie sich das heute gehört, wenn jemand über Nahrungsmittel schreibt, erläutert die Verfasserin eingehend den Vitamingehalt und die Vorzüge der Kastanien für Diabetiker. Sie weiss auch, dass die Frucht den Cholesterinspiegel senkt, die Knochen gesund hält und das Immunsystem stärkt. Nicht fehlen dürfen die Tipps, wie die Kastanien zubereitet werden können, sowohl in der traditionellen Pfanne über dem Feuer als auch im Mikrowellenherd. Eine wirklich umfassende Anleitung! Da fehlt eigentlich nur noch, wie sich das für jede gut lesbare moderne Zeitung gehört, eine schöne Illustration zu den Kastanien. Auch diese ist vorhanden, aber zum grossen Erstaunen des Lesers: ein prächtiges Foto von schönen Rosskastanien! Sind wir nun schon so weit, dass unsere junge Generation an der Universität alles weiss über die Frucht, die früher der Landbevölkerung im Tessin das Überleben ermöglicht hat, ausser einer Kleinigkeit: Sie weiss nicht mehr, wie die Frucht in natura aussieht und wo sie wächst.

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