Inflation: Das süsse Gift des billigen Geldes ist tödlich

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Rolando Burkhard

Ein Gespenst hat Gestalt angenommen: die Inflation. Dies weltweit, aber auch in der Schweiz. Auch bei uns wird quasi alles, was wir brauchen, tagtäglich teurer. Sicher haben wir hier noch längst keine Hyperinflation, aber: Im Ausland erreicht die Inflation Höchstwerte, in den USA und EU-Europa sind es um die 10%. Bei uns sind es derzeit um die 2-3% jährlich; aber aufgepasst: 3 % jährliche Inflation während schon nur 10 Jahren heisst, dass ein einstiges Sparguthaben von 100’000 Franken heute nur noch knapp 70’000 Franken wert ist, Tendenz sinkend. Der durch die Inflation hervorgerufene Kaufkraftverlust betrifft längst nicht nur den Kauf der stets teurer werdenden Lebensmittel. Mehr Sorgen bereiten die ständig steigenden Krankenkassenprämien, die unsichere Altersvorsorge, die viel teurere Energie, die negativen Sparzinsen, die ständig steigenden Gebühren und Taxen (das einst jahrelang zu 100 Fr. angebotene Halbtaxabo der SBB kostet heute 185 Franken). Die lange unterschätzte Gefahr der laufenden Geldentwertung ist deshalb mittlerweile bei Volksumfragen in den so genannten „Sorgebarometern“ zu Spitzenwerten eskaliert. Zu Recht. Denn es stellt sich die Frage, wie lange wir beim gegenwärtigen Lauf der Dinge unseren gewohnten Lebensstandard noch aufrecht erhalten können.  

Was bedeutet Inflation eigentlich und was sind die Folgen?

Eine klare Definition des Begriffs gibt es nicht. Inflation bedeutet schlicht, dass der Wert Ihres Geldes und Ihrer Vermögen abnimmt. Die Inflation wird auch als Preissteigerungsrate oder Teuerung (Kaufkraftverslust) bezeichnet. Die marktwirtschaftliche Erklärung ist denkbar einfach: Bei einer gegebener Angebots/Nachfrage-Situation steht angebotsseitig eine beschränkte Menge von angebotenen Gütern nachfrageseitig eine zu grosse Menge an Geld zur Verfügung, was zu teureren Preisen führt. Und die werden auch zwingend bezahlt, soweit es sich um Güter der unflexiblen Nachfrage handelt (wie etwa Lebensmittel, Gesundheitsversorgung oder Energiebedarf, d.h. Güter, ohne die man nicht auskommen kann). Weniger zu zahlen bereit ist man bei Gütern der flexibler Nachfrage, d.h. von Gütern, auf die man nötigenfalls auch verzichten kann. Die Folgen der Inflation können verheerend sein, zum Elend für die Bürger bis hin zum Ruin ganzer Staatswesen führen. Das haben die Hyperinflationen der Vergangenheit hinreichend aufgezeigt.

Hauptproblem:  Das Sparen

Die verheerenden Folgen der Inflation sind nicht nur die teureren Preise und der fortlaufende Kaufkraftverlust, sondern es ist auch die zunehmende wertmässige Vernichtung von Sparguthaben. Der Sparanreiz tendiert gegen Null, wenn das gesparte Geld immer weniger wert ist, und man dafür, statt einen Zins zu kriegen, sogar noch Negativzinsen bezahlen muss. Zudem fragt sich mancher, warum er denn überhaupt noch sparen sollte. Für was denn? Für das Zahlen der Steuern? Da hilft doch der Staat mit Steuererleichterungen resp. mit gänzlichen Steuererlassen, wenn man offenbar nichts mehr besitzen sollte. Fürs Alter? Da sorgt doch der Staat nötigenfalls vor. Für die Gesundheit? Die Krankenkassen zahlen ja sowieso praktisch alles, zudem werden die Prämien nötigenfalls ohnehin subventioniert oder gänzlich erlassen. Die Folgen: Wer noch etwas Vermögen besitzt und um sein erspartes Geld fürchtet, flüchtet sich in den Kauf von wertbeständigen Sachwerten wie beispielsweise Immobilien. Das treibt dann auch dort die Preise in immer höhere Sphären.

Die Ursachen

Die heutige Inflation wurde, obschon sie in vergangenen Zeiten zum individuellen Elend und zum Ruin ganzer Staaten geführt hat, als grosse Gefahr allzu lange krass unterschätzt. Dies, weil die Inflation weltweit von den meisten Ökonomen nur als vorübergehendes Phänomen deklariert wurde (zurückzuführen auf die Corona-Krise, auf Lieferengpässe infolge von Konflikten wie der Ukrainekrieg etc.). Aber sie hat sich verstetigt, und dafür werden nunmehr oft fünf angebliche Gründe aufgeführt: Die Abschwächung der Globalisierung, die demografische Entwicklung, die Stagnation der Arbeitsproduktivität, der Übergang zu einer grüneren Wirtschaft und die Staatsverschuldungen.

Was ist davon zu halten?

