Berühmte Leute: einst und heute

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Urs von der Crone
Präsident ds-SVP Tessin

In letzter Zeit schreiben die Zeitungen noch und noch von der Botschaft, die Greta Thunberg den Mächtigen von heute mit ernster Miene verkündet. Über Ostern ist die unterdessen beinahe heiliggesprochene Prophetin für die Folgen des Klimawandels sogar in Lugano gewesen und hat übers Internet ihre Dreihunderttausend Freunde und Follower gegrüsst. Touristiker witterten bereits die Möglichkeit, dass Greta als Influencerin die Vorzüge unseres Kantons in die ganze Welt hinausträgt. Warten wir es ab, ob Gretas Botschaft in wenigen Jahren schon wieder vergessen ist oder ob sie wirklich nachhaltig ist. Als Erinnerung an berühmte Persönlichkeiten, die etwas bewegt haben – allerdings nur regional, nicht global, errichteten wir in früheren Jahrhunderten oft ein Denkmal mit entsprechender Inschrift. Eine solche ist mir in diesen Tagen wieder begegnet: In San Bartolomeo, in der ältesten Kirche des Verzascatals. Sie spricht vom Vize-Pfarrer Gian Giacomo Pancrazio Bustelli (1716-1771).

Der Geistliche ist vom Bischof von Como im Tal eingesetzt worden und hat sich einen grossen Namen gemacht. Die lateinische Inschrift erwähnt die Vorzüge des Mannes: INTEGRITATE VITAE (eine integre Persönlichkeit), MORUM SUAVITATE (mit angenehmer Art im Umgang), VERBI DEI PRAEDICATIONE SPECTATISSIMUS (ein hervorragender Redner und Prediger). Bei so vielen guten Eigenschaften konnte es nicht ausbleiben, dass er sich überarbeitete, vielleicht sogar an «burnout» litt: STUDIO, VIGILIIS, ITINERIBUS CORPORIS MACERATIONE CONSUMPTUS (durch intensive geistige Arbeit, oft auch in der Nacht und vor allem durch die weiten Märsche beim Besuch der Mitglieder seiner Pfarrei hat seine Gesundheit gelitten). Die Inschrift zieht dennoch oder vielleicht gerade deshalb eine Bilanz seines Lebens: ANIMAS MULTORUM ADEPTUS (er hat viele Seelen gewinnen können, modern ausgedrückt: er brachte seiner Firma viele neue Kunden) SUAM REDDIDIT (und seine eigene Seele gab er zurück mit 55 Jahren, modern gesprochen: er verstarb leider schon vor seiner Pensionierung). Wer die Inschrift in San Bartolomeo liest, findet in derselben Kirche auch das Bett von Bustelli: Wenn er mal zu müde war, nach Hause zurückzukehren, konnte er am Arbeitsort übernachten, auf einer harten Holzliege mit einem Flussstein als Kopfkissen.

 

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