Kakistokratie: Warum haben die Unfähigsten noch das Sagen?

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Aus dem «Nebelspalter» vom 17.04.2022, ein Artikel von Milosz Matuschek

Milosz Matuschek

Inkompetente an der Spitze hätten keine Chance, wenn wir Bürger auf der Höhe der Zeit wären.

Letztens drehte sich US-Präsident Joe Biden nach einer Rede zur Seite, und streckte seine Hand zum Grusse in die Leere. In Deutschland regiert mit Olaf Scholz ein Kanzler, der bis über beide Ohren in die Cum-Ex-Affäre verstrickt ist. Das höchste Amt füllt ein Bundespräsident aus, der noch nie einen Satz formuliert hat, der in Erinnerung geblieben wäre. Ansonsten gibt es noch jede Menge Blackrockianer (Merz), Global Young Leaders (Baerbock, Spahn, Özdemir) oder einfach Grünenpolitiker, die alles bestreiten können, ausser ihren eigenen Lebensunterhalt ohne Steuergelder. Die Grünenspitze in Deutschland, bestehend aus Ricarda Lang und Omid Nouripour, stellt ohne Studien- oder Berufsabschluss das fleischgewordene Versagertum in Spitzenposition dar. Und dann gibt es ja noch den Gesundheitsminister Lauterbach, der mit seinem Amtsverständnis «Nur ein Tag mit Schreckung der Bevölkerung ist ein guter Tag» besser in einer Geisterbahn aufgehoben wäre.

Auf der Weltbühne sieht es nicht besser aus: An der Spitze der Europäischen Zentralbank steht eine wegen Beihilfe zur Veruntreuung von 400 Millionen Euro verurteilte aber von Strafe unbehelligte Präsidentin, die gerade per Enteignung des Bürgers durch Inflation ein marodes Geldsystem am Laufen hält. Die Präsidentin der Europäischen Kommission wurde bekannt dafür, als Verteidigungsministerin überdimensionierte Beratungsverträge an Consulting-Firmen vergeben zu haben und war ansonsten vor allem akribisch beim Löschen verdächtiger Mails und SMS. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus ist bekannt für eine langjährige klebrige Nähe zur Gates-Stiftung; gerade liegt die Weltgesundheitspolitik in den Händen eines chinaverehrenden Kommunisten, dessen Partei als terroristische Vereinigung gilt und gegen den eine Klage in Den Haag wegen Beihilfe zum Genozid vorliegt.

Wir leben in einer Zeit, in der nicht mehr nur hin und wieder Böcke zum Gärtner gemacht werden. Vielmehr ist Bockseigenschaft das Qualifikationsmerkmal für den Gärtnerjob geworden. Die fachlich oder charakterlich am wenigsten Geeigneten werden verlässlich nach oben durchgereicht. Und nach jeder Kaskade der Unfähigen kommen noch Unfähigere und verschlimmbessern alles. Die Welt ist nach dem «Peter-Prinzip» geordnet, einem Management-Grundsatz, wonach Beschäftigte in jeder Hierarchie bis zur Stufe der eigenen Unfähigkeit aufsteigen. Die Herrschaft der Schlechtesten nennt man auch «Kakistokratie» und so beschissen wie es klingt, ist es leider auch. Fast noch schlimmer daran ist jedoch, dass dieser Umstand denen, die ihn aufdecken müssten, also Journalisten, öffentlichen Intellektuellen oder dem Durchschnittsbürger auf der Strasse gar nicht aufzufallen scheint.

Kritik an der Unfähigkeit der Eliten ist nicht neu und zu einem gewissen Grad auch wohlfeil, gewiss. Der springende Punkt ist gar nicht die personelle Negativauswahl und allgemeine Verlottertheit der Politik. Die grosse Frage ist vielmehr, warum der Bürger das zulässt. Wenn der Kenntnisstand der Bevölkerung über Aufbau und Funktionsweise der Welt (dazu gehört neben der Politik natürlich auch das Mediensystem, das Geldsystem, das Bildungssystem, das Ernährungssystem, das Energiesystem etc.) auf der Höhe der Zeit wäre, kämen die Flaschen an der Spitze nicht weit. Wären wir so modern und aufgeklärt, wie wir von uns selbst glauben, würden ideologisch «argumentierende» Politiker mit dem gleichen Befremden beäugt werden, wie ein Psychiater, der an seinen Patienten Exorzismus vollzieht oder ein Arzt, der zum Aderlass bittet.

