„Aber die Prinzessin ist ja nackt…!“ (Teil 2)

Nov 30 • Deutsche Seite, Prima Pagina • 93 Views • Commenti disabilitati su „Aber die Prinzessin ist ja nackt…!“ (Teil 2)

Humoreske

Punkto Märchenfiguren um nackte Prinzessinnen (siehe Teil 1 des Märchens in der letzten Ausgabe) braucht die Schweiz gar nicht erst nach Schweden zu blicken, denn wir haben unsere eigenen. Und dies nicht zu knapp. Nein, es geht nicht um die jüngst in den Nationalrat gewählte gleichnamige grüne Tessinerin Greta (Gysin) und nur am Rande um die rot-grüne Prinzessin Simonetta Sommaruga. Es geht vor allem um die grün-ultrarote Stadtbernerin Regula Rytz – jene gescheiterte Ständeratskandidatin, die ja ach so gerne Bundesrätin werden möchte.

Doch das ist nicht so einfach, denn dafür müsste ja ein bestehendes Mitglied des Bundesrats abgewählt werden. Aber wen ? Das Einfachste wäre schlicht und einfach ein Prinzessinnen-Abtausch: Rytz statt Sommaruga. Das hätte den Vorteil, dass die eine statt der anderen Stadtberner Politikerinnen das Krönlein tragen dürfte. Damit würde die Beachtung der angemessenen Vertretung der Landesgegenden und Sprachregionen im Bundesrat (Art. 175 Abs. 4 BV) nicht aufgegeben, und es würde ein absehbarer rot-grüner Prinzessinnen-Krieg um das schönere Kleid in unserer Landesregierung vermieden.

Doch unsere Schweizer Prinzessin Regula möchte ja den Thron des FDP-Prinzen Cassis erklimmen, und durch die Abwahl eines Tessiners die für sie unangenehme Landesgegenden/Sprachregionen-Thematik in die Wüste schicken. Das dürfte eher schwierig werden, wenn da nicht vielleicht…

…die Königsmacherin CVP mit einer ihren traditionell-berüchtigten politischen Unterzüge (im Italienischen treffend als „uregiattada“ bezeichnet) dafür Hand böten könnte. Zwar weiss die CVP einmal mehr selber nicht, was sie will. An die Politsendung „Arena“ von SF1 vom 22. November zu diesem Thema hat sie jedenfalls trotz Einladung niemanden entsenden wollen, ihr Sitz blieb leer.

Heute 23.11. hat sich die CVP durch ihren Präsidenten Pfister im Interview von Radio DRS1 in gewohnt verklausuliert-unverbindlichen Art zu ihrer Position geäussert: Die Mehrheit der Fraktion werde Rytz im Dezember wohl eher nicht wählen, der geforderte Sitz der Grünen sei aber berechtigt, und der zweite FDP-Sitz bleibe sehr diskutabel. Auf die Nachfrage, wen er denn selber wählen würde (Rytz oder Cassis) meinte der CVP-Präsident sybillinisch, die Frage sei falsch gestellt. Fazit: So quasi alles bleibt offen. Zudem: Es wird bekanntermassen nie so viel verheimlicht und gelogen wie vor Bundesratswahlen !

Da hätte ich für die CVP eine Idee bereit, die sämtliche ihrer Probleme auf einen Schlag lösen würde. Wie wäre es denn, die Partei würde ihre derzeitige Vertreterin im Bundesrat, Prinzessin Viola Amherd zurückziehen und stattdessen den Tessiner Filippo Lombardi vorschlagen ? Würde er gewählt, wären die Vorteile evident: Die CVP behielte ihren einzigen Sitz im Bundesrat, das Tessin bliebe im Bundesrat vertreten, womit der Tessiner FDPler Cassis zum Abschuss freigegeben werden könnte. Und die Partei könnte – ohne politisch gross Schaden zu erleiden –  durch die Unterstützung der Wahl von Prinzessin Regula Rytz wunschgemäss zur Steigbügelhalterin einer links-grünen Mehrheit in der Landesregierung werden, in der sie, nötigenfalls gelegentlich auch mal nach rechts tendierend, das Zünglein an der Waage spielen könnte.

Zudem: Wäre es denn nicht königlicher Gesinnung, mit der Wahl von Lombardi und Rytz zwei Verlierern der Ständeratswahlen zu höheren Weihen zu verhelfen ?

Ob eine neu in den Bundesrat gewählte Prinzessin Rytz dann bei ihrer Prunkschau in ihrem imaginären CVP-Kleid überzeugen könnte, ist fraglich. Viel eher wird dann ein unschuldiger kleiner Bub aus dem rechtsbürgerlichen Lager plötzlich entrüstet ausrufen „Aber die Prinzessin ist ja nackt…!“, worauf das Volk ihm Recht geben wird. Ob danach – wie in Andersens Originalmärchen – die Show dennoch weitergeht oder nicht, ist nicht zu sagen. Denn für Prinzessin Regula wie für die Königsmacherin CVP gilt dasselbe wie für alle Märchenfiguren: Wenn sie noch nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ronco

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