Bundesratskarussell: Ich bin der ideale Kandidat!

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Humoreske

Das Bundesratskarussell dreht sich derzeit wie wild: Wer wird Nachfolger von Bundesrat Burkhalter? Ein Tessiner (Cassis, Laura Sadis)? Ein Romand (Lüscher, Maudet, Isabelle Moret oder Jacqueline de Quattro)? Oder doch ein Ostschweizer? Allesamt mit Chancen, aber allesamt mit grossen Mängeln. Der einzig richtige Kandidat, der sämtliche Bedingungen erfüllt, bin ich und ich alleine.

Angemessene Vertretung der Landesregionen und Sprachregionen: Ich bin in Locarno/Vallemaggia aufgewachsen, also (auch dank meiner Tessiner Mutter) ein Tessiner DOCG. Zudem habe ich in Neuchâtel studiert, bin also ein waschechter Romand. Weiter habe ich rund 10 Jahre in St.Gallen gelebt und an der dortigen Uni meinen Doktor gemacht, kenne also auch die Ostschweiz bestens. Und schliesslich wohne ich derzeit in der Stadt Bern Nähe Bundeshaus, so dass ich im Falle einer Wahl weder ein Fünfstern-Hotel noch eine teure Staatswohnung auf Kosten der Steuerzahler benötigte.

Die Landessprachen spreche ich allesamt perfekt, auch englisch. Allerdings ist mein Akzent beim rhätoromanisch-oberengadinischen Idiom Putèr etwa so holprig wie wenn Schneider-Ammann englisch spricht.

Regierungserfahrung : Habe ich zur Genüge: Ich bin 40 Jahre lang verheiratet, dies gar mit immer der gleicher Frau.

Parlamentserfahrung: Ich war nie Parlamentarier, habe aber als einst hoher Bundesbeamter in den Parlamentsräumen von National- und Ständerat und den Sitzungszimmern des Bundeshauses mehr Zeit verbracht als die meisten Parlamentarier heute. Ich kenne somit auch sämtliche Schleichwege.

Alter: Ich gehe gegen die 70 zu, was absolute Riesenvorteile hat. Denn ich verpflichte mich, höchstens 24 Jahre im Amt zu bleiben. Bis dahin wird dann auch Bundesrätin Leuthard abtreten, um endlich unserem Lombardi den Weg zu ebnen.

Partei: Ich bin nicht FDPler, aber immerhin rechtsliberaler SVPler. So kriegte ich bei der Parlamentswahl sicher die Stimmen sämtlicher SVPler, zudem jene der (allerdings wenig verbliebenen) bürgerlichen FDPler; aber sicher sämtliche der CVPler, denn ich bin gegen die Homo-Ehe zwischen gleichgeschlechtrigen Kardinälen. Zudem habe ich die Stimmen der Grünen auf sicher, denn ich trete vehement für die Wiederassimilierung des Bären im Alpenraum ein. Und die SPler habe ich ohnehin im Sack: Denn ich bin für „Prima i Nostri!“.

Frauen: Viele möchten eine Frau. Zugegeben, ich bin keine Frau. Da ich aber in höherem Alter bin und Frauen gerne mag, könnte ich falls nötig mit einer kurzfristigen Geschlechtsumwandlung leben. Denn man muss flexibel sein: Auch die Dreifuss hat ja für ihre Wahl in den Bundesrat innert 24 Stunden ihren Wohnsitz von Bern nach Genf verlegt.

Wunschdepartement: Am liebsten würde ich als gewählter Bundesrat dann das wichtigste aller Departemente, nämlich das „Department for the Complication of Simple Matters“ (DCSM) übernehmen; dies mit dem Zweck, dieses innert einer Woche abzuschaffen und dann zum EJPD rüber zu wechseln. Dort „schaffen wir das“ schon. Allerdings nicht so, wie von Sommaruga geplant.

Also wählt mich und nur mich: Mit etwas Überzeugungsarbeit bei unseren Parlamentariern „schaffen wir das“ spielend (Bundeskanzlerin Merkel dixit!) oder besser noch: „Yes, we can“ (ex-Präsident Obama).

 

Ronco

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