Der Schlüssel zur Veränderung sind nicht bessere Politiker. Es sind bessere Bürger. Der primäre Feind ist nicht der Politiker, der sich an die Spitze mauschelt. Sondern der Bürger, der ihn gewähren lässt. Das Problem ist die eigene Gemächlichkeit und Beschaulichkeit. Wir hinken den Möglichkeiten der Moderne hinterher. Deshalb haben wir die Muster aus der Mottenkiste des Mittelalters nie abgeschüttelt sondern nur systemisch im Gewand der Moderne integriert: Zensur, Pranger, virtuelle Buch- und Hexenverbrennungen, Sündenbock-Opfer, öffentliche Schauprozesse und Hinrichtungen. Solange der Bürger abergläubig an eine Illusionswelt glaubt, die ihm Komfort verspricht, wird sich diese Welt nicht verändern. Sondern im Gegenteil, schon bald sehr unkomfortabel werden.

Der Schriftsteller John Fowles hat in seinem Buch «Aristos» den Grund für diese Unfähigkeit zum Besseren unter anderem in dem Mangel gesehen, sich selbst als erwachsen und fähig zu begreifen. Im Stadium des ewigen Kindes gibt es keine Verantwortlichkeit. Erwachsensein ist dabei für ihn keine Altersfrage sondern eine Frage der Fähigkeit zur Selbsterkennnis. Welchen Anspruch haben wir an uns selbst? Erst mit der Sehnsucht nach Verwirklichung des besten Zustands entsteht eine gemeinsame Welt und damit ein echtes Gemeinwesen. Mit Bezug auf Heraklit schreibt Fowles: «Die Aufgewachten teilen sich eine gemeinsame Welt; die Schlafenden leben jeder für sich in ihrer eigenen Welt.»

Die Herrschaft der Schlechtesten ist das sichtbarste Symptom für die Krankheit unserer Welt. Sie ist der Massstab dafür, wie sehr die Welt auf dem Kopf steht. Wir wissen das alles, sei es, dass wir auf den Volksmund hören («von nichts kommt nichts»), es mit mathematischer Gewissheit berechnen («X mal Null ist immer Null») oder uns von Softwareentwicklern inspirieren lassen («garbage in, garbage out»). Wann jagen die Fähigen die Nieten aus den langgewärmten Sesseln? Das wäre die eigentliche Revolution, welche diese Welt bräuchte, statt weiter Panikern, pseudowissenschaftlichen Modellierern oder ideologische Utopisten vor sich hin dilettieren zu lassen.

Man erkennt die Nieten übrigens leicht daran, dass sie scheinbar immer alles am besten wissen, aber nie die Verantwortung für ihr Tun zu spüren bekommen. Wieviel Inkompetente in höchsten Positionen gäbe es, wenn diese den Preis für Unfähigkeit selbst zahlen müssten? Der älteste erhaltene Rechtstext der Menschheit, der fast 4000 Jahre alte Codex Hammurabi kannte dieses Prinzip der Selbstverantwortung noch und zwar in der direktesten Form: Den schlechten Baumeister eines Hauses, welches einstürzte und dessen Eigentümer unter sich begrub, erwartete das gleiche Schicksal. Inkompetenz war maximal teuer.

Ohne den richtigen Anreiz für die Guten regiert eben das Mittelmass. Auch in der Geschäftswelt gilt nicht umsonst der Satz:

«If you pay peanuts, you get monkeys».

Liebe Leser! Auch im Journalismus gehen die Meinungen über Wert und Preis manchmal auseinander, wie überall. Mit dieser Kolumne verabschiede ich mich als Kolumnist. Ich danke Ihnen sehr für die vielen Kommentare, das Lob, den Widerspruch und die Kritik. Es hat mir Spass gemacht, für Sie zu schreiben. Sie lesen mich in Zukunft überwiegend auf meiner eigenen Publikation «Freischwebende Intelligenz».

 

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