Die Region Locarno hat Potenzial

Mar 9 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 308 Views • Commenti disabilitati su Die Region Locarno hat Potenzial

Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

Wer in der Region Locarno wohnt und pessimistisch die Welt betrachtet, stellt fest, dass die Strassenverbindungen nach Osten und Westen prekär sind: Auf der Strasse nach Bellinzona ist fast täglich mit Stau zu rechnen (dass ab 2035 dank einem neuen Umfahrungstunnel mit einer Besserung zu rechnen ist, vermag nicht wirklich zu beruhigen). Auf der Kantonsstrasse bzw. auf italienischer Seite Staatsstrasse nach Verbania und Stresa dem Lago Maggiore entlang gibt es fast jedes Jahr kleinere Felsstürze, die auch schon Menschenleben gefordert haben. Wenn sie nicht wegen Felsbrocken geschlossen ist, ist die Durchfahrt wegen Bauarbeiten meist erschwert. Wer diese Realität etwas optimistischer betrachtet, entdeckt durchaus Verbesserungspotenzial: Warum wird eigentlich der See als Verkehrsweg nicht besser genutzt? Warum denkt man am Lago Maggiore so kleinräumig, d. h. immer nur bis zur Grenze? Diese gibt es nur in den Köpfen, in der Wirklichkeit verbindet der See das lombardische und das piemontesische Ufer mit dem Tessin und stellt alles andere als eine Trennung dar. Das lang andauernde Gezänk um die Schifffahrt hat auch mit Schweizer Beteiligung immer noch keine grundsätzlichen Verbesserungen gebracht. Dabei bräuchten wir sowohl attraktive Schiffsverbindungen, die touristische Bedürfnisse befriedigen als auch schnelle und flexible Transporte, um den Grenzgängern und der einheimischen Bevölkerung den Alltag zu erleichtern.

Nun stehen aber grosse Ideen in diesen Monaten im Raum: Walk on water (WOW) ist das Zauberwort: In Anlehnung an ein auf dem Lago d’Iseo realisiertes Kunstprojekt würden wir für ein paar Jahre auf einer Plastic-Passerelle von Ascona zu den Brissago-Inseln spazieren. Andere sprechen von einer Theaterbühne auf dem Wasser unmittelbar vor den Inseln. Fantastische Ideen – nur befürchte ich, dass bei einer allfälligen Realisierung die Leute nur wegen der spektakulären Installationen anreisen und die Inseln dabei völlig ins Hintertreffen geraten. Haben denn die Inseln selbst nichts zu bieten? Sind denn der Botanische Garten und seine spektakuläre Lage mitten im See nicht mehr attraktiv genug? Es scheint so, denn die Ufergemeinden haben eine nach der anderen ihre Anteile an den Inseln an den Kanton übertragen und dieser soll nun schauen, was weiter geschehen soll. Vielleicht sollten wir uns die Borromäischen Inseln zum Vorbild nehmen: Diese werden hervorragend gepflegt und sind mit Ihrem Mix aus Geschichte, Architektur, exotischer Pflanzenwelt und Gastronomie ein grosser Touristenmagnet. Vielleicht gerade deswegen, weil sie privat sind und nicht vom Staat geführt werden! Es kommt oft nicht gut heraus, wenn die öffentliche Hand sich als Unternehmerin betätigt. Aber der Kanton könnte, natürlich mit den bereits heute vorhandenen Auflagen, die Insel an eine private Organisation verpachten. Und die Sponsoren sollten vielleicht ihr Geld statt in eine Plastic-Passerelle anders investieren: wir brauchen leistungsfähige, moderne, schnelle Schiffe, um den Zugang zu den Inseln attraktiv zu machen. Das wäre nachhaltiger als ein Plastic-Steg übers Wasser…

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