Gehören Palmen ins Tessin?

Feb 23 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 1222 Views • Commenti disabilitati su Gehören Palmen ins Tessin?

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Vor einiger Zeit habe ich im Maggiatal den Aufruf gehört: «Reisst junge Palmen aus, wenn Ihr sie im Wald oder an Wegrändern spriessen seht!» Eine drastische Forderung, die nicht leicht nachzuvollziehen ist. Verwechselt da jemand unsere schönen chinesischen Hanf-Palmen (Trachycarpus) mit invasiven Pflanzen? Zwar ist es erwiesen, dass deren Früchte sehr leicht spriessen und – allerdings sehr langsam – neue Pflanzen dort hervorbringen, wo die Vögel die Samen hingetragen haben. Ich kann aber nirgendwo feststellen, dass sie die einheimische Vegetation verdrängen. Beim Staudenknöterich (Fallopia, Polygonum) oder bei der Kudzu-Bohne (Pueraria) und anderen «Einwanderern» ist das eher der Fall. Diese Stauden können leicht zur Bedrohung der ansässigen Pflanzen werden. Im Zusammenhang mit den Palmen hört man immer wieder die Bemerkung, dass es im Tessin eigentlich nur Palmen gibt, weil unsere Touristen aus Deutschland, aus der deutschen Schweiz und aus anderen Ländern den Wunsch haben, auf der Alpensüdseite Palmen zu sehen. Ein Körnchen Wahrheit steckt in dieser Feststellung schon: Palmen sind kein einheimisches Gewächs – es gibt sie in unserer Region erst etwa seit knapp 200 Jahren. Dennoch prägen sie unsere Landschaft und ich möchte sie nicht missen. Schliesslich sind auch die Kastanien und die Reben keine einheimischen Gewächse, sie wachsen hier erst seit etwa 2000 Jahren. Ganz zu schweigen von den Azaleen, Rhododendren, Kamelien: Diese mussten erst mal aus Asien eingeführt werden, bevor sie zu den typischen Pflanzen an unseren Seen werden konnten. Einwanderer gab es offenbar schon immer – nur konnte man früher noch selbst bestimmen, wer zu uns passt und wer nicht…

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