Fortschritt? Ja, aber…

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Hurrah, jetzt kann man so quasi in allen Supermärkten (Migros, Coop etc.) endlich bargeldlos einkaufen. Es genügt für die Bezahlung an der Kasse, irgend eine Karte in den Schlitz eines Apparates zu schieben und dazu (was nicht mehr immer zwingend ist) zusätzlich einen Code einzugeben, und dann ist die Zahlung perfekt, und so spare man angeblich viel Zeit. Was für ein Fortschritt!

So sollte es vielleicht sein. Die Realität sieht zumeist anders aus. Ich selber rechne bei meinen Einkäufen in Supermärkten oder anderswo während meines Kaufs der gewünschten Artikel die jeweiligen Preise (die leider nur noch am Verkaufsregal und nicht mehr auf den einzelnen Produkten abgebildet sind) zusammen, zähle mein Geld im Portemonnaie und bezahle an der Kasse den zusammengerechneten Gesamtbetrag bar. Das geht superschnell.

Anders sieht’s aus, wenn vor dir an der Kasse jemand steht, der, statt in bar, mit irgend so einer Karte bargeldlos zahlen will. Dann ist die erhoffte superschnelle Abwicklung deines Einkaufs an der Kasse sehr oft illusorisch, denn da musst du endlos warten. Der Kunde vor dir an der Kasse vertippt sich minutenlang laufend bei der Eingabe seines Codes, oder seine Karte wird vom System nicht angenommen, denn sie ist entweder nicht gültig, nicht akzeptiert, abgelaufen, kreditmässig nicht untermauert oder wegen technischer Pannen im Computersystem des Verkäufers oder des Kartenausgebers nicht verwendbar (Postfinancekarte gerade gestern wieder einmal). Da hilft es auch nichts, dass er 10 Minuten lang seinen Code neu eintippt. Endlose Diskussionen mit der armen Kassiererin, sie muss um Hilfe bitten, der Filialleiter erscheint, doch das Problem kann auch er nicht lösen. «Zahlen Sie doch einfach in bar…!» sagt er dem Kunden. Doch das geht nicht, denn er hat kein Bargeld dabei. Und so müssen all seine auf dem Laufband befindlichen Waren an der Kasse, eine um die andere, mühsam abgeräumt und wieder in die Regale eingefüllt werden.

Mittlerweile wurde die Warteschlange an der Kasse lang und länger, es sind jetzt so um die 15-20 Personen. Nach rund 20 Minuten entschliesst sich der Filialleiter, die zweite Kasse für Barzahlungen wieder zu eröffnen, denn an den vier elektronischen Kassen steht niemand an, so dass sich die Länge der Warteschlangen zumindest halbiert und ich nach einer halben Stunde endlich mein Brot kaufen kann.  Wo ist da der Fortschritt?

Übrigens: Das Elektronische ist dem Handwerklichen auch in den Supermärkten zeitlich immer einen grossen Schritt voraus, aber dies – vielleicht nicht ganz zufällig – stets zum Nachteil der Käufer. Ein Tipp von mir: Vergleichen Sie stets die am Regal angeschriebenen Preise ihrer eingekauften Artikel mit jenen, die sie dann an der Kasse auch bezahlen. Da werden Sie gelegentlich (?) überrascht sein. Die Preisdifferenzen sind zumeist minimal (aber kontinuierlich steigend!), so etwa ein mit Fr. 3.50 am Regal angeschriebenes Brot, das an der Kasse Fr. 3.60 kostet, wie ich es in meinem Einkaufsladen über Tage hinweg gesehen habe. Ich habe natürlich sofort protestiert, aber man sagte mir, man könne die «von oben» elektronisch eingegebenen neuen (stets teureren!) Preise natürlich nicht immer gleich sofort physisch an den Regalen anschreiben. Nun ja…

Fortschritt? Ja, aber…

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