Ein Editorial zu unserer Hundertjahrfeier

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Eros N. Mellini

Editorial

In dieser Spezialausgabe unserer Zeitung für das wichtige hundertjährige Jubiläum ihres Bestehens, muss selbstverständlich auch das Editorial diesem Ereignis gewidmet werden. Unser vierzehntäglich erscheinendes Blatt wurde hundertjährig. Das ist eine denkwürdige Wegmarke angesichts der Schwierigkeiten, welche die Printpresse insgesamt heutzutage antrifft, und das gilt für ein kleines Blatt mit politischer Ausrichtung ganz besonders. Wenn man an all die vielen Zeitungen denkt, die in den letzten Jahren aufgegeben haben, grenzt dies an ein Wunder.

Mir obliegt die Aufgabe und Ehre, aber natürlich auch zu meiner Freude, als Direktor der Zeitung unser «IlPaese» fortzuführen, dies über dieses prestigiöse Jubiläum hinaus, darauf hoffend, dass diese Gratwanderung den Beginn bedeute für eine weitere Etappe einer langjährigen freien, unabhängigen und oft auch politisch unbequemen Informationsvermittlung. Denn wenn es etwas gibt, das «Il Paese» ununterbrochen charakterisiert hat – seit seiner Gründung bis zum heutigen Tage, wer immer auch seine Direktoren waren – dann ist’s seine feste Haltung, die Dinge beim Namen zu nennen, dies oft in klarem Gegensatz zum politisch korrekten «Mainstream» der regierungsfreundlichen Presse.

Unsere Geschichte ist die Geschichte eines Idealismus, angefangen mit jenen Leuten, die 1922 die Kraft und die Mittel fanden für die Gründung der Zeitung, nachdem man zwei Jahre vorher aus dem gleichen Idealismus heraus den «Partito Agrario» gegründet hatte, bis hin zu den diversen nachfolgenden Direktoren bis zum heutigen Tage. Ich erinnere mich gerne an jene, die ich als unmittelbare Vorgänger Ende der 90er Jahre und um die Jahrhundertwende selber kennen lernen durfte, das sind Elio Bernasconi und Gianfranco Montù.

Es ist derselbe Idealismus geblieben, der mich und meine gegenwärtigen Mitarbeiter auch heute noch für das Zeitungsmachen beseelt, und dies alles – das möchte ich betonen – ohne jegliche Entlöhnung. Es ist ein Freiheitsideal, es ist der Wille, die oft perversen Stossrichtungen unserer Politik zu verändern. Es ist der Wille, unseren Kindern ein besseres Land – oder, etwas weniger ambitiös ausgedrückt, einen besseren Kanton – zu hinterlassen. Wenn es uns gelingt, weiterhin Idealisten dieses Kalibers zu finden, werden sie in hundert Jahren das zweihundertjährige Bestehen der Zeitung feiern können. «Spes ultima Dea»; zu träumen ist ja noch immer erlaubt, oder etwa nicht?

Natürlich hängt die unmittelbare Zukunft der Zeitung – «Holz aalänge!» – von der Gesundheit von mir und meiner Mitarbeitern ab, und von demjenigen, der mich – hoffentlich nicht allzu früh nötig – ersetzen wird. Zudem bedarf es jemandem, der die Finanzierung des Blattes sicherstellt, was angesichts der immer zunehmenden Konkurrenz durch die elektronischen Medien immer schwieriger wird. Diese neuen Medien liegen in der Gunst der Jungen vorne, was sich stark auf den Generationenwechsel unter unserer Abonnentenschaft auswirkt.

Persönlich bin ich recht stolz auf das Produkt, das wir anbieten. Selbstverständlich im Bewusstsein, dass wir keine «Neue Zürcher Zeitung» oder «Washington Post» sein können, bin ich davon überzeugt, dass unser beschränkter Leserkreis unsere Zeitung schätzt. Seitdem ich dafür verantwortlich bin, habe ich versucht, die Themenvielfalt etwas zu erweitern, indem ich Artikel über Sport und Kultur (insbesondere die klassische Musik mit der von Carlo Rezzonico betreuten Rubrik «Spazio musicale») aufnahm, aber auch mit der Einführung von deutschsprachigen Seiten, die vor allem von unseren im Tessin wohnhaften Deutschschweizern sehr geschätzt werden. Diese Idee entstand zusammen mit jener, eine Deutschschweizer Sektion der kantonalen SVP zu gründen, um die wichtige Gemeinschaft der im Tessin ansässigen Deutschschweizer Miteidgenossen für die kantonale Politik zu interessieren. Das Schwergewicht der Zeitungsinhalte verbleibt allerdings bei der vorwiegend rechtsbürgerlichen und SVPnahen politischen Kommentierung – mit den Artikeln von Rolando Burkhard, Francesco Mendolia, Giuliano Franzosi und den unter Pseudonym veröffentlichten Texten von Black Rot, Patanegra, Ronco und Sir Drake, denen ich hiermit meinen herzlichsten Dank ausspreche.

Abschliessend kann ich beteuern, dass mich dieses mediale Abenteuer begeistert hat, und dass ich hoffe, dass dies noch weit über die ersten hundert Jahre andauere.

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