Die Abschwächung der Globalisierung mag nur dann zu Inflation führen, wenn man an die wundersame Wirkung eines ungebremsten Wirtschaftswachstums glaubt. Die demografische Entwicklung ist widersprüchlich: Der Bevölkerungsexplosion in den armen Ländern steht ein Geburtenrückgang in der westlichen Welt gegenüber; das führt vielmehr zu Migrationsproblemen als zu Inflation. Die Stagnation der Arbeitsproduktivität und der Übergang zu einer grüneren Wirtschaft mögen als Argumente gültig sein, denn die grün-linke Ökologisierung der Produktion verteuert die Herstellungskosten. Meines Erachtens ist das fünfte Argument, die fortlaufende Staatsverschuldung, der Haupttreiber der Inflations-Seuche. Deshalb lohnt es sich, darauf detaillierter einzugehen.

Die Hauptschuldigen an der Inflation sind die Staaten (Staatengemeinschaften, Regierungen und Parlamente mit ihrer extensiven Ausgabenpolitik und Schuldenwirtschaft) und ihre Handlanger, die staatlich gesteuerten National- oder Notenbanken – die eigentlich für Geldwertstabilität sorgen müssten – mit ihrem Hang (Zwang?) zur Geldvermehrung, d.h. der explosiv steigenden Herstellung von billigem Geld. Das dauernde Drucken von immer mehr Banknoten erhöht den Wohlstand nicht, sondern gefährdet die Geldwertstabilität immer mehr.

Dass die USA mit ihrem US-Dollar als weltweite Leitwährung seit Jahren mit ihrer Politik der überrissenen Dollar-Produktion ihre eigenen nationalen Defizite decken, ist bekannt. Ebenso bekannt ist, dass die Europäische Union mit ihrer Totalverschuldungspolitik via Europäische Zentralbank krampfhaft versucht, mittels Aufkaufs von Staatspapieren von völlig defizitären, hochverschuldeten EU-Mitgliedsstaaten ihre eigene Daseinsberechtigung zu sichern und auch krampfhaft die dauerkriselnde künstliche Währung Euro zu retten, ist ebenso bekannt. Doch auch in Nicht-EU-Staaten wie der Schweiz ist die Tendenz exponentiell gestiegen, durch eine überrissene Ausgabenpolitik die einstige Schuldenbremse zur Makulatur verkommen zu lassen, namentlich wegen einer völlig ausser Rand und Band geratenen Sozialpolitik. Das bereitet Sorgen. Die Begründung der Linken ist einfach: Das Geld dafür sei ja vorhanden. Die Inflationsgefahr lässt grüssen!

Inflationsbekämpfung vs. Interessenpolitik

Dass die Inflation nicht besser bekämpft wird, hängt sehr damit zusammen, dass die staatlichen Hauptakteure in diesem unheimlichen Spiel gar kein Interesse daran haben, dies zu tun. Das Geldausgeben für überrissene Staatsausgaben bringt ihnen erhoffte Stimmen im kommenden Wahlkampf, und die Verschuldung ist ihnen egal, denn Staatsverschuldungen werden durch die fortlaufende Geldentwertung zunehmend automatisch getilgt. Die privaten Kreditgeber bleiben auf der Strecke: Sie kriegen kaum noch Zinsen, und das von ihnen investierte Kapital ist bei der Rückgabe immer weniger wert. Lohnempfänger sind bevorzugt, denn ihr Lohn wird regelmässig der Teuerung angepasst. Aber die Rentner sind benachteiligt, denn ihre praktisch gleichbleibenden Rentengelder haben immer weniger Kaufkraft.

Ein letzter, aber vielleicht unterschätzter Inflationsgrund

Zu den bereits oben erwähnten fünf Verursachern der Inflation möchte ich einen sechsten hinzusetzen. Er mag nebensächlich klingen, ist aber meines Erachtens nicht zu unterschätzen. Es ist der zunehmende Druck, die Einkäufe nicht mehr bar bezahlen zu können/dürfen, sondern nur noch mittels Kreditkarten. Das Ziel ist evident: man soll auf einfacherem Wege mehr kaufen. Die Wirkung ist psychologisch: Durch die bewusste Einschränkung des physischen Kontakts zum Bargeld wird suggeriert, alles werde ja ohne eigenes Zutun automatisch bezahlt. So kriegen denn heute offenbar bereits fünfjährige Kinder eine Kreditkarte (als würde das übliche Smartphone nicht ausreichen!) und können damit kaufen, was sie wollen (ich kriegte einst als Kind bis zum Teenageralter jeweils fünf Franken Sackgeld pro Monat und musste damit auskommen).

Das süsse Gift des billigen Geldes

Die Inflation ist das Resultat des süssen Gifts des billigen Geldes. Aber irgend jemand wird letztlich für die überrissene Ausgabenpolitik der Behörden und den unüberlegten privaten Konsumrausch bezahlen müssen. Das dürfte über kurz oder lang wirklich schmerzlich teuer werden. Einfache Lösungen für dieses Problem sehe ich keine. Aber sicher wäre es nötig, dass die Behörden mehr sparen und bedeutend weniger Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen würden, und dass jeder Einzelne sich in seiner Ausgabenpolitik vermehrt eigenverantwortlich nur nach der eigenen Decke strecken würde.

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