Die Ära der Alarmismen

Mar 6 • Deutsche Seite, L'opinione, Prima Pagina • 527 Views • Commenti disabilitati su Die Ära der Alarmismen

Eros N. Mellini

Editorial

Epidemie: Das Auftreten einer ansteckenden Krankheit in einem bestimmten begrenzten Verbreitungsgebiet.

Pandemie: Sich weit ausbreitende, ganze Landstriche, Länder umfassende Seuche; Epidemie grossen Ausmasses.

Hysterie: Neurotische Störung, die u.a. mit oberflächlicher, labiler Affektivität und einem hohen Bedürfnis nach Geltung und Anerkennung einhergeht.

Alarmismus: Politisches Schlagwort, mit dem eine unnötige oder übertriebene Warnung vor Problemen bezeichnet oder behauptet wird.

Es ist erschreckend, in welch grossem Ausmass die Tendenz zum Alarmismus seit dem tagtäglichen Gebrauch des Internet zugenommen hat. Danach erwartet uns das Ende der Welt versteckt hinter der Ecke wegen der Umweltbelastung durch CO2-Emissionen, wegen der Kernkraftwerke, unserer Essgewohnheiten etc., respektive das Ende ist bereits morgen (oder bereits heute Nacht) zu erwarten, wenn wir alle nicht nur noch zu Fuss gehen, wenn wir uns nicht an die Kälte gewöhnen können infolge Verzichts auf die nicht mit erneuerbarer Energie funktionierenden Heizungen, wenn wir nicht alle zu Veganern werden, etc. etc.

Selbstgeisselung ist das Leitmotiv sämtlicher Ausprägungen dieser schwachsinnigen Tendenz, die da besagt: Alle Menschen sind Schurken, alle verantwortungslos und Verursacher allen Übels. Nach meiner Meinung sind sie lediglich dumm (mit einigen Ausnahmen, versteht sich). Denn wie anders soll man denn jene Leute bezeichnen, die sämtlichen Meldungen einer Presse Glauben schenken, die zwecks Auflagesteigerung stets auf der Suche nach Schlagzeilen ist – und es heute nach Zustimmung und Likes in Facebook ist – und die erkannt haben, in welchem Ausmass der Schwachsinn der Leute (der nun seinerseits wirklich ansteckend zu sein scheint) sich nun kaputt lachend der Alarmismen bedienen?  Die Medien gehen in ihrer Arroganz gar soweit, die ihnen gut scheinenden Lebensformen durchsetzen zu wollen, während sie selber Opfer geworden sind von den Einflussnahmen seitens von Lobbys, denen die Zukunft des Planeten völlig egal sind. Ich meine damit die verschiedenen Industrien, die einzig auf den Verkauf ihrer Produkte abzielen, handle es sich um Elektroautos, Solarzellen, Windkraftanlagen, biologische Nahrung und vieles mehr.

Das Aufkommen des Internets bzw. der Social Media hat die Verbreitung dieser Alarmismen exponentiell erhöht. Jedermann(-frau) will das Seine dazu sagen, angefangen mit all jenen, die auf Facebook mit schwachsinnigen Behauptungen und gar noch absurderen Forderungen in Erscheinung treten, sodann sind es Politiker, die auf der Welle der Hysterie mit parlamentarischen Vorstössen aufwarten, die nicht so sehr an die formell zuständigen Behörden gerichtet sind, sondern an ihre Wählerschaft, deren Zustimmung für sie ausschlaggebend ist für künftig wertvolle Stimmengewinne.

Das alles war so mit der ökologischen Bewegung, die anlässlich der jüngsten eidgenössischen Wahlen erfolgreich von den Rotgrünen ausgenutzt wurde. Eben dies geschieht gegenwärtig mit dem Coronavirus im Hinblick auf die Gemeindewahlen. Die Ziele wurden zwar tiefer gesteckt, aber die gegenwärtige Hysterie ist keineswegs kleiner .

Bis zum Beweis des Gegenteils handelt es sich beim Coronavirus um ein Virus derselben Familie wie der SARS, die (gemäss Wikipedia) in den Jahren 2002/2003 ca. 8’000 Personen in 17 Ländern  ansteckte, praktisch also um eine besonders aggressive Form von Grippe, die man sicher nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, die aber ebenso sicherlich nicht die allgemeine, nunmehr entstandene Hysterie rechtfertigt.

1918 gab es die „Spanische Grippe“, die infolge der mindestens 25 Millionen von Opfern (man spricht auch von 50 bis 100 Millionen) mit Fug und Recht als Epidemie oder Pandemie bezeichnet werden kann. Wenn man davon ausgeht, dass damals die Weltbevölkerung rund 2 Milliarden war, machten 25 Millionen immerhin 1,25 % aus. Es kam in der Folge zur „Asiatischen Grippe“, die Ende der 50er Jahre 2 Millionen Tote verursachte, was im Verhältnis zur inzwischen auf 3 Milliarden Erdenbewohner etwa 0,066% ausmachte. 1962 forderte die „Hong Kong Grippe“ 750’000 Tote, d.h. 0,025%. Gegenwärtig wurden durch das Coronavirus bisher 79’000 Personen angesteckt (wohlverstanden: noch nicht Verstorbene), das entspricht 0,001% der inzwischen auf 7,7 Milliarden angewachsenen Weltbevölkerung.

Nun ja, wenn ich für die „Spanische Grippe“ und die „Asiatische Grippe“ (im äussersten Fall auch für die „Hong Kong Grippe“) den Begriff der Pandemie akzeptieren kann, fällt es mir schwer, dies auch im Falle des gegenwärtigen Coronavirus zu tun, jedenfalls nicht beim derzeitigen Stand der Dinge. Das heisst natürlich nicht, dass die Behörden dieses Problem nicht ernst nehmen sollen – dafür sind sie ja auch da, und ich bin sicher, dass sie es tun werden – aber es ist übertrieben, nun Grenzschliessungen zu verlangen, jeden zu isolieren, der irgend einmal beim Niesen beobachtet wird, oder von den Behörden Informationen zu verlangen, die man sich (zwischen den Zeilen gelesen) als nicht sonderlich beruhigend erwünscht, sondern vielmehr als Bestätigung eigener apokalyptischer Endzeitszenarien…

Meiner Meinung nach sind gewisse Leute – zumindest jene, die sich unkritisch an den im Netz verbreiteten Informationen orientieren – darauf aus, sich in ihrer eigenen Katastrophentheorie bestätigt zu sehen. Und gewisse, auf Stimmenfang ausgehende  Politiker liefern ihnen leider das Erwünschte auf dem Silbertablett. Das ist, wie wenn man die Jäger der von der absichtlichen Verbreitung der Pest Verdächtigten mit Knüppeln ausrüsten würde.

Eine Schlussbemerkung: Es fällt auf, dass viele der in die Tasten greifenden Helden nach der Verbreitung ihrer drastischen Präventionsmassnahmen in den Social Media Photos posten, die ihre Teilnahme an Massenveranstaltungen (sicherlich Anlässe mit dem höchsten Risiko einer Ansteckung) aufzeigen, so etwa an den Karnevalsveranstaltungen oder an Eishockeyspielen; der Tessiner Staatsrat hat denn auch diesbezüglich Massnahmen beschlossen, meines Erachtens aus purer Angst vor unbegründeten Pressionen seitens einer arglistig manövrierten Volksmeinung (und seitens von Politikern, die sich im Wahlkampf befinden). Aber kohärentes Verhalten scheint nicht mehr an der Tagesordnung zu sein.

 

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